Die dunkle Seite der Makrofotografie

Auf der Makrofotografie lastet noch ein weiterer kleiner Schatten: Wird der Abbildungsmassstab erhöht, so wird das Bild grösser auf den Bildsensor respektive Film projiziert, darin liegt der eigentliche Sinn der Sache, der Blinde ertastet es am Stock. Mehr Licht steht aber nicht zur Verfügung, das grössere Bild wird demzufolge entsprechend dunkler ausfallen.

Diesem Umstand wird mit einem Verlängerungsfaktor für die Belichtungszeit Rechnung getragen, er beschreibt, um welchen Faktor die Belichtungszeit zunimmt gegenüber einer Fokussierung auf unendlich. Bei Verwendung von Belichtungsautomatiken wird die Belichtungszeit von der Kamera normalerweise automatisch angepasst. Allerdings verlängert sich durch den Lichtverlust nicht nur die benötigte Belichtungszeit, auch das Sucherbild fällt entsprechend dunkler aus. Dieser Lichtverlust tritt bei Makrofotografie immer auf, unabhängig ob ein Makroobjektiv, ein Zwischenring oder ein Balgengerät zum Einsatz kommt, nur Nahlinsen scheinen der Physik zu widerstehen.

Der Verlängerungsfaktor für die Belichtungszeit ist mit dem Abbildungsmassstab gekoppelt:

Verlängerungsfaktor = (1 + Abbilungsmassstab) 2

ABM 0 1:10 1:3 1:2 1:1 2:1 3:1 5:1 10:1
VF 1 1,21 1,78 1,25 4,0 9,0 16 36 121
Blendenstufen 0 0,28 0,83 1,17 2,0 3,2 4,0 5,2 6,9

Lichtverlust in Abhängigkeit des Abbildungsmassstabes.

Die nebenstehende Tabelle gibt einen kleinen Überblick zu den Verlängerungsfaktoren (VF) in Abhängigkeit des Abbildungsmassstabes (ABM). Die unterste Zeile gibt das Äquivalent des Lichtverlusts in Blendenstufen an.

Der Verlängerungsfaktor tritt auch bei normalen Abbildungsmassstäben auf, in diesen Fällen ist er jedoch derart gering, das wir ihn nicht feststellen. Sobald wir in den Makrobereich gelangen schwindet das Licht zusehends schneller. Den Abbildungsmassstab 1:1 bezahlen wir bereits mit Licht im Gegenwert von 2 Blenden und die richtig teuren Abbildungsmassstäbe folgen erst noch.

Effektive Blende

Die wirksame Blende, welche sich aus eingestellter Blende und dem Lichtverlust ergibt, wird effektive Blende genannt. Effektiv ist hier im Sinne von wirksam zu verstehen, wirksam für die Belichtung. Dieser Wert muss verwendet werden, falls die Belichtungszeit mit anderen Methoden als mit der eingebauten TTL-Belichtungsmessung ermittelt wird, zum Beispiel bei Lichtmessungen mit einem externen Belichtungsmessgerät.

Beispiel: Aus eingestellter Blende 16 bei Abbildungsmassstab 1:1 und daraus resultierendem Lichtverlust von 2 vollen Blendewerten ergibt sich die effektive Blende 32.

Bezüglich Anzeige des Blendenwertes im Kamerasucher existieren markenspezifische Unterschiede:

Wie ist die Sache jetzt genau bei Nahlinsen, da scheint kein Verlängerungsfaktor wirksam zu sein. Richtig ist dies jedoch nur halb. Wenn sie eine Nahlinse auf Ihr Objektiv setzen, so wird die aus Nahlinse und Objektiv resultierende Brennweite kürzer ausfallen, die Eintrittspupille jedoch geringfügig grösser. Ein Objektiv mit Nahlinse hat daher eine grössere Blendenzahl als das Objektiv, dadurch wird der Lichtverlust von der Unendlichstellung ohne Nahlinse bis zum neuen minimalen Abbildungsmassstab exakt kompensiert. Danach ist alles wieder beim alten, wird näher fokussiert wird das Licht weniger.

Anmerkung (aufgrund von Diskussionen im Web): Bei modernen Objektive geschieht die Fokussierung in den Nahbereich oftmals nicht nur durch Vergrössern der Bildweite (siehe Das Prinzip), sondern auch durch Verringern der Brennweite. Dies hat den Vorteil, dass der notwendige Auszug dann ebenfalls geringer wird. Diese Methode wird zumeist Innenfokussierung genannt. Aus geringerer Brennweite bei gleichbleibender Eintrittspupille ergibt sich im Nahbereich eine etwas grössere nominelle Blendenzahl. Der Lichtverlust fällt für solche Optiken daher geringer aus als wir anhand obiger Aussagen erwarten würden, so weisst zum Beispiel ein AF-S Micro-Nikkor 105/2,8 bei Abbildungsmassstab 1:1 nur eine effektive Blendezahl von 5,0 anstelle dem errechneten Wert von 5,6 auf. Das Prinzip des Lichtverlusts durch den Auszug bleibt bestehen, es sind die Parameter Brennweite und Blendenzahl des Objektivs welche sich verändern und daher nicht unmodifiziert in eine Formel eingesetzt werden können.