Pixel zählen

Die Erfahrung betreffend der Anzahl Pixel einer Digitalkamera stelle ich mir für manchen hoffnungsvollen Fotografen in etwa so vor:

In erster Linie sind Pixel die Dinger, welche es in einer Digitalkamera nie genug haben kann. Des weiteren verstopfen sie die Speicherkarte und im dritten Schritt folgt dann die Enttäuschung betreffend dem matschigen Bildresultat, mit der klaren daraus abgeleiteten Erkenntnis für zukünftige Kaufentscheide, dass die aktuelle Kamera wohl zuwenig Pixel hatte.

Während Testberichte uns immer neue Kameras mit mehr Pixel vorstellen, haben wir längst das Gefühl verloren, welche Bedeutung diese Pixelzahl für unsere Fotografie hat. Was sich hingegen einstellt ist das Gefühl, dass jede neue Kamerageneration uns erneut in die zweite Reihe stellt, dorthin wo all jene ungenügenden Fotografen stehen, welche ihre Bilder mit zweifelhafter weil nicht zeitgemässer Technik erstellen. Damit haftet uns dann auch das Stigma an, gegenüber dem Fortschritt eine Verweigerungshaltung an den Tag zu legen.

Jemand hat einmal gesagt, dass Menschen, die Angst bekommen, anfangen zu zählen.

John Cleese

Was wir also dringend benötigen ist eine sachliche Betrachtung zu Schärfe und Auflösung, anhand derer primär wir selber den Sachverhalt respektive dessen Bewandtnis mit unserer Fotografie erkennen können.

Ein Bild betrachten

Beginnen wir mit einer verwegenen Idee: Wir tun mal so als wäre das Ziel der Bilder der Mensch der sie betrachtet. Jede Schärfediskussion hätte sich dann an der Auflösungsfähigkeit des menschlichen Auges und an unseren Betrachtungsgewohnheiten zu orientieren:

Übrigens: Ein Objektiv, welches ungefähr den gleichen Bildwinkel von 53° aufweisst wird als Normalobjektiv bezeichnet. Bei Aufnahmen mit dem Normalobjektiv stimmen daher die Bildwinkel von Betrachtung und Aufnahme überein.

Aus dem Auflösungsvermögen des Auges von 2 Bogenminuten und der üblichen Betrachtungsdistanz können wir folgern, dass wir Details in der Grössenordnung eines 1/1500 der Bilddiagonale zu erkennen vermögen, oder anders ausgedrückt, feinere Details nehmen wir nicht mehr wahr. Übersetzt in die technische Sprache von Testberichten genügen bei normaler Betrachtung eines Bildes somit eine Auflösung von 2 Megapixel um als scharf zu gelten. 2 Megapixel waren ungefähr auch die Auflösung, welche Digitalkameras in den letzten Jahren des letzten Jahrtausends erreichen mussten, um ihren Siegeszug in der Fotografie antreten zu können. Die Nikon D1 hatte 1999 stolze 2,62 Megapixel und wurde damit zum ersten digitalen Arbeitspferd für viele Fotografen.

Details sehen

Da niemand Bilder nur auf die Distanz ihrer Diagonale betrachtet, sondern auch mal näher geht um ein Detail genauer zu erkennen, hat keine aktuelle Kamera nur 2 Megapixel. Gehen wir maximal nahe an ein Bild heran - das Auge kann Objekte ab einer Distanz von ungefähr 20cm scharf fokussieren - so sind wir mit blossem Auge imstande, Strukturen in der Grössenordnung von ungefähr 0,1mm zu erkennen. Dies entspricht ungefähr einer Auflösung von 100 Pixel pro cm, unbedeutend weniger als die oft portierten 300ppi (300 Pixel pro 25,4mm), welche man ihnen empfiehlt um scharfe Bilder zu drucken.

Zusammengefasst und grob gerundet können wir vorerst also folgendes sagen:

Jeder ist natürlich frei, in dieser Diskussion auch andere Massstäbe als den Menschen zu nehmen und entsprechend eigene Ansichten zu entwickeln, wie viele Megapixel es minimal sein müssten um Fotografie überhaupt erst zu ermöglichen.

Bildgrösse

Wollen wir ein Bild auch aus maximaler Nähe ohne merklichen Verlust an Auflösung betrachten, so darf im Bild eine Auflösung von 300ppi nicht unterschritten werden. Die Pixelzahl entscheidet somit auch wie gross ein Bild werden darf um auch für nahe Betrachtung eine genügend feine Auflösung aufzuweisen.

Megapixel Länge Breite Abmessung
Länge
Abmessung
Breite
2 1732px 1155px 14,7cm 9,8cm
4 2449px 1633px 20,7cm 13,8cm
6 3000px 2000px 25,4cm 16,9cm
10 3873px 2582px 32,8cm 21,9cm
12 4243px 2828px 35,9cm 23,9cm
16 4899px 3266px 41,cm 27,7cm
20 5477px 3651px 46,4cm 30,9cm
24 6000px 4000px 50,8cm 33,9cm
30 6708px 4472px 56,8cm 37,9cm
36 7348px 4899px 62,2cm 41,5cm

Bildgrösse bei 300ppi für Bilder mit einem
Seitenverhältnis von 3:2.

Die nebenstehende Tabelle zeigt ein paar Beispiele betreffend Pixelanzahl und daraus möglicher Bildgrösse ohne die Auflösung von 300ppi zu unterschreiten.

Werden die Bilder nicht bis auf diese Grösse vergrössert, so wird das durch die Pixelzahl gegebene Auflösungspotential nicht ausgeschöpft.

Wollen sie aus der hohen Auflösung ihrer Kamera also einen merklichen Nutzen ziehen, so sollten sie zwischendurch ihre Bilder auch mal gross ausgeben. Wer immer nur kleine Bilder druckt oder seine Bilder nur im Internet präsentiert, muss sich heutzutage keine allzu ernsthaften Gedanken betreffend genügender Anzahl Pixel seiner Digitalkamera machen.

Ausschnittvergrösserung

Gleichermassen wie wir ein Bild bei gegebener Pixelzahl auf eine maximale Grösse vergrössern, ohne bei naher Betrachtung auflösungsbedingte Verluste wahrzunehmen, können wir dem grossen Bild auch einen Ausschnitt entnehmen und diesen fortan als unser Bild betrachten. Eine hohe Auflösung steigert die Möglichkeiten, das endgültige Bild aus einem pixelmässig grösseren Bild durch Beschneiden zu extrahieren. Gleichwohl empfiehlt es sich, den gewünschten Bildausschnitt bereits bei der Aufnahme festzulegen und weitgehend formatfüllend zu fotografieren. Die nachträgliche Korrektur beschränkt sich dann auf eine geringfügige Beschneidung der Ränder, unter Umständen auch nur um das gewünschte Seitenverhältnis des Bildes zu erzielen.

Viel Feind, viel Ehr

Die ganzen Diskussionen betreffend Sensorauflösung respektive Pixelzahl haben nur eine Relevanz, wenn das auf den Bildsensor projiziete Bild den hohen Anforderungen betreffend Auflösung und Kontrast ebenfalls genügt. Hier deshalb eine kurze Liste zu den natürlichen Feinden eines allzuscharfen Bildes:

Den grössten Verlust an Detailauflösung erleiden die Bilder jedoch bei ihrer ausschliesslichen Präsentation im Internet in der dafür üblichen Bildgrösse.