Umsetzung der Messung in eine Belichtung

Ist ein Lichtwert für die korrekte Belichtung bestimmt, so folgt als nächste Entscheidung die Wahl der Kombination von Verschlusszeit und Blende. In einem weitem Bereich kann Blende oder Verschlusszeit variiert werden, jeder Belichtungszeit entspricht dann eine passende Blende und umgekehrt. All diese Blenden-Zeit-Paare resultieren in gleicher Belichtung (siehe auch Reziprozität), der Fotografen kann also eine Wahl entsprechend der Bildidee treffen.

Um die ideale Kombination von Verschlusszeit und Blende umzusetzen verfügen aktuelle Kameras über mehrere Belichtungsarten, zumeist sind dies die folgenden:

Belichtungsart Symbol Funktion
Blendenpriorität
Zeitautomatik
A Die Blende ist vorgegeben, die Kamera wählt die entsprechende Verschlusszeit.
Zeitpriorität
Blendenautomatik
S Die Verschlusszeit ist vorgegeben, die Kamera wählt die entsprechende Blende.
Programmautomatik P Die Kamera wählt die Kombination von Verschlusszeit und Blende selbst.
Motivprogramm   Auf spezielle Situationen optimierte Programmautomatiken. Auf Motivprogramme soll in diesem Artikel nicht vertieft eingegangen werden.
Manuelle Einstellung M Sowohl Blende als auch Verschlusszeit wird vorgegeben. Zumeist zeigt die Kamera die Abweichung von der gemessenen Belichtung in Lichtwerten an (sogenannte Nachführmessung).

Blendenpriorität - Zeitautomatik

Wenn weder das Motiv noch die Kamera bewegt, dann ist Belichtungszeit aus gestalterischer Sicht unwichtig, da verscheiden Belichtungszeiten identische Bilder bewirken. Die Blende hingegen beeinflusst die Tiefe des scharf abgebildeten Bereichs um die Schärfeebene. Durch die Vorwahl der Blende lässt sich Schärfe gestalterisch einsetzen.

Was vielen Fotos fehlt ist nicht Schärfe, sondern Unschärfe. Unschärfe trennt Wichtiges von Unwichtigem und isoliert dadurch das Motiv vom Hintergrund. Unschärfe erzeugt eher liebliche und romantische Stimmung während durchgehende Schärfe Stimmungen wie Kälte, Abweisung und Sachlichkeit unterstützt.

Mehr zu gestalterischen Aspekten von Schärfe und Unschärfe finden sie hier.

Als Instrument für die Bildgestaltung wird die Blende vorgegeben, die Automatik der Kamera bestimmt die dazu passende Belichtungszeit.

Eine gute Sache, um die Blende zur Gestaltung frei einsetzbar zu halten, ist die Anwendung eines Stativs. Dadurch müssen sich ergebende Belichtungszeiten mit Verwackelungsgefahr nicht gemieden werden. Der Einsatz der Abblendtaste erlaubt die Einschätzung der Blendenwirkung. Für viele Motive und insbesondere für unbewegte Motive wird dies die geeignete Automatik sein.

Zeitpriorität - Blendenautomatik

Sobald sich das Motiv oder die Kamera bewegt, wird auch die Belichtungszeit bildwirksam. Ist es die Kamera, welche sich bewegt, so sprechen wir von verwackeln, was normalerweise nicht erwünscht ist. Bewegt sich das Motiv, so entsteht Bewegungsunschärfe, welche uns die Bewegung im Bild wahrnehmen lässt. Dies kann durchaus erwünscht sein.

Zeitpriorität kommt immer dann ins Spiel, wenn aus irgendwelchen Gründen die Belichtungszeit vorgegeben werden soll. Die Automatik bestimmt dann die dazu passende Blende.

Gründe dafür diese Wahl können sein:

Für viele bewegte Motive wird dies die geeignete Automatik sein.

Programmautomatik

Bei Programmautomatik wird sowohl Blende als auch Verschlusszeit von der Kamera gewählt. Von kurzen Verschlusszeiten bei geschlossenen Blenden bei sehr hellen Motiven wird die Kamera mit abnehmendem Lichtwert kontinuierlich die Blende weiter öffnen und die Verschlusszeit verlängern. Bei knappem Licht wird die Blende vollständig geöffnet sein und nur noch die Verschlusszeit zunehmend verlängert.

Der Fotograf selbst muss zur Belichtung keinen Entscheid beisteuern, er überlässt die Bestimmung der Belichtung und die Wahl einer Kombination von Verschlusszeit und Blende vollständig der Kamera. In den meisten Fällen kann die von der Kamera vorgeschlagene Kombination von Verschlusszeit und Blende über ein Einstellrad verschoben werden, hin zu kürzerer oder längerer Verschlusszeit mit einer entsprechenden Anpassung der Blende. Wenn die Kombination aber schon geändert wird, so kann man die gewünschte Zeit oder Blende auch gleich von Anfang an vorgeben. Ob Programmautomatik schliesslich nützlich ist kann diskutiert werden. Wie weit er Programmautomatik einsetzen will wird jeder Fotograf selbst entscheiden, ich halte das ständige Abändern von Kameravorschlägen als wenig zweckdienlich.

Was bleibt ist die Möglichkeit, zu einer einigermassen sinnvollen Einstellung zu kommen wenn man die Entscheidung nicht selbst machen kann, zum Beispiel wenn man die Kamera jemandem in die Hand drückt, damit dieser ein Foto von uns macht.

Motivprogramme

Motivprogramme sind Programmautomatiken, welche an spezifische Aufgaben angepasst sind. So wird ein Sportprogramm kurze Belichtungszeiten favorisieren, ein Porträtprogramm geöffnete Blenden und ein Makroprogramm könnte abhängig von Abbildungsmassstab die optimale Blende wählen (tut dies aber erfahrungsgemäss nicht).

Manuelle Einstellung von Blende und Zeit - Nachführmessung

Bei der manuellen Einstellung werden vom Fotografen sowohl Blende als auch Belichtungszeit vorgegeben. Dies wird benötigt, wenn z.B. die Belichtungsdaten eines externen Belichtungsmessers auf die Kamera übertragen werden sollen. Durch die unabhängige Einstellung sowohl der Blende als auch der Verschlusszeit können beliebige Belichtungen gewählt werden, keine Automatik regelt mehr auf richtige Belichtung wie dies bei Blenden- oder Zeitpriorität der Fall war.

Um manuell die richtige Belichtung auch unabhängig von einem externen Belichtungsmesser zu treffen, verwenden viele Kameras Nachführmessung. Dies ist eine kleine Balkenanzeige (oder ein Zeiger), in nebenstehendem Bild mit dem gelben Pfeil markiert, welche die Abweichung der eingestellten Belichtung von der kamerainternen Belichtungsmessung in Lichtwerten anzeigt.

Durch Vorgabe von der Blende und anschliessendem Verstellen der Belichtungszeit wird die eingestellte Belichtung mit dem Belichtungsmesswert zur Deckung gebracht. Dadurch ergibt sich eine Art manuelle Blendenpriorität. Selbstverständlich kann auch die Belichtungszeit vorgegeben und die Blende nachgeführt werden - dadurch ergibt sich Zeitpriorität. Mit der Belichtungseinstellung kann auch gleich eine Belichtungskorrektur angebracht werden, indem die Einstellung abweichend vom Messwert gemacht wird. Der Fotograf hat somit mittels Blende und Zeit alle Belichtungsparameter in der Hand. Wird eine Messung vorgenommen und die Belichtung manuell eingestellt, so erübrigt sich ein Speichern der Belichtungseinstellung, solange diese nicht verstellt wird bleibt sie logischerweise erhalten. Dadurch lässt sich die Belichtung vorgängig einstellen. So sucht sich ein Sportfotograf bei einem Hürdenrennen auf der Hürde eine Stelle mittlerer Helligkeit, (z.B. ein roter Streifen) und gleicht darauf mittels Spotmessung die Belichtung ab. Taucht dann der Hürdenläufer bei der Hürde auf, so muss die Belichtung nicht erst noch bestimmt werden, während die anderen überrascht noch irgendwelche Messfelder wählen hat unser Kandidat das Bild bereits sauber im Kasten.

Gleiches gilt für Theater- oder Konzertaufnahmen. Auf dem Gesicht des Schauspielers/Musikers kann wiederum mittels Spotmessung die Belichtung bestimmt werden, anschliessend wird im Sucher das Bild komponiert. Die Belichtung behält die ganze Zeit Gültigkeit, bis die Szene den Ort wechselt oder die Beleuchtung geändert wird.

Was vorerst antiquiert und als das langsamste Verfahren erscheint, ist zum Schluss dasjenige, welches den vorbereiteten Fotografen im entscheidenden Moment am schnellsten reagieren lässt.

Es gibt auch fotografische Situationen, bei welchen keine Messung zur Verfügung steht. Wird zum Beispiel bei Makroaufnahmen mittels Spiegelarretierung gearbeitet, so steht die Belichtungsmessung nach der Spiegelarretierung nicht mehr zur Verfügung. Die Belichtungseinstellung muss also vorgängig erfolgen und dann gespeichert oder fixiert werden, am einfachsten geht dies wiederum mittels manueller Nachführmessung.