Überraschung!...
Digitalfotografie
hält eine Überraschung für sie bereit...
- Nicht so hastig, seien sie nicht derart neugierig, gedulden sie sich ein paar Jahre - und dann schauen sie sich ihre digitalen Familienbilder wieder mal an. Was hat sich geändert?
Computer sind progressive Wesen, sie schauen in die Zukunft, was soll die Vergangenheit kümmern. CDs, so ein alter Plunder, das Datenformat erst, und die Software die sie damals verwendet hatten ist ja sowas von veraltet! Sie können nicht wirklich ernsthaft erwarten das er ihnen jetzt das File liest oder gar das Bild zeigt.
Deshalb erstellen sie jetzt eine Strategie: sie kopieren die dauernd zunehmende Anzahl Dateien regelmässig auf zeitgemässe Datenträger um und überprüfen dabei mit viel Sachverstand auch gleich, ob das Datenformat die nächste Zukunft überdauern wird. So kann ihren Dateien nichts geschehen. Storage-Managment könnte man dies nennen. Sie werden dadurch zwar nicht zum Manager, ihre Freizeit kriegt jedoch einen Hauch des gehobenen Daseins ab. Und sie dürfen nie nachlassen, aber sie kennen sich ja selbst, noch nie ist bei Ihnen das Interesse an einer Sache zurückgegangen.
Auf
dem Dachboden meines Elternhauses hatte ich vor ein paar Jahren eine Kiste mit Dias gefunden.
Die Bilder zeigen meine Eltern, das Entstehungsjahr der Bilder ist 1966. Ich habe meine Eltern
daraufhin zum Diaabend eingeladen, sie hatten keine Ahnung, dass sie ihre eigenen Bilder sehen
sollten, Bilder ihrer Hochzeit und der Hochzeitsreise. Falsch archivierte Digitalbilder werden
sie vor solchen Erlebnissen bewahren.
Zwangslos bringt uns dies zur Frage: Wurde zu Analogzeiten archiviert, und falls ja, wie?
Die Frage ist so gut, dass ich sie nicht durch meine Antwort verderben möchte.
Robert Koch, dt. Bakteriologe 1843-1910
Nein, Bilder wurden nicht archiviert. Sie landeten in einer Schachtel oder im besten Fall in einem Album. Da es sich bei Papierbildern um materialisierte Artefakte handelt, haben sie die Zeit überdauert und sind höchstens ein bisschen ausgebleicht. Dies wiederum ist nicht so schlimm, da Familienbilder vor allem inhaltlich interessieren.
Derart besteht auch eine Lösung zur Archivierung von digitalen Familienbildern. Schauen sie zu, dass sie von den wichtigsten Bildern einen Papierabzug haben. Danach können sie das File ruhig noch eine Weile umkopieren und schlussendlich löschen. Um Ihre Kunstbilder müssen sie sich keine Sorgen machen, in zwanzig Jahren interessiert sich dafür niemand mehr.
Ein paar Links zum Thema:
- Technology Review: Daten für die Ewigkeit
- Wikipedia: Langzeitarchivierung
Meine momentane Archivierungsmasche
- Der erster Schritt besteht darin, die zu archivierende Datenmenge zu senken. Damit verbunden ist auch ein Akt der Selbsterkenntnis: Die meisten Bilder sind schlicht nicht archivierungswürdig. Was bedeutungslos ist wird gelöscht, von einigen Bildern mache ich noch kleine Formate, falls ich sie mal für diese Webseite benötigen würde, sei es auch nur als schlechtes Beispiel.
- Von wichtigen Bildern (Familie and Co.) wird ein Abzug gemacht, in der Absicht, diese später (bloss nur nicht heute) irgend wann mal in ein Album einzukleben.
- Für die eigentliche Archivierung vertraue ich auf den technischen Fortschritt, genauer: auf das Moorsche Gesetz, welches uns versichert, dass Harddisks immer grösser werden. So kommen die Daten dann von Zeit zu Zeit auf eine externe Harddisk, auf dem PC bleiben sie ebenfalls erhalten. Die Bilddateien sind somit doppelt vorhanden. Möge dies genügen, um die nächsten paar Jahre zu überstehen, danach sehen wir dann weiter.
- Was noch gelöst werden muss: Von früher her ist noch ein Stapel CDs mit Bilddateien vorhanden, darauf eine Datei zu suchen ist obermühsam. Die Dateien sollten auch mal auf das aktuelle System überspielt werden. Bisher habe ich mir die dafür notwendige Zeit noch nicht genommen und genau besehen auch noch nie eine der Dateien vermisst...