Komm näher, geh weiter ...

Wenn wir uns überlegen, wie wir ein Motiv möglichst gross oder zumindest grösser aufnehmen können, so scheint eine einfache Methode naheliegend: Mit der Kamera näher ans Motiv herangehen.

Um die Situation besser zu verstehen sollten wir etwas vereinfachen: Denken wir uns dafür unser Objektiv als einfache einzelne Linse, so wie bei einer Leselupe zum Beispiel. Näher herangehen bedeutet also, mit der Linse die Distanz vom Motiv zur Linse zu verringern. Diese Distanz ist die sogenannte Gegenstandsweite.

Es gibt aber auch noch eine weitere Methode, vielleicht etwas weniger intuitiv, aber für unseren Zweck genauso gewinnbringend: Weiter weg gehen. Damit ist jedoch die andere Seite der Linse gemeint - die Distanz zwischen der Linse und dem Bild, die sogenannte Bildweite. Es verhält sich damit gleich wie mit einem Projektor, wenn sie ihn weiter von der Leinwand wegrücken wird das Bild grösser projiziert.

Bild und Gegenstandsweite

In nebenstehender Grafik sind die beiden Weiten eingezeichnet.

Jetzt wäre übrigens auch der geeignete Zeitpunkt um mindestens zwei Fragen zu stellen.

Erstens: Was macht es für einen Unterschied, dass wir ein Objektiv haben und nicht eine Linse?

Bei dieser Frage kommt die in  nebenstehender Grafik  eingezeichnete Hauptebene ins Spiel. Von dieser Hauptebene aus werden die beiden Weiten gemessen. Auch ein Objektiv hat eine Hauptebene, sogar zwei. Die Gegenstandsweite messen wir von der vorderen Hauptebene aus, die Bildweite zählt ab der hinteren Hauptebene. Wo diese beim Objektiv genau liegen wissen wir zumeist nicht, insbesondere sind es aber nicht einfach die Distanzen ab Front- oder Rücklinse. Wichtig ist, ein Objektiv hat diese Ebenen, der Rest verhält sich gleich wie bei einer Linse, ein perfektes Objektiv ist ansonsten nämlich nichts anderes als eine Linse frei von Fehlern.

Zweitens: Können wir diese Distanzen tatsächlich einfach frei wählen?

Nein, dass können wir nicht, wo denken sie auch hin! (erstaunter Augenaufschlag, leicht tadelnder Blick ...) Die drei Grössen Gegenstandsweite, Bildweite und Brennweite hängen zusammen. Bei gegebener Brennweite des Objektivs können wir aber zumindest eine Weite wählen, praktischerweise ist dies die Gegenstandsweite, die Bildweite ergibt sich dann daraus. Der Fotograf richtet seine Objektiv auf ein Motiv, danach stellt er mit der Scharfstellung am Objektiv die Bildweite so ein, dass sich ein scharfes Bild ergibt. Wenn sie fokussieren machen sie also nichts anderes als die Bildweite passend.

Der mathematische Zusammenhang zwischen den drei Grössen wird durch die Abbildungsgleichung beschrieben. Für die Fans - die andere mögen die Formel bitte ignorieren:

1 / Bildweite + 1 / Gegenstandsweite = 1 / Brennweite

Fassen wir zusammen:

Was jetzt?

Was machen wir jetzt mit diesem nutzlosen Wissen?

Zuerst liefern uns diese beiden Weiten eine sehr einfache Beziehung für den Abbildungsmassstab:

Abbildungsmassstab = Bildweite / Gegenstandsweite

Der Abbildungsmassstab ist das Verhältnis von Bildweite zu Gegenstandsweite. Hätten wir es nicht intuitiv schon geahnt, ich hätte es hier hinschreiben müssen ...

Aber da ist noch etwas mehr. Diese Beziehung enthält auch die Anleitung, was zu machen ist wenn wir einen grösseren Abbildungsmassstab wünschen als unser Objektiv ohne Zubehör zulässt. Es gibt dafür zwei Ansätze: