Die Idee eines Workflows

Der Anfang ist die Hälfte vom Ganzen

Aristoteles

Bevor wir beginnen möchte ich hier kurz den Begriff Workflow erlegen. Beim Workflow geht es um wiederkehrende, vergleichbare Arbeiten. Man wird bei diesen Tätigkeiten also Erfahrungen machen und diese Erfahrungen in zukünftige Arbeitsabläufe einbauen, welche dadurch schneller von statten gehen und sicherer zum Ziel führen werden. Diese Arbeiten werden dadurch zur Routine, zum Workflow.

Ein Workflow ist somit:

Unter einem Workflow sollte man deshalb nicht etwas gegebenes verstehen, so macht man es und so ist es richtig, sondern etwas im Laufe der Zeit zurechtgelegtes. Ihr persönlicher Bildbearbeitungs-Workflow unterliegt im Laufe der Zeit gleichermassen einer Veränderung wie sich auch ihre bildgestalterischen Fähigkeiten langfristig durch die aufmerksame Beschäftigung mit der Fotografie erweitern.

Gleichermassen wie ich beim Thema Bildgestaltung nur einen ersten Motivationsschub geben kann und das Erarbeiten ihres Erfolges dann ihnen überlasse, möchte ich auch hier nur eine Starthilfe in einzelnen ausgewählten Punkten anbieten, welche sich an diejenigen richtet, welche sich am Beginn eines Weges sehen.

Was sie benötigen

Um vernünftig digitale Bildbearbeitung zu betreiben benötigen sie nicht viel. Nur drei Sachen, es sind dies:

Hardware

Hardwaremässig der Drehpunkt bei der digitalen Bildverarbeitung ist nebst dem eigentlichen Computer - über welchen ich hier kein Wort verlieren möchte - ihr Monitor.

Zeigt er ihnen die Farben falsch werden sie unbeabsichtigt zum abstrakten Fotografen. In diesem Falle wünsche ich ihnen, dass sie den Anforderungen standhalten, welche ihr Publikum anschliessend an sie stellen wird. Das Künstlerdasein ist kein Honiglecken. Eventuell glauben sie, mit Schwarz-Weiss-Fotografie dieser Anforderung nicht genügen zu müssen. Dann sind es nicht die Farben, sondern die subtilen Helligkeitsunterschiede in den Schatten und Lichtern - diese Anforderung ist keineswegs weniger anspruchsvoll. Gehen sie ganz allgemein davon aus, dass der Monitor das schwächste Glied in der Bildbearbeitungskette ist. Ich empfehle ihnen deshalb von Beginn an einen guten Monitor - für den Amateur muss es nicht unbedingt ein professioneller Monitor von LaCie oder Quato sein, aber bitte fragen sie nicht nach dem anderen Ende der Bildqualitätsskala. Sind sie unsicher ob der Monitor kalibriert sein sollte, so beantworten sie die Frage mit einem deutlichen ja.

Noch was: Jeglicher Bildschirm, welcher sich hochinnovativ und automatisch der Helligkeit der Umgebung anpasst ist für Bildbearbeitung untauglich.

Software

Ich möchte es hier halten wie mit den Kameramarken. Das meiste was hier steht ist universell und kann sinngemäss mit allen geeigneten Bildbearbeitungs-Programmen durchgeführt werden respektive ansonsten halte ich das Programm für Bildbearbeitung nicht geeignet. Diese Programme sind erkennbar an einfachen, klaren Grundfunktionen, unter anderem an:

Für jegliche Farbkorrektur von Vorteil ist die Möglichkeit, Farben mit 16Bit-Farbtiefe bearbeiten zu können sowie ein durchgehendes Farbmanagement. Leider können diesen beiden Anforderungen nur wenige Programme genügen.

Wenn sie noch kein geeignetes Programm haben, zwei kleine Empfehlungen:

Programme haben zumeist ein Handbuch (und sei es nur in Fileform). Sie brauchen das Handbuch nicht zu lesen, dieses Wissen wäre Ballast und würde ihre Kreativität behindern.

Beispiele werden sie hier mit grosser Wahrscheinlichkeit anhand einer Software sehen, die sie nicht haben (auch deshalb, weil meine Software noch unmittelbar von den Dinosauriern abstammt) - dies ist aber nicht weiter schlimm, da es hier um Grundsätzliches gehen soll, um Aspekte, die sie mit jeder geeigneten Software umsetzen können wenn sie erst mal begriffen haben, worum es geht.

Umgebung

Eine geeignete Umgebung für Bildbearbeitung ist schnell charakterisiert:

Wenn sie aus analogen Zeiten noch ein Leuchtpult mit Normlicht haben, so können sie dies einsetzen um den Raum zu beleuchten, dann haben sie geeignetes und wiederholbares Licht.

Welche Fragen müssen wir diskutieren?

Die richtige Reihenfolge

Gleich vorab eine Merkregel:

Bildinformation, welche durch ihre Bildbearbeitung verschwindet ist weg und kann durch weitere Bildbearbeitung nicht wieder erstellt werden.

Bildbearbeitung kann demzufolge auch verstanden werden als das Verschwinden lassen unwichtiger Bildinformation zugunsten von akzentuierender Bildinformation.

Für die digitale Bildbearbeitung gibt es eine sinnvolle Bearbeitungsfolge. Dabei will ich mich auf elementare Bearbeitungsschritte beschränken, ausgehend von einem Bild, welches nur etwas Aufbereitung braucht - Bilder zu retten ist nicht meine Intention.

Die Reihenfolge einzelner Schritte kann diskutiert werden, so wird oft die Tonwertkorrektur vor dem Entflecken empfohlen, weil bei schlechtem Entflecken diese durch die Tonwertkorrektur wieder sichtbar werden könnten. Allerdings: Unter Umständen wollen sie von ihrem Bild mehrere Versionen mit unterschiedlicher Tonwertkorrektur ausprobieren - wenn sie vorher Entflecken haben sie dafür bereits eine saubere Datei zur Verfügung. Wie auch immer, jeder Ablauf den sie begründen können ist für sie richtig.

Ein kleiner Vergleich zum Schluss

Salz verstärkt den Geschmack von Speisen und Saucen decken die Wahrheit zu. Aber: Die richtig gute Küche braucht vor allem auch frische Produkte mit Eigengeschmack. Nicht viel anders verhält es sich mit Bildern und Bildbearbeitung. Die fotografischen Zutaten müssen stimmen. Das Spiel mit den digitalen Möglichkeiten bedarf Fingerspitzengefühl, es sei denn, ihre Absicht sei fotografischer Fastfood.