Gestaltung mit Blitzlicht

Der Gedanke geht der Tat voraus wie der Blitz dem Donner.

Heinrich Heine

Indirektes Blitzen

Ein Nachteil von auf der Kamera montierten Blitzgeräten ist die frontale und harte Ausleuchtung des Motivs. Diese Nachteile können durch indirektes Blitzen weitgehend umgangen werden.

Links: Das Resultat von frontalem Blitzeinsatz. Klar ersichtlich
sind die Schatten und der Lichtabfall in der Tiefe.
Rechts: Ausleuchtung bei indirektem Blitz über die Decke.

Dafür wird das auf der Kamera montierte Blitzgerät nicht mehr direkt auf das Motiv gerichtet, sondern auf eine grosse Reflektorfläche, welche dann ihrerseits das Motiv indirekt beleuchtet, typischerweise dient in einem Raum die weisse Decke als Reflektorfläche. Die Reflektorfläche wird durch das indirekte Blitzen zu einer grossen Lichtquelle, welche mit ihrem gestreuten Licht das Motiv weich ausleuchtet und harte Schlagschatten weitgehend exorziert.

Durch das indirekte und weiche Licht werden aber auch die Spitzlichter im Motiv reduziert. Gerade bei Porträts wirken kleine Spitzlichter in den Augen sehr natürlich, fehlen diese kann schnell ein lebloser Eindruck entstehen. Eine kleine Menge an Direktlicht kann daher eingesetzt werden zur Erzeugung von Spitzlichtern. Aus diesem Grund haben schwenkbare Blitzgeräte oftmals einen zusätzlichen kleinen frontalen Blitz oder eine ausziehbare Streuscheibe für einen geringen Anteil Direktlicht eingebaut. Damit werden dann auch gleich unschöne Schatten, welche sich zum Beispiel bei Portraitaufnahmen unter die Nase oder bei den Augen bilden leicht aufgehellt.

Links: Ausziehbare Streuscheibe für einen kleinen Anteil
Direktlicht beim indirekten Blitzen.
Rechts: Ein kleiner Bouncer ist direkt am Blitz befestigt. 

Wesentlich für diese Methode ist, dass die Decke erstens vorhanden ist und zweitens sich bezüglich der Lichtfarbe des Blitzes auch vorteilhaft verhält. Nicht jede Decke ist weiss und draussen im Freien geht diesbezüglich gleich gar nichts. Als Ersatz dafür werden sogenannte Bouncer verwendet. Dies sind Reflektoren für den indirekten Blitz, verwenden kann man dafür alles was geeignet scheint, zum Beispiel auch einen Aufhellreflektor. Je nach Beschichtung des Reflektors wird damit auch gleich die Lichtfarbe des Blitzlichtes beeinflusst,

Aufhellreflektoren - hier je mit silberner und
goldener Beschichtung - können als Bouncer
verwendet werden.

Ein entfesseltes Systemblitzgerät am Kabel.
Davor eine Fotozelle für die Auslösung von
Sklavenblitzgeräten.

Da nicht jeder Fotograf über einen Assistenten verfügt werden Bouncer oftmals auch einfach am Blitzgerät befestigt. Entgegen den Aussagen der Werbung bewirken diese Aufsteckbouncer oftmals nicht den gewünschten Effekt, zumindest nicht im erwünschten Ausmass, sie sind dafür viel zu klein. Am ehesten könnte man argumentieren, dass diese Bouncer den "Rote-Augen-Effekt" verhindern, da sie das frontale Blitzlicht etwas von der Achse Objektiv-Auge distanzieren.

Einen erfreulichen Aspekt möchte ich hier noch erwähnen: Durch das indirekte Blitzen wird die Distanz für den Blitz erheblich grösser und die Reflexionsfläche wird auch einen nicht unwesentlichen Teil der Lichtleistung verschlucken. Sie haben das leistungsfähige Blitzgerät also nicht umsonst erstanden.

Entfesseltes Blitzen

Von entfesseltem Blitzen spricht man, wenn der Blitz nicht an der Kamera montiert ist, also von der Kamera getrennt zum Einsatz kommt. Die Auslösung des entfesselten Blitzgerätes geschieht

Durch entfesseltes Blitzen lässt sich die Blitzlichtrichtung unabhängig vom Kamerastandort festlegen. Möglichkeiten des Einsatzes entfesselter Blitzgeräte sind:

Wie wirken sich die Lichtrichtungen aus:

Richtung Wirkung Eignung
Frontales Licht Praktisch schattenlose Ausleuchtung, keine Beeinflussung von Formen, Strukturen und Farben durch Schatten, Motiv erscheint flach, wenig strukturiert, kann langweilig wirken. geeignet für Dokumentation in Technik und Wissenschaft, wenn Farben und Formen wesentlich sind.
Seitliches Licht Formen werden durch leichte Schatten betont, natürliche Wirkung. Ideal als Hauptlicht bei Porträts, wenn räumliche Wirkung wichtig ist.
Streiflicht
(90° seitlich)
Strukturen werden sehr stark betont, Motiv erscheint plastisch, Schatten sind ausgeprägt und lang, evtl. auch hart, dramatische Wirkung. Landschaft, Architektur...
Gegenlicht die der Kamera zugewandte Seite ist im Schatten, Umrisse erhalten einen Lichtschimmer, das Motiv wird durch diese Konturbetonung vom Hintergrund getrennt, hohe Kontraste. Porträt, Landschaft, Architektur...
zumeist in Kombination mit Schattenaufhellung.
Oberlicht Schatten gehen nach unten. dies kann bei Porträts eine diabolische Komponente erzeugen (Augen liegen im Dunkeln)
Unterlicht Schatten gehen nach oben.  

Beleuchtungssetups

Mit mehreren entfesselten Blitzgeräte lassen sich ganze Beleuchtungssetups bestehend aus Hauptlicht, Aufhelllicht, Konturlicht und weiteren Lichtern aufbauen. Typischerweise wird ein Blitzgerät als Hauptblitzgerät am Kabel betrieben, die anderen Blitzgeräte werden als sogenannte Sklavenblitzgeräte von eine Fotozelle ausgelöst wenn das Hauptblitzgerät zündet. Dadurch ergibt sich kein Kabelsalat. Heutzutage gibt es aber auch sehr komfortable Systemblitzgeräte, welche sich mit grosser Funktionsvielfalt drahtlos steuern lassen.

Eine paar elementare Grundlagen zur Lichtführung finden sie im Kapitel Lichtgestaltung.

Ein wesentlicher Aspekt der Lichtführung ist die Härte des Lichts, sie beeinflusst massgeblich die Schattenbildung im Motiv. Schatten werden härter,

Entsprechend werden Schatten weicher,

Links ein schreckliches Bild, hart ausgeleuchtet. Typisch ist der
Reflex links oben und die harten Schatten. Ein schreckliches Bild
auch rechts, aber zumindest weich ausgeleuchtet.

Die Wirkung von weichem Licht erstreckt sich aber nicht nur auf die gleichmässige Ausleuchtung, auch Oberflächen werden ganz anders dargestellt. Die kaschierende Wirkung von weichem Licht ist eindrücklich anhand der beiden nebenstehenden Bilder ersichtlich.

Zur Lichtformung von hartem zu weichem Licht kann zwischen Blitzgerät und Motiv auch eine Diffusorscheibe eingebracht werden. Dies wirkt sich dann ähnlich aus wie eine Softbox, aus Sicht des Motivs wird anstelle des Blitzgerätes die Diffusorscheibe zu einer grossflächigen Lichtquelle mit weichem Licht.

Fü den Aufbau von Beleuchtungssetups müssen sie sich eine eigene Methode des Vorgehens erarbeiten: Sinnvoll kann sein:

Will man die Leistungseinstellung von mehreren Blitzgeräten manuell vornehmen, so ist ein externer Blitzlichtmesser mit Blitzmessfunktion (z.B. von Gossen oder Sekonic) sehr hilfreich. Ich verwende den Multimaster L-408 von Sekonic, ein Gerät, welches alles beinhaltet was gut und brauchbar ist, nicht nur Blitzmessung.