Fotografische Beleuchtungsstile

Die Beleuchtung ist ein wichtiges dramaturgisches Stilmittel und beeinflusst massgeblich die Wahrnehmung des Betrachters, sie ist gewissermassen die Basis für ein ansprechendes Bild.

Betreffend Beleuchtung werden drei Stile unterschieden:

Normalstil

Dieser Beleuchtungsstil sucht eine realistische, unauffällige und nicht überzogene Beleuchtung. Der Normalstil stellt damit unsere Standardbeleuchtung dar.

Low-Key

Ein Bild im Low-Key-Stil.

Mit Key sind die Tonwerte gemeint, High-Key und Low-Key bezeichnet daher primär die vorherrschenden Tonwerte im Bild. Die beiden Bezeichnungen entstanden zu Zeiten des frühen Schwarzweissfilms. Es war eine Methode, mit den damals begrenzten Möglichkeiten die Bösen von den Guten klar zu unterscheiden. Dafür wurde nicht nur in Schwarz und Weiss gemalt, sondern auch die Lichtrichtung entsprechend von oben (High) oder unten (Low) gewählt. Frankesteinbilder sind also typische Low-Key-Bilder.

Low-Key zeichnet sich durch dominante dunkle Tonwerte und einzelnen Bereichen mit hohen Kontrasten aus. Die flächenmässig wenigen helleren Stellen werden im dunklen Umfeld entsprechend deutlich wahrgenommen, zudem passt sich durch sie das Auge nicht an das Dunkel des restlichen Bildes an. Das Bild wird dadurch zwar als dunkel, nicht aber als düster wahrgenommen.

High-Key

Ein Bild im High-Key-Stil

Bei einer High-Key-Beleuchtung erscheint das Motiv praktisch schattenlos in hellem Licht, die Kontraste sind gering, Konturen erscheinen ohne Lichtsaum und werden daher nicht betont. Dunkle Stellen sind im Bild, falls überhaupt, nur in geringem Masse enthalten. Der geringe Kontrast bedeutet einen engen Bereich von ineinander übergehenden Tonwerten. Die Breite des Tonwerthistogramms wird nicht genutzt, die Belichtung kann daher oft mit einer Zugabe erfolgen, ohne dass die Lichter ausfressen, dies zugunsten von Zeichnung in den wenigen dunklen Stellen im Motiv respektive Bild.

Lichtführung

Als Lichtführung wird der Einsatz von Licht zur gestalteten Ausleuchtung bezeichnet, sei dies um bestehende aber ungünstige Lichtverhältnisse zu optimieren oder auch um komplett unabhängig gezielt eine neue Lichtsituation zu erschaffen.

Macht doch den zweiten Fensterladen auf, damit mehr Licht hereinkomme.

Johann Wolfgang von Goethe, letzte Worte

Im diametralem Gegensatz zur Lichtführung steht die Idee der Available-Light-Fotografie, welche sich darauf konzentriert, die Stimmung von vorhandenem Licht einzufangen ohne in den Lichtaufbau einzugreifen.

Unterschieden wird bei der Lichtgestaltung nach der Funktion der einzelnen Lichtquellen und Lichtrichtungen, zumeist findet man folgende Unterteilung:

Weiches Hauptlicht, kameranah von
rechts oben.

Fülllicht von links, leicht unten.

Haarlicht von hinten.

Hauptlicht, Fülllicht und Haarlicht
kombiniert.

Für die praktische Lichtgestaltung werden zumeist künstliche Leuchtmittel (Dauerlicht und Blitzlicht) verwendet.

Diese Methode der Lichtführung ist aufbauend, das heisst, jedes Licht hat eine klar definierte Funktion und gemeinsam werden diese Lichter zur Beleuchtung zusammengefügt.

Bei gerichtetem Licht besteht zusätzlich auch die Möglichkeit der Abschattung:

Hauptlicht oder Führungslicht

Das Hauptlicht ist die Hauptlichtquelle oder verstärkt eine schon bestehende Hauptlichtquelle. Es will als erstes festgelegt werden und bestimmt die gesamte weitere Ausleuchtung. In unserer Wahrnehmung ist es das vorherrschende Licht und spielt damit quasi die Rolle der Sonne. Das Hauptlicht bestimmt die Richtung der Schatten und ist daher auch massgebend, um die Formen des Motivs klar und charakteristisch zu modellieren, respektive durch entsprechende Verteilung von Licht und Schatten eine gute grafische Wirkung zu geben.

Fülllicht oder Aufhelllicht

Der Zweck des Aufhelllichts besteht darin, die Schatten, welche vom Hauptlicht geworfen werden so aufzuhellen, dass sie die gewünschte Tiefe erreichen, dass heisst, nicht zu schwarz erscheinen und noch etwas Farbe und Zeichnung aufweisen, allerdings ohne dabei den Charakter der Beleuchtung, die durch das Hauptlicht festgelegt wurde, zu verändern.
Als Aufhellicht benutzt man meist eine zerstreut leuchtende Fotolampe respektive einen grossflächigen Aufheller. Da mit dem Fülllicht auch die Gefahr besteht, dass innerhalb der Schatten neue, sich kreuzende Schatten entstehen, sollte es nahe an der Achse Kamera–Motiv, auf der dem Hauptlicht entgegengesetzten Seite der Kamera aufgestellt werden. Unvorteilhafte Kreuzschatten können derart weitgehend vermieden werden.

Allgemein- oder Grundlicht

Ist unterhalb der Helligkeit von Haupt- und Fülllicht eine allgemeine neutrale Grundbeleuchtung vorhanden, so spricht man von einem Grundlicht. Bei Aussenaufnahmen bildet das vorhandene Licht oftmals die Kombination aus Hauptlicht und Grundlicht. Wird Grundlicht in einem Studio verwendet, so wird es zumeist über grossflächige Reflektoren diffus gestreut. Ein solcher Reflektor kann eine weisse Wand, eine entsprechende Decke oder auch ein weisses Tuch sein.

Konturen- oder Gegenlicht

Das Konturenlicht trennt Konturen und damit die Figur vom Grund, respektive Vorder- von Hintergrund. Die Lichtquelle für Konturlicht findet sich dazu hinter dem Motiv, allerdings darf sie vom Kamerastandort aus nicht direkt sichtbar sein, dass heisst, sie ist entweder vom Motiv abgedeckt oder findet sich ausserhalb des Bildfeldes als "schräg von hinten Gegenlicht". Die durch die Gegenlichtsituation an der Silhouette des Motivs entstehende Lichtkante bildet eine Trennlinie zwischen Motiv und Umfeld..

Das Akzent- oder Effektlicht

Zusätzliche Lichter werden oft als Effekt- oder Akzentlicht bezeichnet, deren Zweck ist insofern nicht weiter spezifiziert. Möglichkeiten sind Licht zur Beeinflussung von Spitz- oder Glanzlichtern, aber auch Spots um einen Bereich innerhalb der Szene zusätzlich herauszuheben.

Abschattung

Fällt störendes Licht auf das Motiv, so kann dieses mittels lichtundurchlässigem Material, welches in den Weg zwischen Lichtquelle und Motiv gehalten wird, abgeschattet werden. Diese Methode ist vor allem auch geeignet, um unerwünschte Reflexionen zu verhindern. Nebst lichtundurchlässig sollte das Material vorzugsweise auch dunkel und nichtreflektierend sein, üblicherweise werden Karton- oder Schaumstofftafeln verwendet, gelegentlich für grosse Flächen auch Stoffbahnen. Um Reflexionen zu kontrollieren muss die abschattende Fläche oft exakt zugeschnitten und positioniert werden, dies erfordert einige Übung, das erzielte Resultat wird man später Erfahrung nennen.

Gobos

Ein spezielles Feature sind Gobos (Graphical optical blackout). Es handelt sich dabei um Masken zur Projektion von Licht-Schatten-Mustern. Zumeist sind sie direkt auf einer Lichtquelle mit sehr gerichtetem Licht montiert, können aber auch einfach in den Lichtweg gehalten werden. Um auf der Lichtquelle montiert werden zu können, müssen diese Masken wärmebeständig sein. Üblich sind Gobos aus Metall oder Glas.

Ähnliche Effekte lassen sich für nicht allzugrosse Motive auf einfache Art auch mittels Diaprojektor oder Beamer erzielen.