Die einfache Herangehensweise...

... oder vom Vorteil digital zu fotografieren.

Stand des Artikels: Mai 2004

Die Digitalkamera D30 war ein Meilenstein, die D60, D100, 10D und 300D auch, aktuell ist es die D70. All diese Meilensteine ziehen heute im Halbjahresrhythmus an Ihnen vorbei. (Stand Mai 2004)

Canon hat für 2004 angekündigt, 20 neue Digitalkameramodelle auf den Markt zu werfen. Der Markt wird bearbeitet. Wenn ich bedenke wer oder was der Markt ist, ich mag's nicht, wenn man mich bearbeitet. Bearbeitung hört sich irgendwie mafiamässig an. Ich will überzeugt werden. Aber oben steht's: die Produkte werden geworfen...

User-Prototypen

Think positive, schauen wir uns diesen geworfenen Haufen an. Der Markt wird segmentiert, für jedes Segment ein Prototypen-User definiert. Das Zauberwort lautet also: "Erkenne dich selbst". Ziel ist die Feststellung, dass auch für uns etwas dabei ist, und dann werden wir berechtigterweise Grund zur Freude haben.

Es gibt den Einsteiger (Consumer):

Von Tuten und Blasen hat er nicht die geringste Ahnung und ist per Definition auch nicht daran interessiert. Alles muss brutal einfach und absolut widerstandsfrei sein, Fotografie als grosse Herausforderungslosigkeit. Dazu wird er mit entsprechenden Schlagworten geradezu überschwemmt. Im schlimmsten Fall wird von "Easyshare" gesprochen, weil man diesem User selbst ein normales Upload ins Web nicht zumutet.

Das bin ich nicht, ich geh mal weiter...

Es gibt das Segment des Amateurs (Prosumer) auch:

Zahlen sind hier die alles selig machenden Fakten. Seine Kamera hat sehr viele Pixel und das Zoom einen möglichst grossen Brennweitenbereich. Keine Erwähnung wert scheint der himmeltraurig kleine Sucher, welcher eine Bildbeurteilung kaum zulässt. Das Fehlen einer Abblendtaste lässt sich derart leicht verschmerzen.
Geringe Auslöseverzögerung, gute Autofokusperformance bei wenig Licht, wenig oder zumindest nicht übermässiges Rauschen bei höherer Empfindlichkeit... wäre alles schön und wünschenswert, wird aber erst mit dem nächstem Modell besser sein.
Der Prosumer zeichnet sich somit auch durch den dringlichen Wunsch aus, innert kürzester Frist seine Kamera zu ersetzen. Für die Designer bedeutet dies andere Prioritäten. Wertigkeit ist kontraproduktiv, zweckmässig hingegen ist ein möglichst modisches Design für den einen Sommer, welchen diese Kamera erleben wird.

Ich dachte bisher immer, ich sei ein Amateur. Wieder was dazugelernt, schauen wir weiter...

Dann gibt es den Profiprototypen (Professional):

Er steht an der Rande des Sportfeldes, fotografiert mit höchster Bildrate und maximal eingestellter Empfindlichkeit unter höchstem Leistungsdruck, um die Bilder dann im letzten Moment "just in Time" per Wireless-Lan in die Redaktion zu senden, wo man durch Beschneiden etwas daraus zu machen versucht, das sich auf Zeitungspapier drucken lässt und am nächsten Abend bereits Schnee von gestern ist.

Ist wohl auch nicht mein Usersegment. Was gibt es noch?

und einen Ewiggestrigen...

Es gibt auch den Secondhand-Bereich: sieh mal einer an, eine wegen neuer Digitalliebe verstossene analoge Nikon F100. Ich werde mich liebevoll um sie kümmern, sie über den Verlust des vormaligen Besitzers hinweg trösten, man ist ja kein Unmensch, nicht wahr. Ich wusste es, der Markt hat auch etwas für mich.

Somit steht für mich fest, ich zähle zum Segment der "Ewiggestrigen", vom Marketing aufgegeben weil die Liebe nicht erwidert wurde. Dabei hätte ich einfach gerne ein wenig von dem gehabt, was ich früher schon hatte...

Dazu ein Ausschnitt aus einer Stellungsnahme eines Kundenservices (nicht von Nikon) auf eine Anfrage betreffend schlechter Bildqualität. Wir schrieben zum Zeitpunkt der Antwort November 2003:

Die digitale Fototechnik stösst - wie jede andere fortschrittliche Technik - an natürliche bzw. physikalische und werkstoffbedingte Grenzen. Bitte, berücksichtigen sie den langen Weg, den die analoge Fototechnik in Bezug auf das Filmmaterial benötigte, um zu dem heutigen Stand zu gelangen. Die Entwicklung geht weiter und es ist anzunehmen, dass in nicht zu ferner Zukunft auch die letzten störenden Bildeffekte, die im Zusammenhang mit dem Bildwandler stehen, soweit reduziert sein werden, dass sie nicht mehr oder nur noch unter absolut extremen Lichtbedingungen auftreten werden. Bis dahin sollten Reflexionen, starke Lichtquellen und zu Überstrahlungen führende Objekte so weit als möglich gemieden werden, wenn es dadurch zu störenden Bildeffekten kommt. Oft genug reicht es schon aus, die Position zum Objekt gering zu verändern, die Kamera gering zu neigen oder eine andere Blende/Verschlusszeit (Abblendung) zu verwenden. Ändert auch die Berücksichtigung all dieser Massnahmen nichts, ist der störende Effekt leider hinzunehmen.

Kein Problem sag ich dazu, Digitaltechnik muss sich erst entwickeln und erwachsen werden. Aber ich hatte echt nicht erwartet, das die Fotografie nochmals erfunden werden muss.

Der einfache Approach (oder die hybride Alternative)

Ein Approach ist eine Näherung, eine Annäherung, ein vorsichtiges Herantreten, es ist ein langsamer Vorgang, verbunden mit Hoffnung. Ein Approach ist etwas Positives. Welch ein Kontrast zu euphorischem Hineinstürzen, bei welchem sie erst bemerken, dass sie gestürzt sind wenn sie schon mitten drin sind.

Mein Ansatz: Ich kann in aller Ruhe einen kleinen Schritt in Richtung Digitalfotografie unternehmen. Niemand zwingt mich zu operativer Hektik. Ich lass mir Zeit bei meinem Tun. Ich lass auch den Herstellern Zeit bei Ihrem Tun. Wie unbefriedigend muss es für diese sein, unter enormem Kostendruck Produkte auf den Markt zu werfen, welche infolge der grossen Eile nicht ausgereift sind. Es ist ein Akt von Nächstenliebe meinerseits, wenn ich die Hersteller diesem Druck nicht aussetze.

1998 bin ich derart zum Digitalfotografen geworden (was dachten sie, wie kommen die Bilder auf die Website?) Ich hatte mir einen ersten Diascanner zugelegt. Er diente dazu, Bilder zu scannen um sie ins Web zu stellen, that's all, mehr hatte ich nicht erwartet. Scannen war nicht unbedingt eine Freude, die Daten mussten retouchiert werden, das Gerät hatte Probleme in den Lichtern (Farbfehler) und tiefen Schatten (Rauschen). Viele Dias liessen sich mit diesem Gerät gar nicht erst befriedigend scannen. Mit dem Niedergang der Qualität bei analogen Fotoabzügen musste ein neuer und vor allem auch besserer Scanner her. Die Zeit wurde reif, dass ich erneut bestimmte wie meine Bilder auszusehen haben. Der zweite Scanner in 5 Jahren also, in dieser Zeit hatten andere ihre Digitalkamera mehrfach gewechselt. Der Unterschied zum vorangegangenen Scanner war beeindruckend. Mein jetziger Scanner (Nikon Coolscan LS50) wird dem Begriff "vollwertiges Fotowerkzeug" gerecht. Er liefert mir "saubere Daten" (ICE - eine Art Staubretusche mittels Infrarotscan), nach kurzer Aufbereitung speichere ich diese auf einen USB-Stick und trage diesen zum Fotohändler meines Vertrauens (anschliessend ein kleines Schwätzchen bei starkem Kaffee). Als Gegenleistung werde ich mit Abzügen belohnt, welche diesen Namen auch verdienen. Kein Ärger mit unvollständigen Bildausschnitten ab dem Negativ, keine grossen Probleme mit allzu "freien Bildinterpretationen" durch einen übernächtigten Fotolaboranten.

Es bleibt mir somit auch genügend Zeit mich in Internetforen herumzutreiben und dann stell ich jeweils fest: Ich hab keinen Staub auf dem Sensor meiner Kamera, brauche keine neuen digitaltauglichen Objektive, hab keine Moires, kein Blooming und keine anderen Artefakte, auch die Speicher- und Stromversorgungsprobleme halten sich in Grenzen. So macht die Sache gleich noch mehr Freude.