Weshalb richtig belichten?

Ein Bild ist nie überall gleich hell. Nebst Stellen mittlerer Helligkeit lässt sich normalerweise die ganze Palette von dunklen Schatten bis zu hellen Lichtern ausmachen, welche als solche auch im Bild richtig wiedergegeben werden wollen. Was richtig belichten bedeutet lässt sich somit am Bild festmachen:

Ein richtig belichtetes Bild verfügt über sauber abgestufte Farben und Helligkeiten in den Mitteltönen und über genügend Zeichnung in den Lichtern und Schattenpartien.

Soweit so gut. Genau betrachtet sind dies drei Anforderungen:

Der Motivkontrast

Eine Stelle innerhalb des Motivs werden wir als mittlere Helligkeit auswählen und daran unsere Belichtung orientieren. Sobald wir uns für diesen mittleren Helligkeitswert entschieden haben, ergeben sich konkrete Werte für die Abweichungen der hellsten und der dunkelsten Stelle gegenüber dem gewählten mittleren Wert. Der Helligkeitsbereich im Motiv von der dunkelsten bis zur hellsten Stelle ist der Motivkontrast.

Der Belichtungsumfang

Jetzt stellt sich bloss noch die Frage, ob der Film oder Bildsensor auch imstande ist, diesen Bereich von den Schatten bis zu den Lichtern aufzuzeichnen.

Welchen Kontrast ein Film oder Bildsensor abbilden kann lässt sich leicht testen: Ein farblich möglichst neutrales und strukturloses Motiv wird von starker Unterbelichtung mit zunehmender Belichtung bis zu totaler Überbelichtung fotografiert und die sich ergebenden Bilder aneinandergereiht.

Eine Belichtungsreihe ...

Nebenstehend ist das Ergebnis einer solchen Reihe abgebildet. Das Motiv war eine weisse Wand, das Objektiv wurde dazu auf unendlich gestellt, damit allfällige Strukturen der Wand unscharf abgebildet werden und das Ergebniss nicht beeinflussen. Das Feld ganz links in der Reihenaufnahme entstand mit einer Überbelichtung von 5 Lichtwerten (+5.0), ganz rechts entspricht einer Unterbelichtung von 5 Lichtwerten (-5.0). Die Belichtungsdifferenz zwischen nebeneinander liegenden Feldern beträgt 1/3 LW. Genau in der Mitte findet sich die Belichtung ohne Korrektur. Was lässt sich jetzt daraus erkennen?

Diese spezifische Digitalkamera (respektive dieser Film) kann also Tonwerte im Bereich von +3 bis -3.7 Lichtwerte gegenüber der mittleren Helligkeit differenzieren. Was heller oder dunkler ist wird nicht mehr differenziert abgebildet. Der Bereich der Belichtungen, in welchem sich jeweils noch Unterschiede zeigen, wird Belichtungsumfang genannt. Bei Digitalkameras hat sich der Begriff Dynamikbereich eingebürgert.

Zu beachten ist, dass der Dynamikbereich bei Digitalkameras nur für die an der Kamera vorgenommenen Einstellungen gilt. Diese Einstellungen beinhalten sowohl die eingestellte Empfindlichkeit als auch alle Parameter zur kamerainternen Bildaufbereitung (Kontrast, Schärfung, Farbsättigung, Farbraum, Weissabgleich, Fileformat). Prinzipiell kann der höchste Dynamikbereich bei Verwendung des RAW-Formats erwartet werden.

Wir haben es also mit zwei Grössen zu tun,

Der Motivkontrast muss mit dem vom Film oder Bildsensor gegebenen Belichtungsumfang sinnvoll umsetzbar sein, das heisst,