Richtiges Licht

Richtig Belichten im technischen Sinne ist eine Frage der Einstellung von Verschlusszeit und Blende.

Richtiges Licht hingegen hat künstlerische Bedeutung. Erfolgreiche Fotografen sind imstande, gutes Licht zu erkennen oder den Zeitpunkt mit dem richtigen Licht abzuwarten. In dieser Tatsache liegt eines der grossen Geheimnisse guter Bilder.

Das Medium des Fotografen ist das Licht. Abgesehen von groben Fehlern in der Aufnahmetechnik, ist das Licht wohl der wichtigste Einzelfaktor für die Ausdruckskraft eines Bildes. Seine Hauptfunktionen sind:

Leider schenken viele Fotografen nur dem ersten Punkt ihre Aufmerksamkeit und lassen die weiteren Aspekte unbeachtet. Das hat voraussehbare Folgen, denn Licht ist weit mehr als nur ein ablesbarer Wert auf dem Belichtungsmesser oder eine zu bestimmte Helligkeitsabstufung nach dem Zonensystem.

Andreas Feininger, Feiningers grosse Fotolehre, 1979, S.24

Die 2-Stunden-Regel gemäss Michael Albat: Fotografieren sie nicht in der prallen Mittagssonne, sondern bei bedecktem Himmel oder zwei Stunden nach Sonnenaufgang, zwei Stunden vor Sonnenuntergang.

Wenn es richtiges Licht gibt, so erwarten wir, dass es auch falsches Licht gibt. Die Erwartung täuscht nicht.

Bilder, welche bei falschem Licht entstanden sehen aus wie nebenstehende Aufnahme. Bei fotografisch ungünstigem Licht während der Mittagszeit zeigen die Schatten unter den Lauben keinerlei Zeichnung mehr, sie saufen ab. Der Film kann nichts dafür, der Fotograf ist eine Niete.

Indem man mittels Spotmessung das Verhältnis der Belichtungszeiten bei gleicher Blende zwischen dunklen und hellen Stellen im Bild bildet, kann der Kontrastumfang erfasst werden. Ergibt sich in der weissen Fläche auf der linken Seite z.B. eine Belichtungszeit von 1/2000s und bei gleicher Blende im Schatten unter der Laube eine Zeit von 1/2s, so weisst das Motiv einen Kontrast von 1:1000 auf, ein nicht untypischer Wert in der Mittagssonne.

Bild: Michael Albat

Ausgehend von einem mittleren Wert von 18% grau kann ein Diafilm etwa im Bereich -3 bis +3(2) Lichtwerten abbilden, dies ergibt einen für Diafilme typischen Kontrastumfang von 1:64(32). Im Vergleich zu den Verhältnissen bei obiger Aufnahme ist dies ein bescheidener Wert, die "richtige" Belichtung von oben stehendem Bild, so dass sowohl in den Lichtern als auch in den Schatten Zeichnung sichtbar ist derart somit ausgeschlossen.

Bewundernswerte Landschaftsbilder entstanden in Momenten mit den passenden Lichtverhältnissen - will man solche Bilder erzielen, so darf von Anfang an kein Kompromiss eingegangen werden - warten oder sein lassen lautet das Motto.

Fotografieren bedeutet somit nicht nur, aus einer gegebenen Situation ein Bild zu machen, sondern auch zu erkennen, wann eine Situation kein gutes Bild zulässt. Will man ein optimales Resultat, so muss das richtige Licht abgewartet werden (oder man muss Licht installieren).

Messung auf Schatten oder Lichter

Gegenlichtsituationen verlangen meist nach einem Kompromiss. Das Motiv zeigt der Kamera die Schattenseite, der umgebende Hintergrund ist zumeist sehr hell. Will man das Motiv korrekt belichten, so muss dieses gezielt angemessen werden. Der Hintergrund wird dadurch stark überbelichtet. Die Alternative ist eine Belichtung auf den Hintergrund, evtl. leicht überbelichtet. Das Motiv erscheint dann als Silhouette, der Hintergrund erweckt den Eindruck von Helligkeit.

Wir legen also Rechenschaft zur Bildidee ab - welcher Teil des Bildes erscheint uns wichtig, der helle oder der dunkle?

Bei nebenstehendem Bild habe ich mich für den dunklen Teil entschieden - meine Entscheidung war "ich will die Schlucht zeigen mit dem Wasserlauf und den Konturen auf den Wänden". Als Gegenleistung verzichte ich auf gute Durchzeichnung der Lichter, diese werden ausfressen (derart überbelichtet, das keine Zeichnung mehr vorhanden ist).

Mittels Spotmessung messe ich eine der dunklen Stellen an, bei welcher ich auf dem Film gerade noch Zeichnung haben möchte. Diese Bildstelle gleiche ich dann mittels manueller Einstellung der Belichtung auf etwa -2,5 Lichtwerte ab. Bei einem Belichtungsspielraum des Diafilms bis -3 Lichtwerte wird die Stelle also gerade noch Zeichnung aufweisen.

Jetzt kann man - ohne die eingestellte Belichtung zu variieren - mit der Spotmessung den Rest des Bildes kontrollieren. Bildanteile bis +2 Lichtwerte werden im fertigen Bild Zeichnung aufweisen, hellere Stellen fressen aus. Bildanteile dunkler als -3 Lichtwerte werden absaufen, sind also derart unterbelichtet, das keine Zeichnung mehr vorhanden ist.

Eine einfachere Alternative ist selektive Messung, diesmal aber, indem das Bild ohne die hellen Stellen komponiert wird und man dann in diesem Ersatzbild die Belichtung geeignet misst und speichert. Dies kann bei obenstehendem Beispiel geschehen, indem die Kamera nach unten geneigt wird bis die hellen Stellen aus dem Bild verschwunden sind. Ist die Belichtung bestimmt, wird das Bild neu komponiert und mit dieser belichtet.

Will man bei der Belichtung auf die Schatten das letzte aus dem Film herausholen, so gibt's noch einen Trick: Vorbelichtung. Bevor sich auf dem Film überhaupt etwas tut, benötigt dieser eine minimale Lichtmenge - die sogenannte Belichtungsschwelle - erst von diesem Wert an entsteht das eigentliche Bild. Diese Schwelle kann mittels Vorbelichtung überwunden werden. Dazu benötigt der Fotograf eine Doppelbelichtung. Das erste Bild wird auf eine strukturlose neutrale Fläche gemacht, z.B. den wolkenlosen Himmel (oder auf eine Graukarte) - allerdings mit etwa 5 Lichtwerten Unterbelichtung. Über dieses erste "Bild" können wir in der zweiten Belichtung unser eigentliches Bild aufnehmen. Die erste Belichtung überwindet die Belichtungsschwelle, das Bild hat aber noch keinerlei Zeichnung und ist noch völlig dunkel, kleinste Lichtmengen sind aber von jetzt an imstande, Zeichnung auf dem Film hervorzurufen. Dies nutzt die zweite Belichtung mit dem Motiv.

Das Gegenteil der Messung auf die Schatten ist die Messung auf die Lichter. Mittels Spotmessung wird eine der hellsten bildwichtigen Stellen angemessen. Auf dieser Bildstelle wird die Belichtung auf etwa +2,5 Lichtwerte abgeglichen. Bei einem Belichtungsspielraum des Diafilms bis +3 Lichtwerte wird die Stelle also gerade noch Zeichnung aufweisen. Wiederum kann mittels Spotmessung der Rest des Bildes kontrolliert werden, auch hier gilt: Bildanteile bis +3 Lichtwerte werden im fertigen Bild Zeichnung aufweisen, hellere Stellen fressen aus. Bildanteile dunkler als -3 Lichtwerte werden absaufen, sind also derart unterbelichtet, das keine Zeichnung mehr vorhanden ist.

Bei nebenstehendem Bild wurde so vorgegangen. Die Idee war, die Schlucht dunkel darzustellen, eine Art Tunnel, welcher sich beim Wasserfall öffnet. Als Gegenleistung für die Lichter wurden die dunklen Bildanteile geopfert.

In beiden Fällen, bei Belichtung auf die Schatten als auch bei Belichtung auf die Lichter, kann eine Belichtungsreihe helfen, den besten Kompromiss zu finden.

Nachtaufnahmen

Die geringe Allgemeinhelligkeit als auch extrem hohe Kontraste lassen kaum eine sinnvolle Messung zu. Allerdings weisen viele solche Motive eine einigermassen bekannte Helligkeit auf, so dass für das Ansetzen der Belichtungsreihe auf Erfahrungswerte zurückgegriffen werden kann:

Bei Aufnahmen auf Film ist bei langen Zeiten mit dem Schwarzschildeffekt zu rechnen, die Belichtungsreihen brauchen demzufolge vor allem eine (zum Teil deutliche) Verlängerung, kaum aber eine Verkürzung der Belichtungszeit.

Feuerwerk

Die Belichtung für Feuerwerk lässt sich kaum messen, einerseits weil der Hintergrund meist nur schwarz sein soll und es egal ist, in welchem Mass er unterbelichtet ist, solange er nur schwarz bleibt. Andererseits auch, weil sich die leuchtende Spur bewegt und deshalb die Filmstelle, auf der sie sich gerade befindet nur solange beleuchtet, bis sie sich weiterbewegt hat. Die Belichtungszeit tut deshalb für die richtige Belichtung kaum was zur Sache, die Helligkeit der Spur wird praktisch nur von der Blende beeinflusst. Ein guter Anfangswert ist Blende 5,6 oder 8 bei ISO 100, die Belichtungszeit wird auf B (B steht für Bulb, das Bild wird solange belichtet wie der Auslöser gedrückt wird) gestellt und der Verschluss dann für 3 bis 10 Sekunden geöffnet, je nach gewünschter Spurlänge des Feuerwerks.