Filter

Gleich vorweg: Meine Haltung bezüglich fotografischen Filtern ist puristisch. Es gibt zwei Sorten von Filtern, die einen sind sinnvoll einsetzbar, alle anderen halten Kreativität vom Bild fern und heissen deshalb korrekterweise auch Kreativfilter. Zu den sinnvollen Filtern zähle ich:

Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen

Doch vorerst noch ein Wort zum Thema Qualität: Für Objektive wird viel Aufwand getrieben. Sorgsam ausgewählte Gläser von höchster Qualität werden einzeln sehr präzise zu Linsen geschliffen, zur Vermeidung von Streulicht trickreich vergütet und mit engsten Toleranzen als Optik montiert. Der Fotograf wiederum honoriert dies monetär und freut sich dann zurecht am optischen Meisterwerk und an dessen guter Abbildungsqualität. Und kaum fühlt sich die Optik beim Fotografen willkommen und geliebt, schraubt dieser unsägliche Fotopsychotiker hinterrücks eine bunt eingefärbte Plastikscheibe mässiger Planparallelität und ohne nennenswerte Vergütung davor, es ist zum Haare raufen!

Sie haben recht, das muss nicht sein! Nie würden sie so etwas machen, sie setzen ausschliesslich Glasfilter ein und falls es diese in unterschiedlichen Vergütungsqualitäten gibt, greifen sie zwangsartig immer nach der besten.

Der Filterfaktor

Filter funktionieren fast immer auf die gleiche Art und Weise, sie sperren einen Teil des Lichts aus, respektive sie lassen nur einen bestimmten Anteil des Lichts durch. Daraus ergibt sich, dass für die Belichtung weniger Licht zur Verfügung steht und die Belichtungszeit somit erhöht werden muss. Das Mass, um welches die Belichtungszeit zu erhöhen ist, wird Filterfaktor genannt.

Farbkorrekturfilter

Farbfilme sind für eine bestimmte Lichtart optimiert, Tageslichtfilme für bläuliches, mittleres Tageslicht mit einer Farbtemperatur von 5500 Kelvin, Kunstlichtfilme für Fotolampenlicht mit einer Farbtemperatur von 3100 bis 3200 Kelvin.

Bei diesem Hundeblick wurde sogar dem Licht
ganz warm.

Wird mit einem Aufnahmelicht fotografiert, welches nicht der vorgesehenen Farbtemperatur entspricht, so entsteht ein Farbstich. Bei einer höheren Farbtemperatur erscheint die Wiedergabe blauer, bei einer niedrigeren Farbtemperatur ergibt sich ein gelbroter Farbstich.

Leichte Farbstiche werden bei Negativfilmen im Labor bei der Herstellung eines Abzugs korrigiert, bei Diafilmen hingegen ist mit der Aufnahme der endgültige Farbton gegeben. die Farbkorrektur muss daher schon bei der Aufnahme mittels Korrekturfiltern erfolgen.

Für die Korrektur stehen verschiedene Korrekturfiltertypen zur Verfügung welche entsprechend der notwendigen Korrektur leicht rötlich oder bläulich eingefärbt sind. Der richtige Filter kann durch eine Messung der Farbtemperatur des Aufnahmelichts ermittelt werden, jedoch sind die entsprechenden Messgeräte recht teuer und somit in freier Wildbahn auch selten anzutreffen. Es ist auch nicht sinnvoll, den durch das Aufnahmelicht verursachte Farbstich perfekt auszufiltern, den oftmals sorgt dieser auch für die Stimmung im Bild. Somit müssen leichte Farbstiche nicht zwingend korrigiert werden und nur in extremen Fällen ist eine grobe Korrektur vorzunehmen. Die meisten Fotografen haben nach ein paar Filmen ein Gefühl für den richtigen Filter in der richtigen Situation entwickelt.

Bei Digitalkameras werden normalerweise keine Korrekturfilter verwendet, der Weissabgleich erfolgt durch unterschiedliche Verstärkung der einzelnen Farbanteile bei der nachträglichen Datenverarbeitung. So wird z.B. bei Kunstlicht das Bild des Blaukanals stark angehoben bis die Farbbalance stimmt. Durch diese Anhebung wird der blaue Bildanteil auch stark rauschen und so das Bild stören. Alternativ könnte mit einem blauen Korrekturfilter der Rotanteil gesenkt werden, dadurch würde die Belichtungszeit etwas länger und auch der Blaukanal hätte ein sauberes Bild.

Filter für die analoge Schwarz/Weiss-Fotografie

Für die Schwarz/Weiss-Fotografie müssen die verschiedenen Farbtöne des Motivs in Grauwerte umgewandelt werden. Dies geschieht mit panchromatischem Schwarz/Weiss-Film, welcher die Tonwerte entsprechend unserem Helligkeitseindruck der verschiedenen Farben wiedergibt.

Mit Filtern kann die Übersetzung der verschiedenen Farben in unterschiedliche Grauwerte beeinflusst werden. Dabei ist es generell so, das Licht in der Eigenfarbe des Filters durchgelassen wird und diese Farbe somit heller dargestellt wird, respektive deren Komplementärfarben dunkler. Sinnvoll für die Schwarz/Weiss-Fotografie einsetzbar sind Filter von leichtem Gelb über Orange bis zu kräftigem Rot, sowie Gelb-Grünfilter. Grün- und Blaufilter bewirken für diese Anwendung nur wenig sinnvolle Ergebnisse. Die nachfolgenden Bilder zeigen ausgehend vom nebenstehenden Farbbild verschiedene Umsetzungen nach schwarz/weiss.

Panchromatische Schwarz/Weiss-Umsetzung

Dies ist das panchromatische Schwarz/Weiss-Bild. Die Helligkeit der Grautöne ist weitgehend so umgesetzt, dass der Helligkeitseindruck der verschiedenen Farben erhalten bleibt. Für die Fotografie mit einem Schwarz/Weiss-Film wird dafür im Normalfall kein Filter benötigt, bei einer einfach Umwandlung von farbig nach schwarz/weiss mit einem Bildbearbeitungsprogramm darf ebenfalls ungefähr ein solches Bild erwartet werden.

Schwarz/Weiss-Umsetzung mit Gelbfilter

Leichte Gelb und Orangefilter werden für die Schwarz/Weiss-Fotografie oft als Standardfilter verwendet. Blauer Himmel wird damit leicht abgedunkelt, Wolken werden besser sichtbar. Bei Portraitaufnahmen kaschiert dieser Filter Hautunreinheiten. Bei Fernaufnahmen wird der Effekt von atmosphärischem Dunstes verringert.

Schwarz/Weiss-Umsetzung mit Grünfilter

Helle Gelb-Grünfilter sind Universalfilter für Landschaften. Diese Filter vermögen recht effizient die unterschiedlichen Grüntöne der Vegetation zu differenzieren, frisches Grün wird heller dargestellt, blaugrüne Farbtöne und welke Pflanzen (deren Grün Brauntöne enthält) werden leicht abgedunkelt.

Bei Porträtaufnahmen führen Grünfilter zu einem Abdunkeln roter Lippen, was durchaus wünschenswert sein kann. Allerdings werden auch Hautunreinheiten sichtbarer, was zumeist weniger erwünscht ist.

Die Filterfaktoren von Gelb-, Orange- und Gelb-Grünfiltern liegen typischerweise im Bereich von 2 bis 4.

Schwarz/Weiss-Umsetzung mit Rotfilter

Rotfilter erlauben eine starke Dramatisierung der Szene, blauer Himmel wird stark abgedunkelt, Wolken treten markant hervor, je nach Stärke des Rotfilters bis hin zu Gewitterstimmung. Der Eindruck des natürlichen wird dabei meist verlassen. Europäische Hauttöne werden aufgehellt, alles was blau ist stark abgedunkelt. Rotfilter haben typischwerweise Filterfaktoren von 4 bis 8, extreme Ausführungen für entsprechende Effekte gehen bis Filterfaktor 40.

Filter für digitale Schwarz/Weiss-Fotografie

Kann man all diese Filter auch für digitale Schwarz/Weiss-Fotografie gebrauchen? Die Frage ist falsch gestellt. Es ist eher so, dass man bei der Digitalfotografie darauf nicht verzichten kann, drei unterschiedliche Filter (Rot- Grün- und Blaufilter) sind vor dem Sensor als Bayermatrix nämlich bereits fest eingebaut. Die Digitalbilder sind in ihrer Entstehung 3 Schwarz/Weiss-Bilder, jeweils mit Grün-, Rot- oder Blaufilterung, das eigentliche Farbbild wird erst anschliessend aus diesen Bildern zusammengesetzt.

Polarisationsfilter

Licht ist eine elektromagnetische Welle, nebst der Ausbreitungsrichtung hat Licht somit auch eine Schwingrichtung. Man darf sich das ähnlich vorstellen wie eine lange schwingende Saite. Wird sie angezupft, so breitet sich der Ton entlang der Saite fort, dies ist die Ausbreitungsrichtung. Die Saite selbst schwingt dabei in verschiedenen seitlichen Richtungen. Schwingt die Saite nur in einer Ebene, so ist der Ton "polarisiert", das gleiche gilt sinngemäss auch für Lichtwellen.

Ein Polarisationsfilter lässt nur eine der vielen möglichen Schwingrichtungen durch. Ist das Licht unpolarisiert, schwingt also wild durcheinander, so wird der Filter nur den Teil des Lichts durchlassen, welcher in eben grad in der vom Filter vorgegebenen Richtung schwingt. Ist das Licht polarisiert, so hängt die Wirkung des Filters davon ab, ob die Richtungen der Polarisation des Lichts mit derjenigen des Filters übereinstimmt. Falls ja, geht das Licht durch, falls nein eben nicht. Aber auch bei unpolarisiertem Licht wird immer ein Teil des Lichtes gesperrt, der Filterfaktor beträgt hier typischerweise etwa 2.

Polarisationsfilter sind normalerweise in einer drehbaren Fassung montiert, welche es erlaubt, bei montiertem Filter die Polarisationsrichtung beliebig zu drehen. Der Effekt lässt sich bei Spiegelreflexkameras im Sucher kontrollieren, bei Kameras, bei welchen dies nicht möglich ist (dies ist praktisch nur analoge Sucherkameras nicht möglich) ist das Polfilter vor dem Auge einzustellen und dann in der gewählten Drehstellung vor dem Objektiv anzubringen. Ist beim Drehen keine Wirkung sichtbar, so ist das Licht vollständig unpolarisiert und vom den Einsatz des Filters kann zugunsten der Bildqualität verzichtet werden, Polarisationsfilter sind keine "Immerdrauf-Filter".

Soweit der technische Teil, was bringt uns dies fotografisch? Das schöne an der Polarisation ist, das einige Motivteile das Licht polarisieren und wir diese deshalb getrennt von restlichen Motivteilen fotografisch beeinflussen können.

Starke Abdunklung des Himmels mittels
Polarisationsfilter.

Richtungsabhängig stark ungleiche Wirkung
des Polarisationsfilters.

Es sind vor allem zwei Motivanteile, deren Licht polarisiert ist:

Zuerst zum Wasser: Wird der Polarisationsfilter so gedreht, dass die polarisierte Spiegelung gesperrt wird, so wird die Wasseroberflächen durchsichtig (weil die Spiegelung wegfällt) und die obere Unterwasserwelt kann bis zu einer vor allem durch die Trübung des Wassers bestimmte Tiefe aufgenommen werden.

Beim Himmel ist es etwas anders. Handelt es sich dabei hauptsächlich um polarisiertes Licht, so wird der Himmel dunkler abgebildet wenn man dieses sperrt. Ebenfalls fällt der durch die Himmelsfarbe verursachte Blaustich weg, welcher vor allem zur Mittagszeit die ganze Szenerie überlagert. Die Farben werden dadurch allgemein klarer und reiner wiedergegeben.

Die Wirkung des Polfilters im Himmel ist jedoch stark von der Lichtrichtung abhängig, der Effekt des Abdunkelns ist in einem Winkelbereich zwischen 45° und 90° zur Lichtrichtung am stärksten. Beim Einsatz von Polarisationsfiltern mit Weitwinkelobjektiven ist diesbezüglich etwas Aufmerksamkeit notwendig: Je grösser der Bildwinkel respektive je kleiner die verwendete Brennweite ausfällt, desto stärker unterscheiden sich die Lichtrichtungen innerhalb des Bildes, um so unterschiedlicher ist die Polarisation und entsprechend ungleichmässiger fällt die Wirkung des Polarisationsfilters aus. Das nebenstehende Bild mit dem Zaun wurde mit 20mm Brennweite aufgenommen. Die rechte obere Ecke zeigt ungefähr 90° zur Lichtrichtung. Entsprechend ist der Himmel an dieser Stelle stark abgedunkelt. Die linke obere Ecke zeigt eher gegen die Lichtrichtung, der Polfilter hat in Lichtrichtung verminderte Wirkung, der Himmel wird entsprechend weniger abgedunkelt. In solchen Fällen ist es sinnvoll, denn Filter derart zu drehen, dass das polarisierte Licht nicht vollständig gesperrt wird, der Effekt fällt dann zwar allgemein geringer aus, damit sind dann auch die Unterschiede im Himmel weniger augenfällig.

Polfilter gibt es in zwei verschiedenen Versionen als

Von der fotografischen Wirkung her sind beide Filter identisch, zirkulare Polfilter ändern jedoch zusätzlich die Polarisation des ausfallenden Lichts in zirkulare Polarisation. Dieser Filtertyp wird immer dann verwendet, wenn die Kamera für ihre Belichtungsmessung und/oder den Autofokus intern selbst linear polarisierende Elemente verwendet. Bei diesen Kameras bewirkt ein zusätzlicher auf der Optik montierter linearer Polarisationsfilter grosse Messfehler und ein blindes Autofokussystem.

Neutralverlauffilter

Hat man innerhalb eines Bildes grossflächig hohe Helligkeitsunterschiede, typischerweise zwischen weissem Himmel und dunklem Vordergrund, so können diese mit Hilfe eines Verlauffilters gemildert werden. Dies sind Filter, welche die Hälfte des Bildes um 1 oder 2 Blenden abdunkeln. Der Verlauf kann durch drehen des Filters dem Bild angepasst werden. Etwas ungünstig ist es, dass bei Schraubfiltern sich die Verlaufhöhe innerhalb des Bildes nicht verändern lässt normalerweise befindet sich der Verlauf auf halber Höhe.

Von Cokin gibt es ein Filtersystem aus übergrossen quadratischen Kunststoffscheiben. Man hält diese Filter dann von Hand vors Objektiv und kann die Verlaufkante wegen dem grösseren Filtermass optimal ins Bild legen. Diese Filter neigen stark zu Reflexen. Manchmal passt die Sache, ansonsten hab ich mit diesem Filtersystem schon viele hoffnungsvolle Bilder abgemurkst.

Graufilter

Dichte Filterfaktor
ND1 10
ND2 100
ND3 1'000
ND4 10'000

Typische Dichtewerte
von Graufiltern

Ich muss sie gleich zu Anfang enttäuschen: Mit einem Graufilter können sie nicht das Grau aus ihren Bildern filtern und kriegen somit keine leuchtenden Farben.

Neutral-Graufilter dienen der Lichtverminderung ohne die Farben zu ändern. Dies ist immer dann nützlich, wenn aus fotografischen Gründen längere Belichtungszeiten oder stärker geöffnete Blenden gewünscht werden als dies ohne Filter machbar wäre. Somit ermöglichen diese Filter geringe Schärfentiefe (durch geöffnete Blenden) auch bei hellstem Sonnenschein oder durch sehr lange Belichtungszeiten stark verwischte Bewegungsspuren. Der Filterfaktor von Graufiltern wird meist in optischen Dichten (als ND) angegeben.

UV- und Schutzfilter

Zu UV-Filtern gibt es eine Theorie welche sich auf vielen Webseiten von Filterherstellern nachlesen lässt. Sie geht in etwa so: Das für uns unsichtbare UV-Licht belichtet auf dem Film die blauempfindliche Schicht. Zudem wird dieser Lichtanteil von der Optik infolge chromatischer Abberation auch nicht gleichermassen scharf abgebildet wie die für uns sichtbaren Lichtanteile. Die klare und logische Folge davon sind blaustichige, unscharfe Bilder.

Es gibt auch eine Praxis: Das viele Glas eines Objektivs sperrt UV-Licht ebenfalls, unter Umständen sogar wirksamer als dies der Filter vermag und die oberste Schicht eines modernen Filmes - jawohl, sie haben es erraten - ist eine UV-Schutzschicht - somit sind UV-Filter fürs erste nichtsnutzig.

Bild: Christian Kleis

Bekanntlich tragen diese Filter aber auch noch einen andern Namen, sie werden oft als Schutzfilter bezeichnet. UV-Filter werden gerne verwendet um die teure Frontlinse des Objektivs zu schützen.

Situationen, die einen Schutzfilter rechtfertigen:

Die Verwendung eines Schutzfilters - wobei der Begriff Filter aus fotografischer Sicht hier eigentlich irreführend ist - ist in rauher Umgebung eine gute Idee. Um die Abbildungsqualität nicht unnötig zu kompromittieren sollten sie dazu einen qualitativ hochwertigen Filter verwenden. Am besten schützen Sie diesen dann, indem sie zusätzlich auch noch einen zweiten, etwas billigeren Filter, montieren.

Ansonsten, wenn es die Umgebung zulässt verwende ich meine Optiken aus Prinzip immer ohne Schutzfilter, dafür aber mit einer Sonnenblende, welche auch einen gewissen Schutz bietet indem die Frontlinse nicht zuvorderst exponiert ist.

Nachtrag: Wie immer, es mag Ausnahmen der Regel geben, einige Fotografen werden ihnen in episch langen Forenbeiträgen von hoch geachteten Objektiven berichten, deren Abbildungsleistung durch den Schutzfilter UV-Filter gewinnt. Wenn sie also das Gefühl haben, ihr Objektiv sei mit Filter besser, fühlen sie sich frei diesen segensreichen Filter zu montieren.