Fläche und Form
Nach Punkt und Linie steht die Fläche in logischer Folge durch Zugewinn einer weiteren Dimension (die 2te geometrische Dimension).
Wie auch die Linie kann eine Fläche begrenzt oder "unbegrenzt" in Erscheinung treten - wobei "unbegrenzt" nicht in konsequenter Weise zu verstehen ist, da bei der Fotografie spätestens der Bildrand eine Begrenzung darstellt - die Fläche ist aber zumindest als jenseits der Bildfläche unbegrenzt weiterführend denkbar.
Bild: Michael Albat
In Ihrer unbegrenzten Ausprägung ist die "Fläche" an sich ein abstrakter Begriff und wird in der Komposition nur indirekt wahrgenommen als Träger von Struktur (Textur) oder Farbinformation.
Sobald die Fläche eine Wahrnehmungsgrenze (im simpelsten Fall ein Rand) hat, wird sie - wie das Wort schon vermuten lässt - wahrgenommen.
So werden bei der begrenzten Fläche in erster Linie die Ecken wahrgenommen, danach die Kanten und erst in dritter Linie der Flächeninhalt aufgrund seiner Struktur. Die Erscheinungsform ist also primär ihre Form und nicht ihr Inhalt.
Diese Formwahrnehmung wird bei
nebenstehendem Bild deutlich. Von den meisten Betrachtern wird wohl ein auf
der Spitze stehendes Quadrat wahrgenommen, obwohl das Quadrat materiell nichtexistent ist.
Die Form tritt in unserem Beispiel als "Negativ-Form" in Erscheinung. Die Form muss in der Figur-Grund-Beziehung nicht zwingend den Part
der Figur übernehmen.
Um gegen die Formvielfalt anzukommen dient der Wahrnehmung die Redundanz (siehe Thema Information). Die unmittelbare Wahrnehmung wird geordnet um die Grundstrukturen des Gesehenen erfassen zu können. Die Grundstrukturen der Form sind die elementaren Formen. Im wesentlichen sind dies der Kreis, das Oval, das Quadrat, das Rechteck sowie das Dreieck. Jede dieser elementaren Formen hat bezüglich Formeigenschaften ihren urtümlichen, die Empfindung bestimmenden Fingerabdruck, welcher sie auszeichnet.
Die Wahrnehmung der elementaren Form ist bei obenstehendem Bild deutlich zu erkennen. Trotz mannigfaltigster Formmängel wird das auf der Spitze stehenden Quadrat wahrgenommen. Das Quadrat wird nur durch Kanten und drei Ecken angedeutet, eine Ecke liegt knapp ausserhalb der Bildfläche. Ein eigentlicher Inhalt existiert nicht, der Himmel ist faktisch strukturlos, resp. tritt nur störend als in die Form hineinragende Palme in Erscheinung. Zusätzlich notwendige Vereinfachungen zur Wahrnehmung des Quadrates sind Toleranz bezüglich Linienparallelität sowie eine Ergänzung und Vereinfachung zur quadratischen Form im Bereich der unteren Spitze.
Gelegentlich werden auch die freien Formen als elementar erwähnt. Genau diese Formen sind jedoch nicht elementar, sie sind Kraft ihrer Definition eben "frei" und nicht durch spezifische Eigenschaften definiert. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht auch redundant sein könnten - so ist z.B. die äussere Form eines Menschen aufgrund unserer unmittelbaren Erfahrung und des dadurch bedingten sofortigen Erkennens redundant. Dieses Erkennen geschieht jedoch nicht primär anhand der Form. Wenn man sich die verschiedenen möglichen Körperhaltungen des Menschen klarmacht, so erkennt man, das eine klare einheitliche Form des Menschen kaum existiert. Auch Punktmuster werden in Gedanken oft zu Formen ergänzt, ähnlich der virtuellen Linie. Dabei nehmen wir vorzüglich möglichst elementare Formen wahr. Kaum jemand wird eine Anzahl Punkte zu einer komplizierten freien virtuellen Form ergänzen, die virtuelle Form wird möglichst einfach ausfallen.
Generell besteht die Tendenz, dass eine komplexe Form als aus mehreren zusammengesetzten Formen interpretiert wird.
Das Kreuz kann reduziert werden auf zwei sich
überschneidende Balken (Rechtecke), es wird nicht als elementare Form empfunden. Dies im strengen Gegensatz
z.B. zum Kreis, welcher kaum als Zusammensetzung zweier Halbmonde gedacht wird.
Vermutlich haben sie soeben den verdeckten Formteil des Kreuzes gedanklich ergänzt :-)
Wie schon bei der Linie ergibt sich durch die Form eine Trennung von zwei Bereichen. Waren es bei der Linie zwei jeweils offene Bereich beidseitig der Linie, so ergibt sich bei der Form ein offener Bereich ausserhalb und ein geschlossener Bereich innerhalb der Form. Die Form hat also einen abgegrenzten Inhalt, Inhalt hat ein Gewicht, die Form also eine Masse und somit einen Schwerpunkt. Dieser stellt das gefühlsmässige Zentrum der Form dar. Es handelt sich dabei jedoch nicht um ein wissenschaftlich genau ermittelbares Schwerezentrum im physikalischen Sinne, da verschiedene Farben, Licht oder wechselnde Struktur zu unterschiedlicher Wahrnehmung von Flächenanteilen führen.
Wie wir weiter oben schon gesehen haben, werden einfache und bekannte Formen, insofern sie z.B. infolge eines Anschnittes oder einer Überdeckung nicht vollständig dargestellt sind, durch den Wahrnehmungsapparat gedanklich ergänzt.
Dieser ergänzte
Formanteil hat ebenfalls Anteil auf
den empfundenen Schwerpunkt der Form. In diesem Falle hängt der Schwerpunkt also auch davon ab, ob wir die
Form erkennen können und imstande sind, diese gedanklich zu vervollständigen (und somit vom Wissen des
Betrachters).
Bei komplexen Formen (z.B. die äussere Form eines Menschen) werden evtl. sogar mehrere Zentren wahrgenommen (Nabel und Kopfzentrum -> symbolisch für körperliches und geistiges Zentrum).
Bild: Michael Albat
Jede Form kann in zwei Ebenen betrachtet werden: Als geometrisches Element innerhalb einer Komposition, in Wechselwirkung mit der Bildfläche und anderen Bildelementen, oder als äussere Form und Begrenzung einer Komposition. Dem zweiten Fall begegnen wir regelmässig als Bildfläche. Es muss sich aber keinesfalls um die Bildbegrenzung handeln, die Form kann auch innerhalb eines Bildes als geistige Klammer der in ihr enthalten Teilkomposition dienen.
Nebenstehend sehen wir ein Beispiel einer Komposition in der Form in der Form in der Form in der Form...
Die beiden Betrachtungsweisen unterscheiden sich grundsätzlich: Bei der äusseren Form einer inneren Komposition (die Form als Rahmen) hat der Schwerpunkt als Zentrum der Form starke Bedeutung. An diesem Zentrum richtet sich die innere Komposition aus.
Damit ist aber keinesfalls gemeint, ein Hauptelement
müsse dieses Zentrum besetzen. Eine Motivplazierung z.B. im Goldenen Schnitt bezüglich der Umgrenzung
kreiert eine Spannung durch ein offensichtliches Nichtbesetzen diese Zentrums. Die Kraft des Zentrums ist
somit gross genug, um auch ohne Besetzung wirksam zu sein.
Wird die Form als Element innerhalb einer Komposition betrachtet, so gewinnen die Ecken und Kanten der
Form an Bedeutung. Die Ecken wirken wie die Spitzen von Pfeilen, welche ausgehend von Schwerpunkt der Form
nach aussen zeigen. Zusammen mit den Kanten bewirken diese Pfeile Bezüge zur Gesamtkomposition, insbesondere
auch zur Bildfläche. Formsymmetrien bestimmen die Lage der Form innerhalb der Komposition (gerade oder
schräg), während der Schwerpunkt alleine nur den Ort bestimmt. Daneben sind die Pfeile auch
Kommunikationselemente der Form nach aussen, es ergeben sich derart Bezüge zwischen Elementen welche nicht
auf deren Position beruhen. Während der Schwerpunkt die Aufmerksamkeit ins Innere der Form richtet, die Form
also quasi egozentrisch werden lässt, so bewirken die Ecken (Pfeile) deren Exzentrizität.
Das Formzentrum (der Schwerpunkt) zeichnet einen Ort (Punkt) innerhalb der Form speziell aus. Die Form selbst kriegt dadurch zusätzlich auch einen Punktcharakter, die Form nimmt in der Empfindung einen genau definierten Ort innerhalb der Komposition ein. Zusammen mit einem bildbestimmenden Punkt ausserhalb der Form ergibt sich ein Zweiklang zwischen zwei nichtgleichwertigen Elementen, ein Flächen-Punkt-Kontrast, welcher vor allem ein exzessiver Mengenkontrast darstellt (starke Ausprägung des Gross/Klein-Aspektes).
Der Kreis (ist ein Egozentriker).
Der Kreis zeichnet sich vor allem als stark zentrisch wirkende Form aus. Alle Symmetrieachsen laufen durch seinen Mittelpunkt, alle Durchmesser sind gleich lang und keinem kommt dabei eine spezifische Bedeutung zu (dies im Gegensatz z.B. zum Oval, bei welchem es einen langen und einen kurzen Durchmesser gibt). Ohne Ecken und Kanten weist somit beim Kreis nichts in eine spezifische Richtung, er hat kein nach aussen gerichtetes Element und ist deshalb die elementare Form mit dem geringsten Bezug zu seinem äusseren Umfeld.
Innerhalb des Kreises konzentrieren sich alle Kräfte
auf dessen Zentrum, welches er gleichmässig um- und abschliesst. Dadurch kriegt dieses Zentrum eine
besonders starke Bedeutung - es ist wesentlich, wie bei einer Komposition innerhalb des Kreises das Zentrum
eingesetzt wird.
Mittelalterliche Landkarten zeigen die Welt als kreisförmige Scheibe, in der Mitte liegt Jerusalem.
Diese starke Konzentration auf einen zentralen Inhalt zusammen mit der Unabhängigkeit vom Umfeldes liessen den Kreis zu einem Symbol werden. In Ikonendarstellungen umschliesst ein Kreis als Heiligenschein den Kopf der dargestellten Person. Dadurch wird deren geistiges Dasein stark betont (weil der Kreis eben um den Kopf gelegt ist und nicht um den Bauch), gleichzeitig ist die Person nicht von dieser Welt (Abgrenzung zum Umfeld). Auch Ying und Yang oder das Mandala basieren auf Kompositionen im Kreis.
Da der Kreis selbst keine Richtung privilegiert,
können innerhalb des Kreises die zwei Urerfahrungen "Schwerkraft" und "Horizont" ihre entsprechenden
Richtungen praktisch ohne Konkurrenz auszeichnen. Zumeist werden Objekte innerhalb des Kreises auch auf
diesen Geraden platziert, allerdings nicht nur aus überlegtem Grunde, sondern auch weil der Innenraum des
Kreises in den "Ecken" eben eingeengt weil abgerundet ist. Dadurch entstehen vorwiegend die Gestaltungen
zentrisch stehend oder liegend.
Die "stehend zentrische Komposition" im Kreis wurde oft bei Marienbildern verwendet - der Kopf oben "erhaben", der Schoss unten "schwer", im Zentrum das Jesuskind. Die im Kreis eingeschlossenen Komposition kriegt derart die Form eines nach oben gerichteten Dreiecks (Spitze = Kopf der Maria) und ist symmetrisch zur Senkrechte.
Die Sache mit dem Kreis hat aber auch eine Schattenseite. Die Bezugslosigkeit zum Umfeld macht den Kreis innerhalb einer Komposition zu einem Element, dessen Position oftmals nur schwach verankert ist. Der Kreis scheint leicht verschiebbar zu sein - dieser Eindruck entsteht z.B. wenn der Kreis eine Gerade (oder den Bildrand) nur an genau einem Punkt berührt, der Kreis wird dadurch zum Rad mit all seinen Folgen. Durch die leichte Beweglichkeit entsteht allerdings kein Spannungszustand, der Kreis weicht praktisch kraftlos. Die Folge des Zustandes ist nicht Dynamik, sondern Instabilität. Bei Kompositionen mit Kreis ist es sicher nicht falsch, wenn diesem kurz aber bewusst ein Gedanke gewidmet wird. Wie wird der Kreis in der Komposition gehalten? Geeignete Massnahmen sind Elemente über die Kreislinie hinweg (wie bei obigem Bild mit der gelben Spirale) oder Einbindung des Kreiszentrums in eine virtuelle, durch Punkte gebildete Linie. Es braucht nicht viel, aber ein ungebundener Kreis ist flüchtig wie eine Seifenblase.
Das Oval
Im Vergleich zum Kreis büsst das Oval die zentrische Symmetrie ein, gewinnt dafür aber an Spannung. Durch die Längssymmetrieachse kriegt das Oval einen Bezug zur Umgebung, die Form ist diesbezüglich nicht mehr neutral und hat eine Richtung. Mit zunehmendem Verhältnis zwischen Länge und Breite ergeben sich in den Brennpunkten zusehends zwei neue Zentren, welche kompositorisch genutzt werden können wie zuvor das Zentrum des Kreises. Diese Zweiheit wird allerdings nur im liegenden Oval deutlich weil die Brennpunkte gleichberechtigt auf gleicher Höhe stehen, im stehenden Oval wird sie von der Hierarchie "oben und unten" überlagert.
Ein Kreis erscheint als Oval wenn wir ihn schräg betrachten. Ob er dabei die Eigenschaften eines Ovals annimmt oder als Kreis gesehen wird entscheidet unser Wahrnehmungssystem. Dieses testet beide Szenarien auf Plausibilität und wählt dann die glaubwürdigere Form für die Wahrnehmung.
Das Quadrat
Ähnlich wie der Kreis ist auch das Quadrat zentrisch und symmetrisch. In Bezug auf die Wirkung des Zentrums ergibt sich somit eine Ähnlichkeit zwischen Kreis und Quadrat. Das Quadrat hat jedoch geradlinige Kanten und vier ausgeprägte Symmetrieachsen und somit Richtungskomponenten. Dadurch entstehen Bezüge zum Umfeld, die Wirkung des Quadrates wird von diesen geprägt. Im Umfeld der Komposition verhält sich das Quadrat gegensätzlich zum Kreis.
Steht das Quadrat
bezüglich der Bildfläche gerade, so
ist es darin fest verankert ohne grosse Bewegungstendenz. In dieser Lage wirkt das Quadrat ruhig, stabil,
streng und passiv. Diese Lage stellt somit die Ruhelage des Quadrates dar.
Wird das Quadrat aus der statischen Ruhelage gedreht, so wird es dynamisch. Bei einer Drehung um 45° präsentiert sich das Quadrat in seiner Lage einerseits ausgeglichen, das Gleichgewicht wirkt aber fragil weil das Quadrat scheinbar auf der Spitze balanciert. Jeder kleine Einfluss könnte das Quadrat wieder in die Ruhelage kippen lassen. Bezüge zur Bildfläche bestehen weiterhin durch die Diagonalen innerhalb des Quadrates, welche jetzt waagrecht und senkrecht ausgerichtet sind. Diese Richtungen werden zusätzlich durch die Ecken des Quadrates stark betont.
Eine deutlich von 45° abweichende Drehung des Quadrates lässt das Quadrat den Bezug zur Bildfläche verlieren und bewirkt eine Spannung, welche vom Zentrum des Quadrates ausgeht und versucht, das Quadrat in seine statische Lage zurückzudrehen.
Das Rechteck
Durch die ungleich langen Seiten verliert das Rechteck gegenüber dem Quadrat die Konzentration auf das
Zentrum, gewinnt aber an Spannung wie wir dies auch schon beim Oval gesehen haben. Dessen Tendenz, zwei
Zentren auszubilden, besteht aber beim Rechteck kaum.
Das Rechteck besitzt zwei Ruhelagen, liegend und stehend (entsprechend Querformat und Hochformat beim
Rechteck als Bildfläche), wobei die stehende klar aktiver wirkt als die liegende.
Das Dreieck
Das Dreieck hat
eine starke Richtungskomponente. Eine
dynamische Grundwirkung ist somit inhärent durch die Form des Dreiecks gegeben. Trotzdem entsteht bei
waagrechter Basis eine Art Ruhelage, insbesondere bei gleichseitigen und nicht zu hohen Dreiecken. Die
Pfeilspitze betont die Richtung nach oben. Bei niedrigen Dreiecken ist diese Spitze jedoch nicht allzu spitz
und kann deshalb durch den Schwerpunkt des Dreiecks und die breite Basis kompensiert werden. Die leicht
statische Wirkung in dieser Lage entsteht auch durch die Symmetrie um die Mittelsenkrechte.
Durch Variation der Dreiecksform und der Lage kann die Wirkung des Dreiecks stark beeinflusst werden. Ein Vergrössern der Höhe des Dreiecks in Ruhelage kann vorerst die Richtungskomponente nach oben verstärken. Wird durch seitliches Verschieben der Spitze die Symmetrie um die Mittensenkrechte aufgebrochen, so entsteht in der Bildfläche eine angedeutete Schräge oder Diagonale. Und nicht zuletzt kann das Dreieck aus der Ruhelage gekippt werden. Die Basis verläut dann nicht mehr waagrecht, das Dreieck steht auf einer Spitze. Vom Schwerpunkt aus wirkt jetzt eine Kraft, welche das Dreieck in seine Ruhelage zurückbringen will. Derart ist der stärkste Grad der dynamischen Wirkung erzielbar.
Bild: Michael Albat
Das nebenstehende Bild zeigt eine Komposition mit dem Dreieck. Dass dem Dreieck eine Bedeutung zukommen soll zeigt schon die Anordnung innerhalb der Bildfläche im goldenen Schnitt. Einerseits ist das Dreieck dynamisch angeordnet indem es bezüglich der Bildfläche auf einer Spitze steht, andererseits hat es mit dem Wrack auch eine massive Verankerung. Das Dreieck kann also seine Kraft problemlos wirken lassen. Und welche Kraft dies sein soll zeigt das Dreieck durch seine rechte Spitze an. Unmissverständlich und mit hohem Kontrast durch die helle und dunkle Linie des Fensterrahmens, welche darauf hinführen, mit Nachdruck durch die zusätzliche scharfe Spitze, welche sich nur gerade in dieser Ecke findet. Und welche Linie deutet das Dreieck an? Die Horizontlinie, sie ist sogar real vorhanden und geht praktisch durch die Ecke des Dreiecks, selbst der Durchblick durchs Fenster weisst uns auf diese Linie hin. Dass die Richtung klar von links nach rechts führt zeigt auch die Helligkeitsverteilung im Bild.
Dreiecke
können in Kompositionen auch durch
Anschnitte, schräge Komposition oder Diagonalen zusammen mit der Bildbegrenzung entstehen. Durch ihre
Ausrichtung betonen die entstandenen Dreiecke die Gegenlinie zur Teilung verursachenden Linie. Diese
Richtung ist in nebenstehendem Bild als Gegendiagonale stark ausgeprägt, hier nicht zuletzt auch durch die
Struktur innerhalb der Dreiecke.
Sind drei Objekte innerhalb einer Bildfläche anzuordnen, so stellt das Dreieck eine nahe liegende Anordnung dar. Jedes Objekt kann derart direkt und über einigermassen gleichmässig verteilte Distanz mit den beiden anderen Objekten in Verbindung treten. Dabei wird oftmals auch davon Gebrauch gemacht, dass mit dem Dreieck eine Art Ordnung angedeutet werden kann, es gibt ein oben und ein unten. "Oben" kann mancherlei Bedeutung erlangen, diese ergibt sich wohl erst aus dem konkreten Inhalt, "oben" kann hierarchisch oder autoritär sein, aber auch beschützend oder schlicht und einfach eine Hervorhebung des hauptsächlichen Motivteils. Insbesondere religiöse Motive wurden gerne so gestaltet, man sah im Dreieck auch die Dreifaltigkeit Gottes angedeutet. Angeordnet in einem Dreieck in Ruhelage verkörperte diese Gestaltung Klarheit, Ruhe und Harmonie.
Die freie Form
Bild: Michael Albat
Bisher haben wir vor allem die geometrische Form besprochen? Es stellt sich die Frage, wieweit diese tatsächlich in der fotografischen Motivwelt existent sind? Diese Formen existieren in grosser Anzahl und vielen Ausprägungen. Geometrische Formen sind Kulturformen, sie finden sich überall dort wo der Mensch Spuren hinterlassen hat. Am deutlichsten sind sie wohl in der Architektur präsent. Interessanterweise haben sie auch hier Ihren Ursprung in einer Art Komposition. Als etwas gewagte Hypothese könnte man postulieren, das auch hier das Prinzip der Vereinfachung und Prägnanz am Werke war, allerdings auch im Hinblick auf die unmittelbare Verwendbarkeit, Architektur hat bekanntlich auch einen sehr praktischen Hintergrund.
Entsprechend können die freien Formen als "nicht Kulturformen" angesehen werden. Sie repräsentieren vor allem den organischen Bereich - ein grosser Teil der Naturfotografie lebt von diesen Formen. Unter Umständen ist es eine reine Massstabfrage, wann der "Kulturbereich" ins organische übergeht. Dominiert in der Architektur die geometrische Form, so ist die äussere Grenze einer stark wachsenden Boomregion wohl schon wieder als organisch zu betrachten - die Gesellschaft wird zwar aus Menschen gebildet, aber zumindest in diesem Kontext nicht von ihm als Individuum kontrolliert. Aber auch in der unbeeinflussten Natur finden sich geometrische Muster, so z.B. bei Kristallen.
Über die Form können Kompositionselemente somit den Bereichen "organisch" oder "kulturbedingt" zugeordnet werden - es ergibt sich ein Formkontrast. Ein ähnlicher Effekt kann auch ohne Beteiligung freier Formen entstehen. In einem dominant "eckigen Umfeld" vermögen wenige runde Formen (z.B. Kreise) den organischen Part zu übernehmen.