Langzeitsynchronisation

Bei fast allen Kameras ist es möglich - und oft auch sinnvoll - beim Blitzen mit längeren Belichtungszeiten als der Blitz-Synchronisationszeit zu arbeiten. Während bei Aufnahmen ohne Blitz Blende und Verschlusszeit für eine korrekte Belichtung der Bilder sorgen, verhält es sich bei Aufnahmen mit Blitz anders:

Bei gemischter Belichtung bestehend aus Umgebungslicht und Blitzlicht wird somit

Bild 1: Vorhandenes Licht.
Belichtung: 2,5s bei Blende 11, ISO 50.

Bild 2: Blitzlicht.
Belichtung: 1/250s bei Blende 11, ISO 50.

Bild 3: Vorhandenes Licht.
Belichtung: 1/3 bei Blende 11, ISO 50.

Bild 4: Vorhandenes Licht und Blitzlicht.
Belichtung: 1/3 bei Blende 11, ISO 50.

Eine Bildserie kann den Zusammenhang illustrieren:

Bild 1: Das erste Bild zeigt eine Lösung ohne Blitz, die Helligkeit der Aufnahme wird beeinflusst durch Blende und Belichtungszeit.
Die Lichtquelle - es handelt sich um Tageslicht am Abend - befindet sich hinter der Blüte, der Hintergrund erscheint entsprechend hell, die Blüte selbst ist dunkler als sie sein müsste. Das Motiv hebt sich so zwar vom Hintergrund ab, aber während die Blütenblätter noch plastisch wirken verschwindet das Zentrum der Blüte in einem ungünstig diffusen Bereich mit wenig Zeichnung. Die Helligkeitsverteilung im Bild ist derart alles andere als optimal, wir brauchen das Licht vor allem an anderer Stelle.

Bild 2: Die gleiche Szene fotografiert mit Blitzlicht. Wegen dem Blitzlicht ist keine lange Belichtungszeit mehr notwendig. Die Verschlusszeit wurde also stark verkürzt und das vorhandene Licht hat jetzt kaum mehr Einfluss auf das Bild, da dieses vollständig von Blitzlicht ausgeleuchtet wird. Die Belichtung lässt sich nun durch Variation der Blitzleistung steuern, sei dies durch eine Belichtungskorrektur am Blitzgerät oder durch manuelle Einstellung der Blitzleistung.
Infolge des Lichtabfalls in der Tiefe wirkt sich der Blitz nur im Vordergrund aus, der Hintergrund erhält kein Licht und ist entsprechend dunkel. Lichtmässig haben wir jetzt praktisch die gegenteilige Situation von Bild 1, das Blütenzentrum erhält jetzt durch das Licht die notwendige Aufmerksamkeit, mit dem dunklen Hintergrund will uns das Bild aber auch so nicht recht zu gefallen.

Bild 3: Deshalb nochmals ohne Blitz. Das Ziel ist, einen Wert für die Belichtung im Hintergrund zu finden. Dies ist der Bereich, dessen Helligkeit ausschliesslich von Blende und Belichtungszeit bestimmt wird. Ausgehend von der Belichtung aus Bild 1 wird diese reduziert, in unserem Beispiel um drei Belichtungswerte, dies entspricht 3 vollen Schritten für die Belichtungszeit, die Blende wurde belassen.
Der Hintergrund ist jetzt nicht mehr schwarz wie in Bild 2, aber immer noch so dunkel, dass es möglich sein wird, die an sich nicht so helle Blüte in einem nächsten Schritt mittels Blitzlicht vom Hintergrund abzuheben.

Bild 4: Zur Belichtung entsprechend Bild 3 kommt jetzt noch das Blitzlicht von Bild 2 für den Vordergrund hinzu, das vorhandene Lichte wird also mit der Blitzaufnahme kombiniert. Wir kriegen somit den nicht ganz dunklen Hintergrund und im Vordergrund die wie gewünscht ausgeleuchtete Blüte.

Will man dieses Bild weiter variieren, so geschieht die Beeinflussung des Hintergrundes über die Belichtungszeit, je länger die Belichtungszeit, desto grösser der Anteil an Umgebungslicht und desto heller erscheint der Hintergrund. Die Helligkeit des Vordergrundes kann weiterhin über die Blitzleistung gesteuert werden, allerdings kriegt der Vordergrund auch einen Teil des vorhandenen Umgebungslichtes ab, so dass dessen Beeinflussung nicht vollständig unabhängig vom Hintergrund ist. Wird die Blitzleistung manuell vorgegeben, so wirkt sich ein Verstellen der Blende sowohl auf den Hintergrund als auch auf den Vordergrund aus.

Der Einsatz einer längeren Belichtungszeit um Umgebungslicht zusammen mit Blitzlicht einzusetzen nennt man Langzeitsynchronisation.

Bananenschalen...

Jetzt wollen sie also "langzeitsynchronisieren", aber die Langzeitsynchronisation hat ihnen auch zwei Bananenschalen ausgelegt:

  1. Durch die verlängerte Belichtungszeit können im Bild bewegungsbedingte Unschärfen entstehen. Dies ist Thema des Abschnitts Erster und zweiter Vorhang.
  2. Infolge der Verwendung der beiden Lichtquellen "vorhandenes Licht" und Blitzlicht können im Bild zwei verschiedene Lichtfarben mit entsprechend Farbabweichungen gegeneinander auftreten, man spricht von Mischlicht.