Ebenen

Räumliche Tiefe hinterlässt im ansonsten flachen Bild Spuren, welche eine entsprechende Interpretation des Bildes erlauben. Zwischen einer potentiellen Möglichkeit und einer realen Erfahrung liegt aber eine Schwelle, welche überwunden werden muss. Die Botschaft seh ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube (Sorry, Johann Wolfgang). Der geübte Fotograf wird also bestrebt sein, einen Anreiz zu schaffen, welcher den Betrachter die Tiefe des Bildes erforschen lässt.

Ein solcher Anreiz sind Ebenen. Die klassische Aufteilung sind 3 Ebenen, Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund. Grundsätzlich hat jedes Bild diese Ebenen, wir können einen Bereich Mittelgrund nennen, die beiden anderen Bereiche ergeben sich daraus. Alleine, damit ist nichts erreicht. Damit die Ebenen eine Wirkung entfachen, müssen sie vom Betrachter klar erkannt (wenn auch nicht benannt) werden (sie sollen schliesslich kein Effekt darstellen). Ebenen müssen sich gegeneinander trennen.

Die einfachste Trennung ist sicher eine klare Trennlinie wie bei nebenstehendem Bild. Der Fels (Mt. Chudalup) bildet den Vordergrund, die Person den Mittelgrund und die strukturierte Landschaft den Hintergrund.

Wenn jede Ebene einen Aufmerksamkeitsreiz enthält, so werden die Ebenen auch wahrgenommen. In nebenstehendem Bild ist es der helle Fleck im Vordergrund, die Struktur im Hintergrund und insbesondere die nette Dame im Mittelgrund, welche besonders meine Aufmerksamkeit erweckt.


Bild: Michael Albat

Das eigentliche Hauptmotiv kann sich in jeder Ebene befinden. Bei nebenstehendem Bild liegt das Autowrack als Hauptmotiv im Vordergrund.

Der Mittelgrund enthält zwei weitere Wracks, welche sich vor allem durch den Abbildungsmassstab vom Wrack im Vordergrund abheben, sowie den Reifen am linken Rand. Der Hintergrund wird vor allem durch das Licht wirkungsvoll in Szene gesetzt, zusammen mit den Schatten auf den ansteigenden Hügeln, welche auch im Hintergrund den notwendigen Aufmerksamkeitspunkt erzeugen.
Eine Faustregel besagt, dass jeder der drei Ebenen etwa 1/3 der Bildhöhe zugeordnet werden soll. Beim Wrackbild liegt das Chassis auf 1/3 der Bildhöhe, die Grundlinie der Hügel ungefähr auf 2/3. Beim ersten Bild ist vor allem der Vordergrund gefühlsmässig auf etwa 1/3 Bildhöhe.

Insbesondere bei Aufnahmen mit extremen Weitwinkelobjektiven kann die Schaffung von zufrieden stellenden Bildebenen Probleme bereiten. Ist das Motiv im Vordergrund, so wird es unter Umständen an starker geometrischer Verzerrung leiden, ist es im Mittelgrund, so wird es schnell mal zu klein abgebildet.


Bild: Michael Albat

Eine ganz andere Methode der Ebenenschaffung ist die optische Rahmung des Motivs, normalerweise geschieht dies durch Vordergrundelemente, beliebt sind etwa Torbögen oder Fensterdurchblicke.

Interessant bei nebenstehendem Bild ist, dass sich am Rahmen jede der drei Ebenen beteiligt. Links oben wird der Rahmen durch den Ast im Vordergrund gestaltet. Unten ist es der Mittelgrund, in diesem Bild die Motivebene selbst. Der Löwe steht auf dem Ast, welcher zur Rahmung dient. Auf der rechten Seite wird der Rahmen durch Elemente im Hintergrund geschlossen. Die Trennung der Ebenen geschieht bei diesem Bild vor allem durch selektive Schärfe, also den Wechsel Unschärfe - Schärfe - Unschärfe.