Objektivtypen

Nach all der Theorie gilt es jetzt, noch etwas Ordnung zu schaffen. Objektive werden gerne in Kategorien eingeteilt. Eingeteilt wird nach Brennweiten, aber auch nach speziellen Kriterien, welche eine Optik auszeichnen. In etwa dürften dies die folgenden sein:

Je nach fotografischem Gebiet sind noch weitere Kategorien anzutreffen, so spricht das Marketing von Objektivherstellern gerne von Reisezooms, es gibt Porträtobjektive und im Architekturbereich wären die Tilt- und Shiftobjektive zu erwähnen. Da es hier um einen ersten Überblick zur Orientierung im Objektivdschungel geht, sollen nur vorerst nur die wichtigsten Objektivgruppen kurz erklärt werden, spezielleren Objektiven werden gegebenenfalls anderweitig in diesen Seiten erläutert.

Normalobjektiv

Areuseschlucht mit dem
Normalobjektiv fotografiert.

Dieser Objektivtyp ist charakterisiert durch eine Brennweite, welche ungefähr der Bilddiagonale entspricht. Das Normalobjektiv ist dagher ein Definition über den Bildwinkel. Für das Kleinbildformat sind dies Objektive mit Brennweiten im Bereich von etwa 40mm bis 50mm. Zur Frage, was an einem Normalobjektiv normal sei, gibt es verschiedene Theorien:

Eines kann man sicher sagen: das Normalobjektiv drückt der Wirklichkeit nicht seine eigenen Stempel auf, es fotografiert praktisch effektfrei und richtet sich daher an Fotografen, welche schon selber laufen können.

Weitwinkelobjektiv

Ausgehend von Normalobjektiven werden Objektive mit kleinerer Brennweite und damit einhergehend weiterem Bildwinkel als Weitwinkelobjektive bezeichnet. Beim Einsatz von Weitwinkelobjektiven bewegt sich der Fotograf von der gewohnten Sicht, wie sie beim Normalobjektiv definiert wurde, weg. Um dabei nicht Effekten zu verfallen, ist es sinnvoll, sich der Motivation für den Einsatz des Weitwinkelobjektivs klar zu sein.

In obiger Darstellung der Möglichkeiten fehlt der Hinweis, dass man mit dem Weitwinkelobjektiv mehr ins Bild stopfen kann. Dazu ein Gedanke aus berufenem Munde:

Überladene Motive wirken unordentlich und verwirrend - eine unfotogene Charakteristik von Anfängern, die fest entschlossen zu sein scheinen, soviel wie nur möglich in ein Bild hineinzustopfen. Offenbar hegen sie den Glauben, was dem umherschweifenden Auge gefällt, müsse auch in Bildform wirkungsvoll sein, und vergessen dabei, dass ein Bild feste Grenzen hat; je mehr sie in diesen engen Rahmen hineinzwängen, desto kleiner und unscheinbarer wird alles. Diese ganz und gar unfotogene Gewohnheit werden sie nur dann ablegen, wenn sie lernen, "fotografisch zu sehen" - in diesem Zusammenhang: ein aus vielen Einzelheiten bestehendes Motiv optisch zu zerlegen und einzelne Teile getrennt zu fotografieren. Hierzu gehört übrigens auch die Beobachtung, dass fast alle Anfänger, die sich ein Zweitobjektiv zulegen, Weitwinkelobjektive wählen, die von demselben Kamerastandpunkt aus ein noch weiteres Bildfeld erfassen als Normalobjektive und somit die unfotogene Angewohnheit, zu viel auf das Bild zu bringen, noch verschlimmern. Meiner Meinung nach wären sie besser beraten, wenn sie ein mittleres Teleobjektiv nähmen, was wegen seines engeren Bildwinkels alles im grösserem Massstab abbildet und dadurch die Bildwirkung verbessert.

Andreas Feininger, Richtig sehen – besser fotografieren, 1973

Bild: Michael Albat

Immer wieder wird die Perspektive erwähnt, wenn man von Weitwinkelobjektiven spricht. Perspektive entsteht jedoch nicht wegen dem Objektiv, sondern aufgrund ihres Standorts beim Fotografieren. Die kurze Brennweite hilft nur, bei gegebener Motivgrösse sehr nahe ans Motiv heran treten zu können. Dadurch entstehen im Bild extreme Distanzverhältnisse zwischen Vordergrund und Hintergrund. Objekte im Vordergrund werden somit in Relation zu Objekten im Hintergrund ungleich grösser dargestellt, sie scheinen wesentlich weiter auseinander zu liegen als dies tatsächlich der Fall ist. Da unser Auge (oder korrekter: unser Gehirn) gewohnt ist, etwas um so kleiner zu sehen, je weiter es von uns entfernt ist, gaukelt es uns beim Betrachten einer solchen Aufnahme das Vorhandensein von sehr grosser Raumtiefe, also auch von grosser Entfernung zwischen vorne und hinten angeordneten Objekten vor. Gleichzeitig erhält auch das einzelne dreidimensionale Objekt mehr Volumen, es wirkt plastischer.

Kategorie Brennweiten Bildwinkel (24mm x 36mm)
Diagonale Breite Höhe
Weitwinkel 35mm
28mm
63,4°
75,4°
54,4°
65,5°
37,8°
46,4°
Superweitwinkel 24mm
20mm
18mm
17mm
84,1°
94,5°
100,5°
103,7°
73,7°
84,0°
90,0°
93,3°
53,1°
61,9°
67,4°
70,4°
Extreme
Superweitwinkel
15mm
14mm
12mm
110,5°
114,2°
122,0°
100,4°
104,3°
112,6°
77,3°
81,2°
90,0°

Weitwinkelobjektive werden meist grob in mehrere Kategorien von Weitwinkel bis zum extremen Superweitwinkel eingeteilt. Abnehmende Brennweite verändert die Bildaussage und kompositorische Aspekte immer drastischer bis zum einem Punkt, wo man ehrlicherweise von Sinnlosigkeit sprechen muss. Diese Einteilung von Weitwinkelobjektiven ist jedoch nicht fix. Wesentlich erscheint mir, dass sich aus Sicht des Gebrauchs und der Bildwirkung sinnvolle Gruppen ergeben. Die nachfolgende Einteilung bezieht sich auf das Kleinbildformat (bei Digitalkameras oft auch Vollformat genannt).

Weitwinkel: Brennweiten von 35 bis 28mm werden als Weitwinkel bezeichnet. Mit 62° oder sogar 75° Bildwinkel über die Diagonale können Sie manches fotografieren was mit einem Normalobjektiv nicht ginge, weil Sie schlicht und einfach nicht alles ins Bild kriegen würden. An die etwas breitere Sicht dieser Objektive haben wir und längst gewöhnt, das Bild wirkt entsprechend noch natürlich und (zumindest bei 35mm Brennweite) effektfrei. Ein Verkanten der Kamera wird noch nicht unmittelbar bestraft, die Gestaltung mit diesen Brennweiten ist verhältnismässig einfach. Mit diesen Brennweiten haben Sie viele Vorteile auf ihrer Seite. Ein Objektiv mit 35mm Brennweite eignet sich daher auch als Standartobjektiv anstelle eines 50mm-Normalobjektivs.

Twannbachschlucht, fotografiert mit 18mm
Brennweite.

Superweitwinkel: Bei 24mm Brennweite beginnt der Superweitwinkelbereich. Sobald wir mit einem Objektiv dieser Brennweite nahe an ein Motiv herangehen ist die steile Perspektive, das heisst, die starke Hervorhebung des Vordergrundes und die schnelle Abnahme der Grösse von Objekten im Hintergrund augenfällig und wird bewusst wahrgenommen. Das Bild erschient jetzt unmittelbarer, dynamisch und unter Umständen auch frech, oder enttäuschend leer wenn sie nicht wissen wie man mit einem solchen Objektiv gestaltet. Ideal erscheint mir ein Objektiv mit 24mm Brennweite als Ergänzung zu einem 35mm-Objektiv. Fotografieren ist gerade noch einfach, das typische Weitwinkelfeeling schon sehr ausgeprägt.
20mm Brennweite ist bereits ein echter Superweitwinkel. Der Gedanke, dass mit diesem weiteren Winkel einfach noch mehr aufs Bild geht wird nach den ersten unbedarften Fotos deutlich widerlegt. Mit einem solchen Objektiv muss der Fotograf sein Bild bewusst gestalten, ansonsten geht gar nichts, "point and shot" gehört nicht zum Anwendungsgebiet dieser Linse.
Trotzdem kann diese Optik dem ernsthaften Amateur empfohlen werden. Wer Sie erstmals beherrscht kann damit überlegen gestalten. Da die Bilder alle Gemeinsamkeiten haben werden (stark betonter Vordergrund, "Fluchtperspektive") sollte man den Einsatz der 20mm-Brennweite trotzdem mässigen, obwohl weite Winkel momentan modisch sind.

Extremweitwinkel: Es ist schwierig für Objektive mit Brennweiten von 15mm oder weniger eine Empfehlung abzugeben. Meines Erachtens nach handelt es sich dabei um experimentelle Fotografie, dass heisst, der Fotograf experimentiert ein bisschen herum um für dieses Objektiv eine sinnvolle Anwendung zu finden. In den Bilder wird der Effekt des zu grossen Bildwinkels aber über das eigentliche Motiv dominieren. Gegebenenfalls finden solche Objektive in der Landschaftsfotografie Anwendung, allerdings werd ich oft auch hier den Verdacht nicht los, dass die Bilder besser geworden wären, hätte der Fotograf sich beim Bildwinkel etwas gemässigt.
Modisch sind weite Bildwinkel momentan auch bei einigen Sportarten wie zum Beispiel bei Skatboardern. Die überzogene Perspektive ist hier als eine Art Szenenbildsprache zu verstehen, oftmals wird dafür aber gleich zum Fisheyeobjektiv gegriffen.

Teleobjektiv

Taubenlochschlucht mit 160mm
Brennweite fotografiert.

Objektive mit längerer Brennweite als die Bilddiagonale und somit kleinerem Bildwinkel als Normalobjektive werden umgangssprachlich allgemein als Teleobjektive, bei sehr grossen Brennweiten auch als Fernobjektive bezeichnet. Für das Kleinbildformat sind dies Objektive mit einer Brennweite ab etwa 70mm.

Auch hier sei zuerst die Frage nach der fotografischen Motivation gestellt:

Das Motiv wird grösser abgebildet: Bei gegebener Distanz bildet ein Teleobjektiv das Motiv grösser ab als ein Objektiv mit kleinerer Brennweite. Geben Sie sich keiner Illusion hin, reinrassige Teleobjektive sind nicht zur Abbildung kleiner Objekte geeignet. Hier entstehen oftmals Missverständnisse - Teleobjektive werden vor allem von Anfängern gerne mit Makroobjektiven verwechselt: Der hoffnungsvolle Schmetterlingsfotograf schaut durch sein Telezoom und stellt die grösste Brennweite ein. Kriegt er das Tier nicht in der gewünschten Abbildungsgrösse ins Bild, so wird der Wunsch nach einem längeren Teleobjektiv laut. Diese wird dann als Kompensation zur längeren Brennweite auch eine grössere Nahgrenze aufweisen. Um noch scharf einstellen zu können, muss der Fotograf weiter weg, der Schmetterling behält somit seine Abbildungsgrösse auf dem Film. Moderne Teleobjektive ohne speziellen anschliessenden Makrobereich können allgemein bis etwa Abbildungsmassstab 1:6 verwendet werden bei mässiger Lichtstärke und etwa 1:10 bei den lichtstarken Versionen. Dies reicht gerade aus um vollformatige Porträts erwachsener Personen zu machen - Kinderporträts sind zumeist vollformatig schon nicht mehr realisierbar.

Bild: Michael Albat

Überbrückung von Distanz: Wir erwarten, mit einem entsprechenden Teleobjektiv zu einer ansprechenden Aufnahme zu gelangen, selbst wenn wir nicht nahe ans Motiv herankommen. Diesen Umstand nutzen insbesondere die Paparazzi in ihrer schlimmsten Ausprägung. Ausserdem ist es eine Segnung für alle Sportfotografen am Rande des Spielfeldes und für Wildlifefotografen. Diesen Gattungen von Fotografen ermöglicht hauptsächlich das Teleobjektiv die Ausübung ihrer Tätigkeit, das Teleobjektiv ist eine Notwendigkeit, nicht eine Gestaltungsmöglichkeit. Notwendig paart sich gerne mit Unmöglichkeit. Werden die Distanzen gross und/oder ist das abzubildende Motiv klein, so sind die verfügbaren Brennweiten schnell mal ausgereizt. Ebenfalls kann atmosphärischer Dunst und Staub Fotografie über längere Distanz zu einem unbefriedigenden Ereignis werden lassen.

Die enge Bauweise einer Altstadt wird in
der Darstellung mittels Teleobjektiv durch
Verdichtung verdeutlicht.

Perspektive verflachen: Teleobjektive zeichnen entfernte Objekte grösser auf als sie unser Auge sieht, was uns oft die Illusion vermittelt, die im Bildhintergrund liegenden Objekte seien übergross dargestellt. Die Grössenunterschiede zwischen vorne und hinten schmelzen förmlich dahin, die Raumtiefe schwindet, die Entfernungen werden im Bild als kleiner empfunden. Es scheint, als würden Raum und Objekt in der Tiefe verdichtet. Diese für Teleaufnahmen spezifische Wirkung lässt sich sehr gut für ästhetische oder dramatische Bildeffekte verwenden. Die Raffung des Raumes, die Verflachung dreidimensionaler Motivteile geht einher mit einer gewissen Abstraktion, die insbesondere auch bei Landschaftsfotos beliebt ist: Die Natur wird zum flächenhaften, impressionistischen Gemälde; Strukturen, Linien und Farbflächen werden leichter erkenn- und unterscheidbar; ein Bezug zur Realität wird oft fast ganz unterbunden, was dem Wunsch vieler Fotografen entgegenkommt. Mit dieser grafischen Abstraktion lassen sich auch auf eindrückliche Weise hintergründige Bildaussagen visualisieren. Bilder von Menschen- oder Häuseransammlungen betonen Inhalte wie "Menschengewühl" oder "Wohnen in Schachteln".

Geringe Schärfentiefe: Mit zunehmender Brennweite bei ansonsten gleichem Bildausschnitt und gleicher eingestellter Blende nimmt die Schärfentiefe ab. Die mit der langen Brennweite verbundene geringe Schärfentiefe lässt sich einsetzen zur Gestaltung mittels selektiver Schärfe. Schärfe lenkt den Blick auf das Bildwichtige, Unschärfe lenkt von bildunwichtigem ab. Generell darf wohl gesagt werden, was vielen Fotos fehlt ist nicht in erster Linie Schärfe, sondern gezielt eingesetzte Unschärfe. Mehr zum Thema finden sie im Artikel zur Gestaltung mit Schärfe und Unschärfe.

Anmerkung: Im Makrobereich ist die Schärfentiefe abhängig vom Abbildungsmassstab und der eingestellten Blende, jedoch unabhängig von der Brennweite. Geringere Schärfentiefe bei längerer Brennweite gilt daher im Makrobereich nicht.

Hintergrund Ton in Ton mit
dem Motiv im Vordergrund.

Hintergrundbereich reduzieren: Den Hintergrund haben wir bereits manigfaltiglich beeinflusst. Er ist scheinbar näher herangerückt aufgrund der perspektivischen Verflachung und er ist evtl. in Unschärfe gehüllt aufgrund geringer Schärfentiefe. Es gibt aber noch einen weiteren Aspekt der Fotografie mit dem Teleobjektiv, welcher sich auf den Hintergrund auswirkt: Der kleine Bildwinkel. Der Hintergrund wird nicht nur grösser abgebildet wie wir dies von einem Teleobjektiv auch erwarten, es findet konsequenterweise auch weniger Hintergrund im Bild Platz.
Störender Hintergrund lässt sich somit durch eine kleine Standortverschiebung eliminieren.
Bei Landschaftsaufnahmen bietet sich an, eine Aufnahme auch mal ohne sichtbaren Horizont zu gestalten. Gegenüber einer Aufnahme mit dem Weitwinkelobjektiv sind die Hintergrundelemente bei Teleaufnahmen mit grösserem Abbildungsmassstab abgebildet. Der Fotograf kann den Hintergrund ähnlich wie das Hauptmotiv für die Bildgestaltung mitverwenden, gezielt ins Bild integrieren. Beliebte Spielarten sind zum Beispiel Ton-in-Ton-Aufnahmen, farbliche Wahl des Hintergrundes als Komplementärkontrast oder Wiederholungen in der Struktur.

Noch ein gewichtiges Wort zu Teleobjektiven: Mit zunehmender Brennweite werden Teleobjektive nicht nur schnell mal gross, schwer und teuer, sondern zunehmend auch anspruchsvoll in der Anwendung. Spontaner Einsatz aus der Hand setzt voraus, dass sie Oberarme wie Arnold Unterschenkel haben. Selbst beim Einsatz ab Stativ sind noch nicht alle Probleme gelöst, viele Stative schlottern vor Angst wenn sie auf ihnen ein langes Teleobjektiv montieren. Mehr dazu finden sie auf der Seite zu den Stativen.

Zoomobjektiv

Nebst Objektiven mit fester Brennweite gibt es Zoomobjektive mit variabler Brennweite. Zoomobjektive mit "vernünftigem" Brennweitenbereich sind heute in ansprechender Qualität zu haben und recht verbreitet. Die weitergehende Diskussion zum Thema Zoomobjektive im Verglich zu Objektiven fester Brennweite wird an anderer Stelle in diesen Seiten angestellt.

Makroobjektiv

Dies sind Objektive, welche spezifisch für Aufnahmen im Nahbereich mit allen Konsequenzen optimiert sind. Üblicherweise lassen sich diese Objektive diese bis zum Abbildungsmassstab 1:1 fokussieren. Mehr dazu erfahren sie im Artikel zur Makrofotografie.

Fisheyeobjektiv

Monastere de la verne, aufgenommen mit
einem 16mm-Fisheyeobjektiv.

Gleich vorneweg: Mit Fisheyeobjektiven kann man viel Unsinn anstellen.

Fisheyeobjektive unterscheiden sich von normalen, verzeichnungsfreien Objektiven durch ihre davon abweichende Projektionsart. Projektionsarten für Fisheyeobjektive gibt es mehrere, für fotografische Anwendung nicht unüblich ist die sogenannte winkeltreue Abbildung. Objekte, welche nur einen kleinen Teil des Bildes einnehmen, erscheinen im Bild nahezu unverzerrt, bei gleicher Distanz zur Kamera werden sie am Rand aber grösser abgebildet als in der Bildmitte. Linien, welche nicht durchs Bildzentrum laufen erscheinen im Bild gekrümmt. Gemäss Literatur werden wir angehalten, ein Bild so zu komponieren, das alle wesentlichen Linien durchs Zentrum laufen, so zum Beispiel der Horizont. Wir haben somit ein Objektiv vor uns, welches so ziemlich alle grösseren Strukturen im Motiv verbiegt und versuchen diese Eigenschaft zu vertuschen. Nicht jedes Motiv ist dafür geeignet, es bleiben zumeist runde Objekte, Bögen und öde Landschaften, welche jede beliebige Verzerrung zulassen ohne das sie gleich stört. Der Fisheyeeffekt lässt sich daher für ein Bild nur in seltenen Fällen überzeugend einsetzen.

Fisheyeobjektiven können aber auch unterschieden werden als formatfüllende und nicht formatfüllende Objektive:

Kategorie Brennweiten Bildwinkel (24mm x 36mm)
Diagonale Breite Höhe
Formatfüllende
Fisheyeobjektive
16mm
15mm
180°
180°
-
-
-
-
Nicht format-
füllende
Fisheyeobjektive
8mm
6mm
180°
220°
180°
220°
180°
220°

Tabelle: Bildwinkel verschiedener Fisheyeobjektive

Wozu braucht man also ein Fisheyeobjektiv? Fisheyes waren Anfang der 70-er Jahre modisch. Das ganze wurde als Effekt eingesetzt, damals waren auch alle möglichen und unmöglichen Filter topaktuell, es wurde experimentiert was das Zeug hält, vermutlich hielten die Trips auch länger hin wenn man gleichzeitig durch eine Fisheyeoptik guckte. Irgendwo hab ich mal folgendes gelesen: " Kreativfilter haben mit Kreativität etwa gleich viel zu tun wie Kunsthonig mit Kunst". Dies kann man sicher auch irgendwie auf Fisheyeobjektive übertragen. Inzwischen sind Fisheyeobjektive in der klassischen Fotografie zu Recht wieder von der Bildfläche verschwunden. Seine wahre Bedeutung hat das Fisheyeobjektiv in anderen, mehr exotischeren fotografischen Bereichen. Für Himmelsabbildung in der Astrofotografie oder Meteorologie (Wolkenbilder) ist das Fisheye optimal geeignet. Dies ist meines Wissens nach auch der Grund für die Entwicklung dieses Optiktyps in den frühen 60-er Jahren. Weite Verbreitung hat das Fisheye auch in der Unterwasserfotografie gefunden. Hier ist es die Möglichkeit, sehr nahe ans eigentliche Motiv heranzugehen und trotzdem viel Umfeld zu zeigen, welches das Objektiv wertvoll macht. In der Unterwasserfotografie fallen aufgrund der organischen Formen der Motive oftmals auch die starken fisheyetypischen Verzeichnungen nicht auf.