Nachschärfen von Bildern

Dem richtigen Schärfen kommt bei der Bearbeitung von Bildern eine wichtige Bedeutung zu. Die Schärfe von Bildern ist ein Eindruck, welcher auf

basiert. Schärfe wird oft mit der Anzahl Pixel verwechselt. Schärfe hat jedoch nur indirekt über die Auflösung mit der Pixelzahl zu tun. Bei gegebener Bildgrösse in Pixel ist die rechnerische Auflösung gegeben und nichts in der Welt kann diese erhöhen. Die Nachschärfung im Bildbearbeitungs-Programm setzt deshalb beim Kontrast an. Dazu wird der Helligkeits-Unterschied benachbarter Regionen bei Kanten oder Strukturen und somit deren Kontrast gezielt erhöht, damit wird die Erkennbarkeit feiner Strukturen verbessert. Das Nachschärfen von Bildern ist somit eine Manipulation des Kontrast in den feinen Strukturen, das ist eigentlich schon fast alles.

Unscharf Maskieren im Menü Filter.

Unscharf Maskieren

Im Menü Filter unter Scharfzeichnungsfilter bietet Ihnen Photoshop mehrere Filter zum Scharfzeichnen an. Viele Filter locken mit verheissungsvollen Namen, der richtige Filter ist jedoch ausschliesslich derjenige mit der Bezeichnung Unscharf Maskieren. Dieser Filter erlaubt Ihnen die individuelle Anpassung der Schärfungsparameter an das jeweilige Bild und dessen Zweck. Der Begriff Unscharf Maskieren wird oft auch mit USM abgekürzt.

Drei Parameter

3 Parameter

Im Filter Unscharf Maskieren finden sie drei Parameter, es sind dies die Stärke, der Radius und der Schwellwert:

Die richtigen Werte für die einzelnen Parameter gibt es nicht. Je nachdem, ob sie ein Bild für den Druck oder die Bildschirmausgabe optimieren erweisen sich verschiedene Einstellungen als optimal. Zudem spielt auch der Bildinhalt noch eine Rolle, nicht für jedes Bild wollen sie den gleichen Schärfeeindruck gewinnen.

Ein paar Aussagen zum verhalten der Regler:

Bevor sie Unscharf Maskieren

Bevor ich Ihnen das Vorgehen beim Unscharf Maskieren erläutere, ein paar Grundregeln, die sie einhalten können, wenn sie an guten Resultaten interessiert sind - oder auch nicht, falls sie das Resultat glücklichen Umständen überlassen wollen.

Vorgehen

Auch wenn sie sich entschieden haben den Filter "Unscharf Maskieren" zu verwenden, so bleiben gleichwohl abhängig von den Möglichkeiten des von ihnen verwendeten Bildbearbeitungsprogramm verschiedene Möglichkeiten des Vorgehens zum Schärfen. Ein paar davon:

Unscharf Maskieren in einem Durchgang

Dies ist das einfachste Verfahren des Unscharf Maskierens. Für Bilder zur Darstellung im Internet gehen sie wie folgt vor:

Die Zahlenwerte in obigem Beispiel sind Startwerte zur Unscharf Maskieren für die Darstellung im Web. Die Endwerte werden vermutlich irgendwo in den folgenden Bereichen zu liegen kommen:

Um ein Bild für den Druck zu schärfen gilt das gleiche Vorgehen, allerdings mit geänderten Werten für die drei Parameter. Für den Druck werden die Parameter vermutlich irgendwo in den folgenden Bereichen zu liegen kommen:

Gelegentlich liest man auch Wertangaben, welche deutlich höher liegen. Es ist eine persönliche Präferenz, wie weit die Nachschärfung getrieben werden soll.

Unscharf Maskieren in zwei Durchgängen

Mit den bisherigen Einstellwerten wurden feine Details im Bild betont und diesem dadurch zu einem besseren Schärfeeindruck verholfen. Der Filter Unscharf Maskieren kann aber noch mehr. Nebst den feinen Details gibt es auch die grösseren Flächen, auch sie sollen sich bekanntlich gegeneinander abheben. Durch Eingabe eines sehr grossen Wertes für den Radius bei gleichzeitig kleiner Stärke wird der Bildkontrast von grossen Bereichen gegeneinander deutlich erhöht, während feine Details vom Filter unangetastet bleiben. Der Schwellwert steht für diese Anwendung zumeist auf 0. Diese Methode kann bei Bildern mit knappem Kontrast vorteilhaft in der frühen Phase der Bildbearbeitung vor Tonwertkorrekturen und Gradationskurven angewendet werden. Kontrastkorrekturen werden anschliessend deutlich weniger stark ausfallen müssen.

Links: Das Ausgangsbild, noch ungeschärft.
Mitte: Erstes Unscharf Maskieren mit Stärke = 20% und Radius = 20 Pixel
Rechts: Zweites Unscharf Maskieren mit Stärke = 60% und Radius = 0,5 Pixel

Wie schon beim einfachen Unscharf Maskieren richten sich die Parameter auch hier nach dem Zweck und der Grösse der Bilder, wiederum gibt es keine verbindlich festgelegte Werte.

Wiedergutmachung danach

Verblassen im Menu "Bearbeiten".

Wenn sie mit Photoshop arbeiten, so finden sie unter Bearbeiten die Funktion Verblassen (engl. Fade). In diesem Fall dürfen sie geringfügig Überschärfen und können danach den Schärfungseffekt mit Verblassen auf den gewünschten Wert zurücknehmen.

Den gleichen Effekt können sie auch anderweitig mit der Ebenenfunktion von Photoshop erzielen. Vor dem Unscharf Maskieren erstellen sie eine neue Ebene und wenden den Filter nur auf diese Ebene an. Anschliessend nehmen sie die Deckkraft der bearbeiteten Ebene zurück, bis die Schärfe genau Ihren Vorstellungen entspricht.

Nachschärfen selektierter Farbkanäle

Bei Scans hab ich oftmals festgestellt, das der Blaukanal deutlich mehr rauscht als die Rot- und Grünkanäle. Es bietet sich somit an, nur die beiden recht rauschfreien Kanäle zum Unscharf Maskieren zu verwenden und den blauen unangetastet zu lassen, da er überproportional zum Rauschen im Gesamtergebnis beitragen würde. Insbesondere wird damit auch ein blauer Himmel, in welchem sich Rauschen sehr deutlich abzeichnen würde, vom Nachschärfen weitgehend ausgeschlossen.

Da sie durch die Selektion zweier Farbkanale das Bild nicht richtig beurteilen können, empfiehlt es sich, die Stärke leicht über das vermutete Ziel zu erhöhen und nach dem Unscharf Maskieren mit Verblassen den gewünschten Schärfeeffekt genau einzustellen.

Nachschärfen des Helligkeitskanals im L*A*B-Modus

Beim Nachschärfen mittels Unscharf Maskieren und insbesonders beim Nachschärfen einzelner Farbkanäle besteht jeweils die Gefahr von Farbsäumen an Kanten und Strukturen mit Farbübergängen. Um solche Farbartefakte zu vermeiden, bietet es sich an, das Bild in den L*A*B-Modus zu transformieren. Anstelle von 3 Kanälen für Rot, Grün und Blau haben sie dann einen Helligkeitskanal (L = Luminance) und 2 Farbkanale (a und b).

Bild Links: Umschalten in den L*A*B-Modus
Bild Rechts: Auswählen des Helligkeitskanals zum Unscharf Maskieren.

Vorgehen zum Nachschärfen im L*A*B-Modus:

Zu Risiken und Nebenwirkungen...

Gutes Foto von Michael
Albat, bösartig nachgearbeitet
von mir.

Wenn sie im Restaurant beim Inder scharf wählen müssen sie mit Nebenwirkungen rechnen. Nicht anders verhält es sich mit "scharf" bei der digitalen Bildverarbeitung. Vertrauen sie deshalb ihren Augen und kontrollieren sie aufmerksam die Ergebnisse ihrer Anstrengungen.

Worauf ist zu achten? Ich hab Ihnen zu diesem Zweck das rechte Bild leicht überschärft.

Anmerkung: Ich habe durchaus schon Bilder gesehen, die mit folgendem Beispiel gleichziehen können.

1: Kontrast an Kanten. Dieser Kontrast wird verstärkt. Wenn sie zu grosszügig nachschärfen, so entstehen bei den Objekten Umrisslinien, vermutlich wollen sie dies so.

2: Farbeffekte an Kanten. Insbesondere bei schon im Original scharfen Übergängen können Farb-Effekte sichtbar werden. Diese werden besonders gut sichtbar, wenn der Übergang von bunt nach grau geht, deshalb sollten sie auch Unscharf Maskieren bevor sie mit dem Bildbearbeitungsprogramm einen Rahmen um das Bild zimmern.

3: Halos. In gleichmässigen Flächen neben Übergängen taucht ein helles Band - eine Art Heiligenschein um dunkle Objekte - auf.

4: Rauschen. Das Bildbearbeitungsprogramm kann Rauschen nicht von Bildinformation unterscheiden. Somit werden auch die durch das Rauschen entstandenen feinen Strukturen betont.

5: Sachen, die sie übersehen haben. Etwas gutes hat die Sache auch: Der Bildrand war nicht sauber, jetzt wissen sie's.