The World is my Oyster

*Songtitel von "Frankie goes to Hollywood" (1984)

Nachdem wir uns jetzt ein tolles Farbmanagement eingerichtet haben, fragen wir uns, was wir damit alles anstellen können.

Auf Ebene des Farbmanagements stellt Photoshop folgende Funktionen und Hilfsmittel zur Verfügung:

Die beiden Funktionen finden sie in Photoshop 7.0 unter Bild -> Modus -> Profil zuweisen respektive Bild -> Modus -> In Profil konvertieren...

Profil zuweisen

Die RGB-Daten bleiben unverändert erhalten, die Zuweisung eines Profils bestimmt jedoch, wie diese Daten farblich zu interpretieren sind. Damit ändert sich das Aussehen des Bildes je nach gewähltem Farbraum: sRGB ergibt ein Bild in dezenteren Farben, das andere Extrem ist Wide Gamut mit seinen äusserst satten Farben. Da die eigentlichen RGB-Daten nicht verändert wurden kann Profil zuweisen jederzeit rückgängig gemacht werden ohne das dem Bild ein Schaden entstand.

Eine gezielte Profilzuweisung macht immer dann Sinn, wenn ein Bild beim Öffnen farblich unzufriedenstellend, also zu flau, zu satt, zu hell oder zu dunkel dargestellt wird.

Erscheint das Bild zu flau, so weisen sie einen grösseren Farbraum zu, z.B. Adobe RGB, erscheint es zu dunkel, einen Farbraum mit geringerem Gamma wie z.B. Color Match-RGB. Es macht keinen Sinn, mittels Farbkorrekturen gegen das Profil zu korrigieren, wechseln sie das Profil durch Profil zuweisen und die Farbkorrekturen werden entsprechend geringer ausfallen oder sich evtl. ganz erübrigen.

In ein Profil konvertieren

Bei einer Konvertierung in einen Farbraum wird ebenfalls ein Profil zugewiesen, zugleich werden die RGB-Daten so umgerechnet, dass das Bild sein Aussehen (möglichst) nicht ändert.

Wird ein Bild von einem kleinen in einen grossen Farbraum konvertiert (z.B. von sRGB nach Adobe RGB), so wird jetzt nur mehr ein kleinerer Teil des Farbraumes Verwendung findet. Da die Farbräume als ganzes die gleiche Anzahl Farben enthalten wird auch klar, dass die Farbauflösung bei der Konvertierung gelitten haben muss. Daraus ergibt sich als direkte Konsequenz, zumindest solange im 16Bit-Farbmodus zu arbeiten wie farblich an den RGB-Daten "rumgeschraubt" wird.

Probleme ganz anderer Art können entstehen, wenn von einem grossen in einen kleinen Farbraum konvertiert wird zum Beispiel von Adobe RGB nach sRGB. Es kann sein, dass das Bild Farben aufweist, welche in kleinen Farbraum nicht enthalten sind. Was soll jetzt mit diesen Farben geschehen? Die Konvertierungsoptionen geben das Verhalten für solche Fälle an. Betrachtet man den Farbraum als Pullover, so stehen bei "Pullover-Konvertierungen" entsprechend die Optionen "Eingehen" oder "mit der Schere abschneiden" zur Verfügung. Sie ahnen es: In Farbräume konvertieren sollte man nicht unbedacht und nicht mehr als unbedingt notwendig. Für dieses "nicht unbedacht" gibt es in Photoshop ein Hilfsmittel, die Proof-Ansicht.

Proof-Ansicht

Die Proof-Ansicht ist die "Was wäre wenn..."-Ansicht. Unter Proof einrichten spezifizieren sie mit Profil einen Farbraum, in welchem das Bild dargestellt werden soll.

Die Checkbox Farbwerte erhalten gibt an, was mit dem spezifizierten Profil sein soll.

Ist Farbwerte erhalten deaktiviert, so entspricht dies einer Konvertierung in den spezifizierten Farbraum. In Wirklichkeit geschieht diese Konvertierung nicht, die Anzeige zeigt ihnen aber was geschehen würde. Im Idealfall ändert sich am Aussehen des Bildes kaum was. Geht die Konvertierung von Adobe RGB nach sRGB, so kann es jedoch sein, das Farben nicht mehr darstellbar sind. Um wieder auf das Beispiel mit dem Farbraum-Pullover zurückzukommen: Mit Priorität stellen sie dann ein, ob der Farbraumpullover geschrumpft oder geschnitten dargestellt werden soll.

Ist Farbwerte erhalten aktiviert wird die Zuweisung eine Farbraumes simuliert.

Mit der Farbumfang-Warnung können sie sich anzeigen lassen, welche Bereiche eines Bildes nicht innerhalb des gewählten Farbraumes liegen. Dies sind also die Stellen, an welchen der Farbraum-Pullover leidet.

Nebenstehendes Bild zeigt eine Farbumfang-Warnung für die Konvertierung des Bildes von Adobe RGB nach sRGB.

Der gelb markierte Bereich (siehe Pfeil) liegt farblich ausserhalb des sRGB-Farbraumes, an diesen Stellen kann die Farbe des Bildes nicht erhalten werden.

Anmerkung: Die Farbumfang-Warnung erfolgt in der Grundeinstellung von Photoshop in einem mittleren Grau. Dies ist insofern sinnvoll, als im Bereich der Farbumfang-Warnung nie ein mittleres Grau sein wird. Andererseits werden sie Mühe haben, die derart markierten Bereiche in ihrem Bild zu finden. Die Markierungsfarbe lässt sich in den Voreinstellungen des Photoshop jeweils den Gegebenheiten des Bildes anpassen, so dass die Farbumfang-Warnung mühelos erkennbar wird.