Autofokus

Wenn der eine Fotograf mit Autofokus erfolgreicher ist als ein anderer, so bedeutet dies darauf hin, dass er ihn anders nutzt.

In Foren finden sich viele Fragen betreffend Autofokus, meist im Zusammenhang mit nicht entstandenen Bildern von Sportanlässen oder Wildtierbeobachtungen. Die Diskussion beschränkt sich dann nicht selten auf eine Auswahl von Objektiven um ein neues, besseres und schnelleres Objektiv zu kaufen. Alles was bei dieser Gelegenheit nicht diskutiert wird möchte ich hier nachliefern.

Licht ist essentiel um sicher fokussieren zu
können

Es gibt für den Autofokus viele Einflüsse für eine erfolgreiche Fokussierung:

Bei Lichte besehen erscheint manch ein Ding klarer - so ähnlich verhält es sich auch mit dem Autofokus. Sicher sind wir uns einig, dass er ohne Licht kaum etwas erkennen wird. In Anbetracht dieser doch eher simplen Erkenntnis erstaunt es dann wenig, wenn die Kamera bestückt mit einem Objektiv der Lichtstärke 4,5-5,6, erweitert mit einem 2-fach Telekonverter und einem vorgeschalteten Polfilter, Mühe bekundet bei schwindendem Abendlicht sicher und schnell auf den wenig strukturierten Sonnenuntergang scharf zu stellen. Sicher würden sie so etwas nie auch nur versuchen.

Wie bei vielem im Leben gibt es eine Reihenfolge wenn man ans Ziel kommen will. So entscheiden sie sich z.B. dafür, ein Bild aufzunehmen, bevor sie den Auslöser der Kamera betätigen. Allerdings kann die Kamera ihren Entschluss nicht unmittelbar gleichzeitig mit ihnen erkennen und deren erster Hinweis auf ihren Entschluss ist dann das Betätigen des Auslösers. Willig wird sie dies geschehen lassen und danach auch noch scharf stellen - auf irgendwas, während sie die Kamera bereits wieder senken. Dem Autofokus etwas Zeit lassen zum Fokussieren wäre eine Alternative.

Trivial aber deshalb nicht falsch: Wenn das Bild im Sucher wilde Tänze vollführt ist nicht nur der Fotograf irritiert, sondern auch der Autofokus mit Nachführen der Fokusfelder stark beschäftigt, respektive verliert unter Umständen das scharf zu stellende Motivdetail aus dem Blick. Wenn sie die Kamera ruhig halten kann der Autofokus genauer fokussieren.

Vorfokussieren und im richtigen
Moment auslössen verspricht
mehr Erfolg als Bildserien.

Vorsicht mit schnellen Bildserien: Wenn sie eine schnelle Szene mit ebenfalls schneller Bildserie verfolgen - zum Beispiel mit 8 Bildern pro Sekunde - dann bleibt dem Autofokus zwischen den einzelnen Bildern nur sehr wenig Zeit für die Schärfenachführung. Entsprechend kann es dann sein, dass ausser dem ersten Bild praktisch alle nachfolgenden Bilder unscharf ausfallen. Wenn sie die Bildfolge jedoch zurückstellen, zum Beispiel auf 5 Bilder pro Sekunde, so bleibt nun deutlich mehr Zeit zwischen den einzelnen Bildern für die Neufokussierung. Entsprechend werden sie jetzt zwar weniger Bilder haben, dafür fallen diese jetzt scharf (oder zumindest schärfer) aus. 

Die Fokusstrategie ist einer der trickreicheren Aspekte der Autofokussysteme. Die einfachste Strategie geht so: Ein Punkt im Motiv wird angewählt, darauf scharfgestellt und danach ausgelöst. Damit können sie Stillleben fotografieren. Die weiter gefasste Praxis kann davon beliebig abweichen. Der scharf zu stellende Motivpunkt ändert seine Position im Bildfeld, ändert die Distanz oder verschwindet sogar zeitweise hinter einem anderen Objekt. Dazu haben Kameras diverse Einstellungen für den Autofokus, mit oder ohne Nachführung, auf das nächste Objekt, oder mit Fokussperre für eine begrenzte Zeit falls das Objekt kurz unsichtbar wird (Nikon: Lock On) - man denke hier an ein Fussballspiel, sie haben den Fokus auf dem Goalie, zwischendurch schieben sich die anderen Spieler in die Sichtlinie. Für all diese Einsätze müssen sie bei ihrer Kamera die richtige Autofokusstrategie auswählen respektive einstellen. Nicht nur der Blick ins Handbuch ist dazu unumgänglich, sie müssen das Vorgehen auch einüben, sich diesbezüglich praktische Erfahrung aneignen. Eine universelle, magische Einstellung für alle Fälle gibt es nicht, aber es gibt erfahrene Fotografen, welche die gegebenen Möglichkeiten der Kamera nutzen und Kameras, welche unerfahrene Fotografen nutzen um ein Spässchen zu treiben.

Auf der Mattscheibe des Suchers sind die Fokusfelder oftmals als kleine Rechtecke angegeben. Doch wie gross sind die Autofokusfelder tatsächlich und welche Form haben sie wirklich? Die Fokuspunkte sind zuweilen verschwindend klein und vor allem auch keine Rechtecke, sondern kleine Kreuze innerhalb des markierten Feldes (daher auch der Begriff Kreuzsensor). Dies ist immer dann von Bedeutung, wenn das zu fokussierende Motivdetail selbst auch sehr klein ist, zum Beispiel das Auge eines fliegenden Vogels bei einer Aufnahme mit zuwenig Brennweite. Das exakt zu fokussierende Motivdetail muss dann nicht nur ins Fokusfeld hineinragen, sondern darin mittig sein.

Im Ansatz schon erwähnt: zuwenig Brennweite. Wenn Ihr Motiv im Bild nur einen sehr kleinen Bereich einnimmt, dann haben sie verständlicherweise Mühe innerhalb dieses kleinen Bereiches genau zu fokussieren. Deshalb: Füllen sie das Bildformat.

Ein weiterer Punkt betrifft die Fokussierung bei bewegten Motiven - zum Beispiel für einen fliegenden Vogel. Erscheint das Motiv erst im Sucher, so wählen sie das richtige Fokusfeld, achten sich auf die korrekte Schärfelage und verfolgen das Motiv mittels Kameraschwenk. Sollte sie jetzt das leise Gefühl beschleichen, dies sei etwas gar viel Multitasking für einen kurzen fotografischen Moment, so können sie die Lage etwas entschärfen indem sie bereits vor der Aufnahme das richtige Fokusfeld vorwählen und auch manuell die ungefähre Distanz einstellen, der Autofokus braucht dann gar nicht erst lange zu suchen. Taucht das Motiv im Sucher auf, müssen sie nur noch das gewünschte Motivdetail mit dem bereits eingestellten Fokussierfeld zur Deckung bringen und können auslösen. Damit hatten sie auch die Komposition gedanklich schon vorweggenommen, das Bild wird zu ihrer Zufriedenheit ausfallen.

Genaue Fokussierung auf das nähere Auge ist
bei geringer Schärfentiefe wesentlich.

Ach übrigens: Ein Ausweg aus Problemen mit dem Autofokus besteht gelegentlich auch in der manuellen Fokussierung.

Aber nicht alle falschen Schärfeebenen sind mit dem Autofokus zu begründen:

Beim fotografieren mit sehr grossen Blendenöffnungen oder im Makrobereich wird die Schärfentiefe sehr gering. Entsprechend muss die Distanz auch sehr genau eingestellt werden. Unter Umständen genügt es nicht, bei einem Porträt auf die Augenbraue zu fokussieren - obwohl dies wegen dem hohen Kontrast praktisch wäre. Es kann sein, dass die Iris im Auge dann schon ausserhalb des Schärfebereichs liegt. Der Fotograf muss also genau wissen wo er zu fokussiert hat und ob diese Fokussierung auch genügend genau ist.

Ähnlich fehleranfällig ist das Verfahren vieler Fotografen, mit dem mittleren Fokusfeld zu fokussieren, die Fokussierung zu speichern und anschliessend das Motiv für die gewünschte Komposition im Sucher neu zu komponieren. Dadurch ergibt sich meist auch eine geringfügig andere Distanz und bei geringer Schärfentiefe entsprechend auch eine Fehlfokussierung.

Front- und Backfokus.

Von Front- oder Backfokus spricht man, wenn gegenüber der scharfgestellten Motivebene die Schärfeebene im Bild leicht nach vorne respektive nach hinten verschoben erscheint. Gründe dafür können Abbildungsfehler der Optik oder Toleranzen von Kamera oder Optik sein. Bei einigen Kameras (z.B. Nikon D700) kann dieser Fehler objektivspezifisch via Kameramenu justiert werden, der Autofokus korrigiert dann bei jedem Bild diese kleine Distanz.