Welcome to the pleasuredome*

*Plattentitel von "Frankie goes to Hollywood" (1984)

Gehen sie in ein TV-Geschäft, in welchem an einer Wand mehrere TV-Geräte verschiedener Hersteller das gleich Programm zeigen. Was fällt ihnen auf? Die Bilder sind unterschiedlich kontrastreich, haben unterschiedliche Helligkeit und vor allem, sie zeigen alle unterschiedliche Farben. Und diesmal liegt es nicht am schlechten Fernsehprogramm...

Szenenwechsel: Quer über die ganze Welt werden die gleichen Bilder aus dem gleichen Internet auf den unterschiedlichsten Bildschirmen betrachtet. Kann das gut kommen?

In der Hoffnung, sie zu motivieren...

Farbmanagement in a nutshell.

Ausgabe von Farben:

Bei Monitoren werden alle möglichen Farben additiv mittels roten (R), grünen (G) und blauen (B) Pixels dargestellt, man spricht von RGB-Darstellung. Sind alle Pixel maximal hell, so entspricht dies leuchtendem Weiss, alle Pixel ausgeschaltet ergibt entsprechend Schwarz.

Bei Druckern verhält es sich ähnlich, mit dem Unterschied, das die Grundfarben Cyan (C), Magenta (M) und Gelb (Y, Yellow) sind und die Mischung subtraktiv ist. Oftmals werden gleiche Anteile CMY durch den entsprechenden Anteil Schwarz (K = Key) ersetzt, dadurch können tiefe und vor allem saubere Schwarztöne erreicht werden. Man spricht dabei vom Schwarzaufbau und CMY wird zu CMYK.

Jedoch: In normalen RGB-Bilddateien stehen für jeden Pixel nur die Anteile Rot, Grün und Blau (respektive CMYK). Wie das Rot, das Blau oder das Grün auszusehen hat steht dort nirgends geschrieben.

...blaue Blume, rote Dornen - die Sache wäre erheblich leichter, wenn ich nicht farbenblind wäre!

Der Esel im Film "Shrek"

So verwenden dann auch nicht alle Geräte die gleichen Farben für die Pixel, das Blau eines blauen Pixels wird sich vom Blau bei einem anderen Gerät unterscheiden. Gleiches gilt für die roten und grünen Pixel. Somit werden sich auch das Weiss und alle anderen Farben geräteabhängig mehr oder weniger deutlich unterscheiden. Die Farbinterpretation erfolg gerätespezifisch, wie wir anhand der Fernseher-Schauwand eindrücklich erfahren durften.

Farbräume (ICC-Profile)

Das Farbprofil ist praktisch das Gegenteil der RGB-Bilddatei. Es beschreibt keinerlei Bild, definiert aber exakt die jeweiligen Farben Rot, Grün und Blau (respektive CMYK). Alle mit einem Profil möglichen Farben ergeben den entsprechenden Farbraum. Ich werde in diesen Seiten die Begriffe Profil und Farbraum synonym gebrauchen.

Das genaue Aussehen eines Bildes ist somit durch das Farbprofil und die RGB-Bilddatei exakt beschrieben. Wenn sowohl die RGB-Zahlenwerte für die einzelnen Pixel als auch das Farb-Profil in einer Datei enthalten ist, so spricht man von einer Datei mit eingebettetem Farbprofil.

Geräteprofile

Die Sache geht auch andersrum. Anstelle der Bildfarben können wir mit einem Profil auch das Verhalten unserer Geräte beschreiben. Man spricht in solchen Fällen von Geräteprofilen. So gibt z.B. ein Bildschirm-Profil an, wie die Farben auf dem Bildschirm dargestellt werden, ein Scannerprofil spezifiziert entsprechend das Farbverhalten eines Scanners und ein Druckerprofil dasjenige eines Druckers.

Geräteprofile sind die Grundlage, um die Farben auf den von ihnen beschriebenen Geräten richtig auszugeben zu können (respektive einzulesen bei Scannern). Oftmals sind die Dateien mit den Geräteprofilen der Geräte-Software beigelegt respektive können von den Webseiten der Hersteller heruntergeladen werden.

Der Weg des geringsten Widerstandes

Mit diesen Profilen haben wir dann auch schon alles zusammen für ein einfaches, durchgehendes Farbmanagement, welches wie folgt aussehen kann:

Für jede Grundfarbe stehen in der Bilddatei eine beschränkte Anzahl Abstufungen zur Verfügung, typischerweise 256. Ist der Farbraum zu gross gewählt, so stehen zur Differenzierung der eigentlichen Information nicht genügend Werte zur Verfügung. Es macht deshalb keinen Sinn, einen zu grossen Farbraum zu verwenden. Auch sollte der Farbraum möglichst wenige nicht-druckbare Farben enthalten, falls die Datei am Schluss gedruckt werden soll. Der Farbraum sollte sich also an der geplanten Verwendung des Dokuments orientieren. Diesem Umstand wurde mit unterschiedlichen Farbräumen die notwendige Aufmerksamkeit gezollt.

Aus all dem ergibt sich für mich eine Arbeitsraumempfehlung, welche sie wie immer auch ignorieren dürfen: sRGB.

Einige werden sich entsetzen über diese Aussage und AdobeRGB propagieren. Ja, da haben sie recht. Jedoch, ein "normales" Minilab erwartet nicht AdobeRGB - eher noch sRGB. Wenn sie ihre Daten im grossen Farbraum anschleppen geschieht die Umwandlung ohne ihren Einfluss. AdobeRGB wird dann zum Arbeitsprofil ihrer Wahl wenn sie selbst auf höchstwertiges Papier und mit richtiger Fototinte drucken.

Das war schon alles. Zumindest alles was sie brauchen um beim Abholen ihrer Fotos nicht ihr blaues Wunder zu erleben.

Jetzt sollte das Farbmanagement noch eingerichtet werden. Nichts einfacher als das:

Testen des Farbmanagements

Jetzt gilt es, sich Gewissheit über das Erreichte zu verschaffen. Scannen sie ein Bild, Bearbeiten sie es und bringen sie die Früchte ihrer Arbeit zum Fotohändler damit er ihnen davon einen Abzug macht. Wichtig ist jetzt, dass sie ihn über ihr Ziel informieren. Was sie brauchen ist ein Bild ohne Dichte- und ohne Farbkorrektur seinerseits. Dies werden sie kontrollieren können, die meisten Minilabs drucken die Korrektureinstellungen hinten aufs Bild, dort sollten sie also die Korrekturwerte 0 (zumeist "R0G0B0D0") erblicken. Dieses Bild werden sie dann mit der Anzeige ihres Monitors vergleichen. Jedoch, das eine ist ein Papierabzug, das andere eine Monitordarstellung, identisch werden sie nicht sein und können sie nicht sein. Worauf achten sie sich? Wo versaufen die Schatten in der Bildschirmanzeige verglichen mit dem Bild? Hat das Bild Farbstiche?

... Teufel auch, das Bild ist bunt, da sieht man nichts!

Sorry, ich hätte es Ihnen sagen müssen. Was sie brauchen sind Grautöne, neutrale Grautöne, möglichst in vielen verschiedenen Helligkeiten. Nur mit Grautönen sind sie imstande, Farbtendenzen zuverlässig zu erkennen.

Und zum Schluss...

Weiter oben wurde die Frage gestellt, ob es gut kommen kann wenn die gleichen Bilder weltweit auf unterschiedlichsten Bildschirmen dargestellt werden. Die Antwort sollte jetzt klar auf der Hand liegen. Nein, das kommt nicht gut - aber daran können sie nichts ändern. Aber es sollte möglich sein, aus den meisten Minilabs Bilder in ähnlichen Farben zu kriegen. Das ist doch immerhin schon was!