Die Baustelle

Zuerst die Binsenwahrheit: Es gibt gute und schlechte Bilder, wir unterscheiden diese intuitiv. Wenn wir fotografieren sind wir bestrebt erstere vermehrt zu machen und letztere nach Möglichkeit zu vermeiden.

Doch was macht gute Bilder aus? Je nach Vorliebe und Erfahrungen werden verschiedene Leute unterschiedlichste persönliche Antworten darauf finden. Gemeinsam haben diese Bilder eine nicht dem Zufall überlassene Gestaltung. Auf die eine oder andere Art und Weise vermögen sie unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen und entfachen in uns eine Wirkung. Kurz: die Bilder sprechen uns an, es kommt eine Kommunikation zwischen Betrachter und Bild zustande.

Es wäre mir ein leichtes, Ihnen das Rezept für
Kreativität zu verraten. Alleine, sie wären dann
durch dessen Anwendung nicht mehr kreativ. Es
ist also nur zu Ihrem Besten, wenn ich Ihnen
diesbezüglich etwas verschweige.

Bildgestaltung ist ein Vorgang des Suchen und Findens, des Ausprobieren und Auswertens. Auch darin zeigt sich, dass Bildgestaltung für jeden Fotografen etwas individuelles ist. Damit will ich Ihnen folgendes andeuten: sie kommen nicht darum herum, selbst tätig zu werden.

Bilder, welche Du gemacht hast haben Einfluss auf die, welche du machen wirst. So ist das Leben!

John Sexton

Bildgestaltung ist somit eine Baustelle, sie stellt kein abgeschlossener Prozess dar. Wer sich einmal mit Bildgestaltung beschäftigt hat kann nie mehr zurück. Bildgestaltung begleitet den Fotografen von diesem Zeitpunkt an während seinem ganzen fotografischen Dasein.

Die Kreativität beim Fotografieren entsteht jedoch nicht ausschliesslich wenn wir durch den Kamerasucher gucken, sondern schleicht sich eher langsam in unser fotografisches Leben. Immer dann

Immer dann wenn wir uns mit Fotografie beschäftigen unterliegen wir einer Entwicklung hin zu dem was wir einmal als Fotograf sein werden. Zuerst sind wir gestalterisch vielleicht noch unsicher und streng, mit der Zeit und zunehmender Erfahrung, wenn der Überblick grösser ist, werden wir lasch und lustvoll - kreativ. Der Fotograf wächst also an der Bildgestaltung, Bildgestaltung ist somit nicht nur ein Aspekt eines einzelnen Bildes, sondern des gesamten Werkes eines Fotografen, dieses wird eine Entwicklung aufzeigen.

Vorweg: Es gibt keine Kamera, die von sich aus gute oder schlechte Bilder macht. Aber es gibt gute und weniger gute Fotografen. Die Steigerung hin zum guten ergibt sich durch ein zum Teil vermittelbares Sehtraining. Das Sehtraining selbst, ist einmal der Einstieg gefunden, ist ein Prozess, der lebenslänglich andauert. Er unterliegt einer unbemerkten Verselbständigung, so dass seine Entwicklung später beinahe unbeeinflussbar fortdauert.
Die Behauptung, der eine hat's eben und der andere nicht, stimmt nur bedingt. Um für sich selbst festzustellen, inwieweit eine Trainierfähigkeit, also Eigenkreativität möglich und erreichbar ist, hilft nur das eigene Experiment.

Karen Ostertag in "die Fotokomposition"

Der Fotograf wendet also Gestaltung gleichermassen an wie sie Sprache anwenden um zu sprechen. Sprache muss vorgängig ebenfalls erlernen werden, wird sie aber erst einmal beherrscht, so bereitet sie in der Anwendung kaum mehr Mühe und funktioniert aus dem Unterbewusstsein.

Das Wissen um die Gestaltungsmittel sollte total verinnerlicht sein und bei der praktischen Arbeit aus dem Unterbewusstsein, also sozusagen "aus dem Bauch heraus" Einfluss nehmen.

Harald Mante

Vom Zwang zu gestalten

Muss der Fotograf sich um Bildgestaltung kümmern, haben wir nicht schon genug Regeln? Das ist eine interessante Frage, nicht zuletzt deshalb weil sie impliziert, es würde um die Freiheit des Fotografen gehen etwas zu tun oder zu lassen.

Bild: Michael Albat

Gleichermassen könnten man auch fragen, ob man sich um das Fallen kümmern muss wenn man von einer Brücke springt.

Bei der Bildgestaltung geht es wesentlich also gar nicht um den Fotografen, sondern um den Betrachter des Bildes, oder genauer noch: Um die Wirkung des Bildes auf den Betrachter, die Bildwirkung.

Νόμος ὁ πάντων βασιλεύς

Das Gesetz ist aller König.

Pindar, Fragment Nr. 169a

Sie sehen also: Sich um die Bildgestaltung kümmern muss der Fotograf selbstverständlich nicht, das Bild wird seine Wirkung auch so auf den Bildbetrachter ungefragt ausüben.

Freilich ist hier zu unterscheiden zwischen genetisch basierten Gesetzen welche gewissermassen universell gelten - wie etwa die Bevorzugung von Ordnung und Kontrast - zu kulturell überlieferten, angelernten Gesetzen.

Bild: Reuters

Für einige von uns mag das Bild einer jungen Frau in Hosen, die einen Mann an einer Hundeleine führt, ein harmloser Schnappschuss des Typs Meine schönste Zeit sein. Man hat mir jedoch glaubwürdig versichert, dass dies das Seelenleben eines Mannes seiner Kultur genauso gut tötet wie eine Kugel seinen Körper.

Der erste Hauptsatz der Bildgestaltung lautet daher: Wenn Du Dein Publikum erreichen willst, dann musst Du die Bildwirkung beachten, die für Dein Publikum von Bedeutung sind.

Oder noch kürzer: Kenne Dein Publikum!

Fotos ohne Gestaltung gibt es nicht, kein Fotograf kann sich der Bildgestaltung entziehen. Er kann ihr jedoch ungenügend Achtsamkeit schenken oder sie dem Zufall respektive der Gedankenlosigkeit überlassen. Auch wenn sie die Gestaltung ignorieren werden Entscheidungen getroffen, das Bild wird im Querformat sein, der Kopf in der Mitte, der Horizont schief - und sie werden sich dessen nicht bewusst sein.

Die Ebenen der Gestaltung

Dazu ein kleiner Vergleich: Wenn sie einen Roman schreiben, was ist von Bedeutung?

Genau gleich verhält es sich mit der Fotografie. Die Geschichte wird zum Motiv, die Charaktere entsprechen Symbolen respektive Farben, der Schreibstil wird zur Bildgestaltung und das Schreibwerkzeug zur Kamera.

Aus diesem Vergleich können wir auch gleich weiteres ableiten. Das Motiv geht vor, es macht das Bild. Symbole und Farben müssen das Motiv unterstützen. Die Bildgestaltung macht das Bild lesbar.

An der Farbe lässt sich die Sinnesweise, an dem Schnitt die Lebensweise des Menschen erkennen.

Johann Wolfgang von Goethe - Wilhelm Meisters Wanderjahre II

Nur wenn sie einen grossen Wortschatz haben und die Sprache in Nuancen beherrschen - T'schuldigung, ich bin abgeschweift - nur wenn sie die Elemente der Bildgestaltung beherrschen, sind sie imstande, das Bild aussagekräftig zu gestalten. Und die Kamera können sie sicher perfekt bedienen. Bildgestaltung ist also kein Selbstzweck und kein Ziel, es ist eine Notwendigkeit um zu einer Bildaussage zu gelangen. Bildgestaltung ist daher auch kein Regelwerk wie man des öfteren hört oder liest und hat auch keinen Gesetzescharakter, Bildgestaltung ist ein Qualitätsaspekt des Bildes.

Komposition ist ein Mittel, nicht ein Ende, und die vollkommenste Komposition rechtfertigt nicht ein belangloses Bild. Komposition ist ein Werkzeug, um den Eindruck des Bildes zu steigern. Vorausgesetzt, dass Bildinhalt und fototechnische Behandlung gleichwertig sind, macht ein gut komponiertes Foto einen stärkeren Eindruck als eines mit schwacher Komposition. Das ist das ganze Geheimnis.

Andreas Feiningers grosse Fotolehre, Seite 434.

Den Fotografen aufbauen ...

Über nichts können wir nachdenken wenn uns dafür die Begriffe fehlen. Um zu gestalten respektive um über Gestaltung nachzudenken brauchen wir also vorerst entsprechende Begriffe.

Nehmen wir als Beispiel den ausgelutschtesten aller Begriffe, den goldenen Schnitt. Er bedeutet nichts anderes als irgendeinen Punkt im Motiv zu wählen und diesen irgendwo innerhalb des Bildes zu platzieren, dass sich irgendwelche Verhältnissen im goldenen Schnitt einstellen. Dies ist doch recht unspezifisch – es wird gleich noch unspezifischer wenn wir uns die Alternative offenhalten, den Punkt nicht nach diesen Verhältnissen zu platzieren. Wir können uns daran halten oder eben nicht – so gesehen gibt dieser Begriff genau gar nichts vor. Sein Verdienst besteht jedoch darin, dass er als Einfallstor zu einem Fragenkomplex betreffend der Einteilung der Bildfläche, respektive zu geometrischen Verhältnissen innerhalb des Bildes dient.

Der Aufbau des Fotografen erfolgt parallel mit dem Aufbau von fotografischen Begriffen, zu welchen der Fotograf sich Gedanken macht. Der erste Begriff mag vielleicht "Schärfe” sein – fortan gibt er sich Mühe ein scharfes Bild zu erzielen. Bei Porträts wird der Kopf aber weiterhin in der Mitte des Bildes zu liegen kommen, weil der Fotograf sich dazu noch keinen Gedanken macht. Später wird er aufmerksam auf die Bildeinteilung, beginnt auf die Höhe des Horizontes zu achten – gleichzeitig wird er diesen auch gleich gerade ausrichten – und das Gesicht im Bild wird erstmals gezielt platziert. Dies bedeutet jetzt nicht, dass das Gesicht nicht in der Mitte des Bildes sein wird, aber falls dem so ist wurde es vom Fotografen so platziert während es zuvor nur dort zu liegen kam.

So führt jeder Begriff zur Bildgestaltung zu einem zusätzlichen Element, auf welches der Fotograf achtet. Der Fotograf wird diese Elemente intuitiv anwenden, so wie er eine Sprache spricht ohne andauernd deren Grammatik in Gedanken zu verfolgen. Jeder gestalterische Begriff wird so zu einem Wort im gestalterischen Wortschatz. Gleichermassen wie wir beim Sprechen auch nicht versuchen jedes uns bekannte Wort möglichst zu verwenden, wenden wir für die Gestaltung eines Bildes diejenigen Elemente an, welche sich im Bildgefüge als passend erweisen und erkennen, wenn sich ein ungewolltes Element einschleicht.

Gelten für Maler und Fotografen die gleichen Gesetze?

Viele was wir gestalterisch für die Fotografie verwenden wurde schon für die Malerei formuliert. Punkt und Linie zu Fläche ist der Titel eines Buches zu den Grundlagen der Gestaltung von Wassily Kandinsky. Das Buch trägt den Untertitel "Beitrag zur Analyse der malerischen Elemente". Die modernen Maler seiner Zeit hatten sich bewusst von der gegenständlichen Darstellung gelöst und entdeckten grundlegende bildaufbauende Elemente wie Punkt, Linie und Fläche und die diesen Elementen innewohnenden Kräfte, welche die Bildfläche bestimmten. An Stelle perspektivischer Ordnung traten neu Gesetze von Rhythmus und wechselseitiger Interaktion abstrakter Elemente.

Doch bevor wir unbedarft in eine gedankliche Sackgasse treten drängt sich eine Frage auf: Können die gestalterischen Mittel der Malerei auch für die Fotografie Anwendung finden? Bilder entstanden nach beiden Verfahren lassen sich analysieren, diesbezüglich darf davon ausgegangen werden, dass zu deren Verständnis die gleichen Theorien Verwendung finden können.

Ich beschloss, dass die beiden Medien, Photographie und Malerei, nicht miteinander vergleichbar sind. Also male ich all das, was man nicht photographieren kann, was aus der Phantasie, aus einem Traum oder einem unterbewussten Impuls herrührt. Und photographiere die Dinge, die ich nicht malen möchte, Dinge, die schon existieren.

Man Ray

Betrachtet man jedoch die Entstehungsweise der Bilder, so könnten sie nicht verschiedener sein. Die Malerei ist aufbauend, beginnend mit der leeren Leinwand füllt der Maler seine Bildelemente ein.

Für den Fotografen hingegen ist die Welt eine grosse Szenerie und er entnimmt ihr kleine Ausschnitte als Bilder. Der kreative Vorgang ist daher für den Fotografen in einem ersten Schritt auch eher eine Auswahl als eine Gestaltung. Er malt nicht, er wählt aus, reduziert, räumt auf.

In einem Gemälde nimmst Du einfache Bausteine und baust etwas zusammen, das komlexer ist. Es ist ein Prozess der Synthese. Ein Foto macht das Gegenteil: Es nimmt die Welt, legt ihr eine Ordnung auf und vereinfacht sie. Fotografie ist ein analytischer Prozess.

Stephen Shore

Die Natur kann sich Verschwendungen in allem erlauben, der Künstler muss bis ins letzte sparsam sein. Die Natur ist beredt bis zum Verworrenen, der Künstler sei ordentlich verschwiegen.

Paul Klee

Der Vorgang reduziert sich auch nicht auf die Zeit des Auslösens – er beginnt vor dem Blick durch den Sucher. Zuerst will das Motiv als potentielles Bild erkannt werden – in vielen Fällen schreit das Motiv nicht und der Fotograf muss es selbst erkennen – es gibt hier natürlich Ausnahmen (Wegweiser: Photo Look Out). Ist es klein genug kann sich der Fotograf um das Motiv herumbewegen, es aus unterschiedlichster Perspektive betrachten – durch den Sucher betrachten – weiter weg oder näher hingehen, die Schärfe und deren Tiefe festlegen und den Bildwinkel ändern. Derart tastet sich der Fotograf an das Bild heran – sein Näherkommen wird er intuitiv fühlen. Dann ist das Bild fast da, jetzt wird noch verfeinert. Hier kommt meines Erachtens nach die klassische "Bildgestaltung” ins Spiel. Sobald man sich auf sie achtet sind plötzlich all deren Aspekte da. Hier kriegt die Gestaltung einen handwerklichen Touch. Die Linien werden gerichtet, nochmals auf störende Elemente geachtet, der genaue Ausschnitt bestimmt. Fotografieren geht jedoch über das einmalige Auslösen hinweg zum nächsten Bild, um dem Motiv eventuell noch ein besseres Bild zu entlocken und hört auch nicht auf wenn die Kamera weggelegt wird. Das anschliessende Sortieren der Bilder gehört dazu.

Den Kosmos der Bildgestaltung kartographieren ...

Praktisch jedes Genre innerhalb der Fotografie hat seine eigenen Regeln und Leitsätze. So verwendet zum Beispiel der Architekturfotograf nicht die gleiche Herangehensweise wie der Aktfotograf (mal abgesehen von Bill Brandt). Wenn man jedoch das Motiv abstrahiert, so kommt man auf einen gemeinsamen Kern von Begriffen, diesen Kern möchte ich hier erarbeiten:

Fotografische Komposition

Bezüge sind das Wesen der Komposition ...

Die fotografische Komposition ist ein Auswählen und Zusammenfügen von Bildbestandteilen innerhalb der Bildfläche zu einem stimmigen Ganzen. Im Idealfall ergeben sich Bezüge, welche die Gesamtwirkung unterstützen und verdichten, so dass das Ganze mehr wird als die Summe der Einzelteile.

Das Richtigste ist das Schönste
Beachte die Grenze
Hasse die Hybris
Nichts im Übermass

Inschrift am Tempel von Delphi

Der Begriff der Komposition hat im Laufe der Zeit Änderungen erfahren. Während der Renaissance hatte die Komposition zur Aufgabe, der Darstellung eine angemessene Form zu geben. Bei Kandinsky trat der Aspekt der Zusammenstellung in den Vordergrund. Es ging nicht mehr um die Darstellung, sondern um die Zusammen-Fügung, das Bild war ein Gefüge von Elementen. Kompositionsgrundsätze sind somit keineswegs universell und unterliegen gesellschaftlichen und in der Fotografie explizit auch modischen Strömungen.

Allgemein kann man sagen, die Themenkomplexe fotografischer Komposition sind:

Proportionen

Der Begriff Proportion bezeichnet die Verhältnisse, welche sich aus Dingen untereinander ergeben. Im geometrischen Bereich sind dies Grössen, Aufteilungen und die sich daraus ergebenden Gewichtungen.

Proportionen und Strukturkontrast.

Dinge ins richtige Verhältnis zu setzen ist weitgehend Ziel der Kunst seit dem antiken Griechenland, die richtigen Verhältnisse werden Harmonie genannt. Die bekannteste Proportionslehre der Griechen ist der Kanon (Regel) von Polykleth und der Doryphoros (Speerträger), eine Statue, welche nach dieser Regel geschaffen wurde.

Der Mensch ist das Mass aller Dinge

Protagoras, 5 Jh.v.Chr.

Das Wissen der Antike und somit auch um die Proportionen wurde von Euklid im Buch Die Elemente zusammengefasst. Darin beschrieb er die Geometrie nach den Regeln der Arbeit der Künstler. Basierend auf der Proportionslehre der Antike wurde von Le Corbusier mit dem Modulor ein universelles Masssystem für die Architektur entwickelt.
Proportionen lassen sich aber auch anderweitig sinngebend verwenden. Während dem Mittelalter hatten Grössenverhältnisse von Figuren untereinander zumeist die Aufgabe, den einzelnen Figuren innerhalb der Darstellung die angemessene Bedeutung zu verleihen. Was grösser abgebildet wurde war auch von grösserer Bedeutung. Diese Art der Darstellung wird Bedeutungsperspektive genannt.

Kontraste

Grössen-, Linien- und Farbkontraste.

Kontraste haben immer mit Unterschieden zu tun. Bekannt sind Kontraste bezüglich des Lichts und der Farbe, im allgemeinen gelten Unterschiede jeglicher Natur als Kontrast, so sprechen wir auch von Grössenkontrasten, Strukturkontrasten oder Linienkontrasten, insofern sich diese Aspekte oder Grössen im Bild gegenüberstehen.

Farbkomposition

Nebst geometrischen Aspekten waren stets auch Farben Bestandteil kompositorischer Überlegungen. Während langer Zeit war Farbe ein bedeutender Kostenfaktor und wurde entsprechend der Kostbarkeit verteilt. Die heutigen Gestaltungsleitsätze zu Farbe gehen grossenteils auf Schemata von J.W.von Goethe und Johannes Itten zurück.

Bezüglich Farbe hat die Fotografie und der Film eine grosse Anzahl unterschiedlicher Ästhetiken geprägt, von bunten Hochkontrasten bis hin zu pastellfarbigen tiefen Kontrasten.

Kompositionsschemata

Kompositionsschemata sind einfache formale (nicht inhaltliche) grafische Grundtypen des Bildes. Ein solches klassisches Kompositionsschema ist zum Beispiel die Dreieckskomposition.

Motivauffassung

Mit der Motivauffassung schliesslich kommt der Fotograf ins Spiel. Die Aspekte der Bildgestaltung sollen im Dienst seiner Bildidee eingesetzt werden. Da stellt sich doch gleich eine wesentliche Frage: Muss der Fotograf eine Bildidee haben?

Ich denke schon, ich bin auch überzeugt, dass er eine Idee hat, zumindest unbewusst. Sie liegt irgendwo in der Spannweite objektiv bis subjektiv, realistisch bis abstrakt, als Balance zwischen Ästhetik und Informationsgehalt.

Die Bildidee besteht aus zwei Teilen, eine Teil bezieht sich direkt auf das Motiv. Zuweilen mag sie auch erst während der Aufnahme entstehen, was nicht weiter schlecht ist, so man imstande ist, sie im Moment als solche zu erkennen. Den zweiten Teil der Bildidee tragen sie dauernd mit sich rum. Es sind dies ihre Ansichten zur Fotografie, ihre persönliche Meinung, was ein gutes Bild ausmacht. Womit sich der Kreis wohl schliesst.