Systemkameras und Kamerasysteme

Durchatmen, auf 10 zählen ...

Die Kamera steht am Beginn jeder Fotoausrüstung und Fragen diesbezüglich sind entsprechend häufig, das Teil scheint wichtig und dabei will man keinen Fehler machen.

Kein Wunder gehen die Emotionen hoch. Die Kamera, welche sie suchen, soll vermutlich mehrere der obengenannten Aspekte in irgend einer Zusammenstellung erfüllen. Dies von Anfang an zu akzeptieren erleichtert die Situation ungemein, sie wissen jetzt, dass sie nicht nur einen objektiven Entscheid fällen wollen. In diesem Artikel will ich für sie keine Entscheidung treffen, höchstens ein paar tröstende Worte beisteuern: Es ist alles nur halb so schlimm.

Im wesentlichen ist eine Kamera etwas sehr einfaches. Ein Objektiv projiziert ein Bild auf einen Film oder einen Bildsensor und dieser zeichnet das Bild auf und macht es dadurch haltbar. Als wichtiges Element kommt dann noch ein Bildsucher hinzu, welcher dem Fotografen den Bildausschnitt zeigt und ihm daher ermöglicht, das Bild vorgängig zu gestalten.

Die Kamera war für mich wie vorherbestimmt, und ich gebrauchte sie wie ein Musiker das Klavier, oder ein Maler die Leinwand. Ich fühlte mich als Meister der Elemente und glaubte Wunderbares bewirken zu können.

Alfred Stieglitz

Vor nicht allzu ferner Zeit gab es vor allem Spiegelreflexkameras und Kompaktkameras. Natürlich gab es auch noch andere Kameras, die Unterschiede waren aber weitgehend augenfällig und selbsterklärend, Konfusion entstand kaum. Es war Ruhe im Kamerawald und der Fotograf konnte Sinn von Unsinn leicht unterscheiden. Das durfte nicht sein. So begann das Übel bereits zu analogen Zeiten mit dem unnötigen und unmotivierten Advanced Photo System (APS) und dem anschliessenden immer schnelleren Einführen neuer Kamerakategorien ohne für den Nutzer wesentliche Unterscheidungsmerkmale. Will sich der hoffnungsvolle Kamerakäufer heutzutage informieren, so wird er mit kryptischen Abkürzungen geradezu zugeschüttet:

Mit diesem Marketingmüll macht die Sache keinen Spass mehr, obwohl ich gestehen muss, zumindest die Abkürzung EVIL mag mich durchaus zu erheitern. Wie auch immer, um den Durchblick in wuchernden Dschungel zu gewinnen, scheint es sinnvoll, erst kräftig zu roden: die wesentlichen Kriterien zur Unterscheidung von Kameras sind

Basta! Natürlich gibt es danach auch noch andere Kriterien, aber diese hängen dann weitgehend von den Möglichkeiten der obengenannten drei ab, entwickeln sich gewissermassen aus diesen heraus.

Das Sucherprinzip

Das Sucherprinzip ist eines der wichtigsten Elemente um eine Kamera zu charakterisieren. Mit dem Sucher komponieren sie das Bild, beurteilen die Bildeinteilung, Kontraste und Schärfe. Der Sucher ist damit das eigentliche Werkzeug für ihre Kreativität, alles andere kommt hinten nach und dient bloss noch dem technischen Entstehen des Bildes. Aus diesem Grunde gibt es hier für das Thema Sucher eine eigene Seite.

Die Sensorgrösse

Sensorformat Abmessungen Sensorfläche
1/1,7" 7,49 x 5,52 mm² 41,3 mm²
CX (Nikon System 1) 13,2 x 8,8 mm² 116 mm²
Mikro Four Thirds (M43) 17,3 x 13 mm² 225 mm²
APS-C 24 x 16 mm² 384 mm²
Vollformat 36 x 24 mm² 864 mm²

Ein paar Sensorformate

Mit den Abmassen des Sensors verändern sich nebst der Grösse von Kamera und Objektiv auch Aspekte technischer und fotografischer Natur.

Stark vereinfacht könnte man sagen, je grösser der Sensor, desto besser die technische Bildqualität. Nicht zuletzt ist das Rauschverhalten bei Aufnahmen mit knappem Licht bei Kameras mit grösseren Bildsensoren vorteilhafter.

Grosse Sensoren erscheinen daher attraktiv. Bei zeitgenössischen Kameras mit vernünftig grossen Sensoren, dazu zähle ich die Formate Micro Four Thirds, APS-C und das Vollformat (Kleinbildformat), hat sich meines Erachtens die Frage nach der Bildqualität weitgehend erledigt. Sie haben genügend Auflösung, können hohe Kontraste aufzeichnen und produzieren in vernünftigen Lichtsituationen nur wenig Bildrauschen. Herz, was willst du mehr, damit sollten die meisten Fotografen fotografieren können. Sollte diese Bildqualität für sie nicht ausreichend sein, so werden sie genau wissen was besser sein müsste und benötigen diese Web-Seite für ihre Entscheidungen nicht. Was machen sie dann eigentlich hier?

Die üblichen Bildsensor-Formate würde ich grob wie folgt charakterisieren:

Eine grosse immer währende Frage bezüglich Bildsensor ist diejenige nach der notwendigen Anzahl Pixel. Davon kann man nie genug haben - zumindest steht es so in der Werbung. Den gleichen Eindruck kriegt auch, wer die Entwicklung bei den Kameras verfolgt. Doch wie viele Megapixel sollen es den nun sein für eine neue Kamera? Zu diesem Thema habe ich ihnen einen eigenen Abschnitt geschrieben: Auflösung.

Systemkameras

2 Systemkameras mit Zubehör

He, ich habe teures Zeug entdeckt, mit dem ich jetzt billige Fotos machen kann.

Zitat aus einem fotocommunity-Forum

Lassen sich die Objektive an einer Kamera wechseln, so spricht man im allgemeinen von einer Systemkamera. Anders herum bildet die Kamera mit der Summe aller kompatiblen Teile das Kamerasystem.

Zu den Systemkameras zählen unter anderen die folgenden Kameratypen:

Meiner Meinung nach sind Systemkameras ideal wenn sie Fotografie als ihr Hobby betrachten wollen:

Digitale Spiegelreflexkamera (DSLR)

Spiegelreflexkameras sind äusserst vielseitig und ermöglichen hervorragende Bildqualität. Daher ist eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) vermutlich der Kameratyp, den sie sich sinnvollerweise wünschen sollten, wenn sie Fotografie als ihr (zukünftiges) Hobby sehen. Damit liegen sie nicht falsch. Dieser Kameratyp ist eine aus technischer Sicht logische Empfehlung, sie lässt sich am einfachsten argumentieren.

Auswechselbare Objektive und das Prinzip des Spiegelreflexsuchers machen aus den Spiegelreflexkameras die universellsten Kamerasysteme überhaupt. Die grosse Anzahl Zubehör macht die Kamera zum zentralen Teil einer flexibel gestaltbaren Foto-Ausrüstung.

Bei DSLR-Kameras wird von einem ambitionierten Fotografen ausgegangen, welcher seine Fotos am Computer anschliessend selbstbestimmt bearbeiten will. Diese Kameras erlauben daher zumeist auch ein Abspeichern der Bilder völlig unbearbeitet im Rohformat.

Eine digitale Spiegelreflexkamera eignet sich entsprechend für Fotografen, die bereit sind, die Grundlagen von Fotografie und digitaler Bildbearbeitung zu erlernen. Wohl bemerkt, damit ist nicht gemeint, nur das Kamerahandbuch zu lesen.

Digitale Kompaktkamera

Eine einsame Kompaktkamera ...

Dieser Kameratyp wird in starkem Masse - im Positiven als auch im Negativen - durch das kleine Format des Bildsensors geprägt:

Dieser Kameratyp bedeutet unbeschwertes digitales Fotografieren. Unbeschwert im Sinne davon, dass die Kamera Bilddateien liefert, welche ohne weitere Bearbeitung verwendet werden können. Dafür werden die aufgenommenen Bildern von der Kamera intern bereits bearbeitet. Dies betrifft gewünschte Aspekte wie das Wegrechnen der durch ein schlechtes Objektiv entstandenen Verzeichnung, aber auch Dinge die sie unter Umständen anders möchten: Die Bilder werden stark nachgeschärft und die Farben erhalten eine Aufhübschung in dem Masse wie die Kamera dies als angemessen betrachtet.

Die Bildqualität von Kompaktkameras wurde in einem Artikel auf Luminous Landscape folgendermassen umschrieben:

Image quality assessment is always a relative and a subjective thing. There's little point in comparing digicams and DSLRs.

Das hat er schön geschrieben.

Consumer- oder Profikamera?

Eine Kamera ist nicht immer in dem Masse ein neutrales Werkzeug wie dies gerne behauptet wird. Vor allem im Zusammenhang mit Automatiken gibt es zwei Ansätze:

Geht man positiv an die Sache heran, könnte man geneigt sein zu sagen, die Kamera ist neben dem Fotografen ein weiterer Akteur und einer von beiden wird führen.

Der Ausdruck die Kamera beherrschen kriegt dadurch erst seinen tieferen Sinn.

Ein Wort noch zu Grösse und Gewicht

Profikameras sind zumeist gross, schwer und schwarz. Andererseits sind dies genau nicht die Kriterien, welche den Profi veranlassen, eine solche Kamera zu benutzen. Es sind andere, deutlich wünschenswertere Kamera-Eigenschaften, welche zu Grösse und Gewicht führen. Zum Beispiel ein grosses Bildsensorformat, Robustheit und unerschütterliche Zuverlässigkeit, einen grossen und hellen Sucher, einen Hochformatgriff für Porträtaufnahmen aus der Hand und lange Laufzeiten der Akkus. Wenn sie also gross und schwer und schwarz für wichtig halten, so vermute ich dahinter andere Motive.