Makroobjektive

Um längeren Diskussionen aus dem Weg zu gehen bin ich oft geneigt, das Gebiet der Makrofotografie wie folgt zusammenzufassen, es hätte mir einiges erleichtert:

Die Verwendung eines Makroobjektivs stellt die einfachste Methode dar, um Makroaufnahmen zu machen. Der Rest ist dem Fotografen überlassen.

Makroobjektive sind Objektive, welche einen grossen Abbildungsmassstab ermöglichen und dafür optimiert sind. Die Argumentation scheint naheliegend, einleuchtend und sicher nicht falsch. Betrachten wir daher kurz Makroobjektive etwas genauer.

Links ein Makroobjektiv älterer Bauart, daneben
3 moderne Makroobjektive unterschiedlicher
Bauart von 45 bis 180mm Brennweite.

Makroobjektive älterer Bauart

Das klassische Makroobjektiv älterer Bauart hat optisch einen weitgehend symmetrischen Aufbau moderater Lichtstärke und ist daher optimiert für Aufnahmen, bei welchen Gegenstand- und Bildweite ähnliche Werte aufweisen. Gegenüber normalen Objektiven ohne spezielle Eignung für den Makrobereich ermöglichen klassische Makroobjektive einen vergleichsweise langen Auszug. Für den Abbildungsmassstab 1:1 wird der notwendige Auszug allerdings sehr lang. Meist wurde daher der Auszug aus praktischen Erwägungen begrenzt für einen maximale Abbildungsmassstab von 1:2. Der restliche Auszug bis hin zum Abbildungsmassstab 1:1 wurde mittels darauf abgestimmtem Zwischenring ermöglicht.

Im Gegenzug sind diese Objektive bedingt durch ihren für Makrofotografie optimierten Aufbau nicht ideal geeignet für Aufnahmen mit kleinen Abbildungsmassstäben. Klassische Makroobjektive gelten daher als Spezialobjektive, sind meines Erachtens nach für den allgemeinen fotografischen Gebrauch aber durchaus auch brauchbar.

Moderne Makroobjektive

Diese Einschränkungen werden bei modernen Makroobjektiven durch massiven Technikeinsatz überwunden. Moderne Makroobjektive verwenden im optischen System mehrere Linsengruppen, welche zur Fokussierung nicht mehr als gesamtes System verschoben werden, sondern auch die Abstände relativ zueinander ändern. Diese Floating-Elements erlauben die nahezu perfekte Korrektur von Abbildungsfehlern vom Nahbereich bis in den Fernbereich.

Moderne Makroobjektive können wie folgt beschrieben werden:

Die meisten Hersteller führen Makroobjektiven mit 3 verschiedenen Brennweiten im Programm:

Makro-Normalobjektiv, Brennweite ≈ 60mm

Diese Brennweite ist ideal für nicht allzu grosse Abbildungsmassstäbe. Aufgrund der meist hervorragenden optischen Qualität dieser Objektive ergibt sich eine Eignung für Reproduktionen (gut korrigierte Bildfeldwölbung), Makroaufnahmen im technischen Bereich (geringe Verzeichnung) oder Stillleben. Bei grossen Abbildungsmassstäben wird der Arbeitsabstand, also die Distanz zwischen Motiv und der vordersten Linse der Optik, sehr klein. Dadurch ergibt sich nur eine geringe Eignung für Aufnahmen von kleinen Lebewesen mit Fluchtverhalten (vor allem kleine Säugetiere...), da deren Fluchtdistanz unterschritten wird. Ebenfalls kann die Ausleuchtung des Motivs Schwierigkeiten bereiten, weil das Objektiv infolge des kleinen Arbeitsabstandes dieses abschattet.

Kurzes Makro-Teleobjektive, Brennweite ≈ 105mm

Gegenüber der Optik mit kleinerer Brennweite ist der Arbeitsabstand schon bedeutend grösser, Makroaufnahmen bei Abbildungsmassstäben nahe 1:1 sind erleichtert. Die grössere Aufnahmedistanz erlaubt auch ein einfacheres Ausleuchten des Motivs, respektive dieses wird vom Objektiv weniger abgeschattet. Ein Makroobjektiv dieser Klasse empfehle ich für jede Fotoausrüstung. Die Erweiterung der fotografischen Möglichkeiten mit diesem Objektiv ist grösser als mit jedem anderen Teleobjektiv. Zudem dient dieses Objektiv auch als Porträtobjektiv, mit Eignung für Format füllende Porträts auch von Kleinkindern.

Langes Makro-Teleobjektive, Brennweite ≈ 200mm

Mit dieser Brennweite ergibt sich die grösste Chance, scheue Kleinlebewesen gross abzubilden. Für Makrofotografie bei hohen Abbildungsmassstäben (nahe 1:1) aus der Hand ist diese Optik allerdings schon recht anspruchsvoll. Die grosse Gegenstandsweite und das kleine Bildfeld bewirken ein unruhiges Sucherbild und damit eine unsichere Bildkomposition. Selbst eine kleine Bewegung wirkt sich stark auf den Bildausschnitt aus.

Makro-Zoomobjektive

Viele Zoomobjektive tragen den Zusatz "Makro" in ihrer Typenbezeichnung. Diese Objektive haben zumeist eine erweiterte Nahgrenze, dass heisst, sie können damit etwas näher ans Motiv heran als dies üblicherweise mit Zoomobjektiven der Fall war. Es handelt sich hierbei nicht im eigentlichen Sinne um Makroobjektive, da deren Abbildungsleistung nicht für den Nahbereich optimiert ist. Diese Objektive sind eher als Universalobjektive gedacht, welche zwischendurch auch mal einen kleinen Ausflug in den Makrobereich ermöglichen. Sie kaufen ein Zoom und freuen sich einfach über den Mehrwert welcher nicht viel kostet, aber auch nicht viel (... bis gelegentlich durchaus schon einiges) taugt. Meist tritt im Nahbereich solcher Objektive eine starke Bildfeldkrümmung auf, einhergehend mit Schärfeverlust gegen die Ränder. Ich möchte in diesem Zusammenhang einen Satz aus dem Nikon-News 3-97 zitieren:

Die Makro-Zooms eignen sich durchaus für ungeplante, nicht wiederholbare Fotos im Nahbereich, bei denen nicht die letzte Schärfe zählt, sondern die Tatsache, das Motiv überhaupt erwischt zu haben.

Das nenne ich entwaffnende Ehrlichkeit, gleichzeitig zeigt es auch, wie man einen Sachverhalt positiv formuliert.

Es gab ein einziges echtes Makrozoom-Objektiv auf dem Markt: Das AF-D Mikro Nikkor 70-180mm/4,5-5,6 ED. Für die Optik dieses Objektivs wurde ein sehr hoher Aufwand getrieben, mit entsprechendem Preis. Zusammen mit der vergleichsweise geringen Lichtstärke war dies wahrscheinlich die Zutat, welche dieses Objektiv unverdientermassen nicht zu einem Erfolg werden zu lies.

Canon MP-E 65mm/2,8

Das MP-E 65mm/2,8 von Canon nimmt eine Sonderstellung unter den Makroobjektiven ein. Canon bezeichnet das Objektiv selbst als Lupenobjektiv. Dieses Objektiv deckt einen Abbildungsmassstab-Bereich von 1:1 bis 5:1 ab. Für Massstäbe kleiner als 1:1 kann das Objektiv nicht fokussiert werden. Die Fokussierung erfolgt ausschliesslich manuell.