Negativfilm

Alle sind gleich, nur unsere Filme nicht. Was die Belichtung angeht sind Dia- und Negativfilm unterschiedlich. Der Hauptunterschied liegt darin, dass der Negativfilm noch nicht das fertige Produkt ist. Da die Bildhelligkeit beim Positivabzug bestimmt werden kann (und wird), besteht bei Negativfilm kein Zwang, die Motivhelligkeit im Belichtungsumfang korrekt zu positionieren. Vielmehr kann man sich darauf konzentrieren, den Belichtungsumfang des Films optimal zu nutzen. Die Methode der Lichtmessung mit der sich automatisch ergebenden Über- respektive Unterbelichtung bei hellen respektive dunklen Motiven ist somit nur für Diafilme richtig und für Negativfilme evtl. sogar kontraproduktiv. Daher ist Objektmessung für Negativfilme geeigneter respektive Lichtmessung oftmals ungeeignet.

Die Zweipunktmessung

Bei Negativfilmen kann vorteilhaft die Zweipunktmessung verwendet werden. Dabei wird sowohl eine helle als auch eine dunkle Stelle des Motivs, bei welchen man jeweils noch Zeichnung wünscht, mittels Spotmessung angemessen. Aus diesen beiden Messwerten nimmt man den Mittelwert als Belichtung. Schatten und Lichter werden dadurch symmetrisch um 18% grau verteilt. Bedingung bei diesem Verfahren ist allerdings, dass der Film dem Motivkontrast gewachsen ist. Wichtig bei diesem Verfahren ist auch, die Belichtungen als Lichtwerte zu messen und den Durchschnitt ebenfalls als Lichtwert zu berechnen. Erst danach darf in Blenden und Verschlusszeiten umgerechnet werden. Wird der Durchschnitt der Blenden oder der Verschlusszeiten gerechnet, so ergibt dies aufgrund der logarithmischen Lichtwertskala ein falsches Resultat.

Beispiel: Ermittelt werden die Lichtwerte 7 und 13 für den Kontrastumfang, dies entspricht einem Kontrast von 6 Lichtwerten entsprechend einem Verhältnis von 1 zu 64 zwischen der hellen und der dunklen Motivstelle. Bei der Rechnung ergibt sich aus LW7 und LW13 ein Mittel von LW10, dies entspricht Blende 5,6 bei einer Belichtungszeit von 1/30s. Wird mit Blendenwerten gemessen unter Vorgabe einer Belichtungszeit von 1/30s, so erhalten wir entsprechende Werte von Blende 2 und Blende 16. Der Durchschnitt aus 2 und 16 ist schnell gerechnet, ergibt Blende 9, noch gerundet auf die nächste Blende und wir wählen für die Belichtung Blende 8 bei 1/30s. Somit wird unsere Belichtung einen Lichtwert zu knapp ausgefallen. Mit einem Kontrastumfang von 1 zu 64 ist zudem ein Negativfilm vom Belichtungsumfang her optimal ausgeschöpft, die durch schludrige Rechnung verursachte Unterbelichtung hat also bereits leichten Zeichnungsverlust in den Schatten zur Folge (recht geschieht!).

Eine weitere Verfeinerung des Verfahrens ist die Verwendung zusätzlicher Messpunkte. So können z.B. sowohl in den Lichtern als auch in den Schatten je 2 oder 3 Messpunkte gemessen werden, wichtig ist die jeweils identische Anzahl. Zusätzlich können noch ein paar Punkte mittlerer Helligkeit erfasst werden. Aus all diesen Messungen wird anschliessend die durchschnittliche Belichtung als Lichtwert bestimmt. Dieses Verfahren ist recht tolerant gegenüber kleinen Fehlern bei einzelnen Messpunkten. Daraus ergibt sich mit ziemlicher Sicherheit die ideale Belichtung für den Negativfilm.

Kleine Anmerkung: Mit der Kamera haben sie nicht wirklich gute Karten für dieses Verfahren, da jede Messung aus den Angaben für Blende und Belichtungszeit erst in Lichtwerte umgerechnet werden muss, um dann den Durchschnitt zu bilden. Klar einfacher geht dies mit Handbelichtungsmessern mit Spotmessung. Diese zeigen zumeist in Lichtwerten an, dann ist der Durchschnitt schnell gebildet. Die Umrechnung des Belichtungswerts in Blende und Verschlusszeit erfolgt dann am Schluss mit dem Lichtmesser per Knopfdruck oder mittels Tabelle, welche alle Zeit/Blenden Kombinationen aufzeigt.

Was geschieht bei Film eigentlich bei Fehlbelichtungen?