Im Gedenken an mein Normalobjektiv
Eine Abdankungsrede mit anschliessender Leichenfledderei.
Am 1. Mai 2004 hat mein AF-D Nikkor 50mm/1,4 das Zeitliche gesegnet. In wahrer Heldennatur, wie es wohl nur bei Normalobjektiven vorkommt, hat es den Sturz einer Nikon der Schwermetallklasse auf harten Grund aufgefangen. Bei dieser seiner letzten Tat ist es leider an äusseren und inneren Verletzungen gestorben.
Es war ein guter Kumpel und wir hatten lange Jahre zusammen verbracht. Dank seiner Kompaktheit und Lichtstärke hatte ich es zu mir genommen. Was zuerst eher als Vernunftehe gedacht war, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer Art Liebe. Wir verstanden uns gegenseitig ohne grosse Worte.
Bild:
mit AF-D Nikkor 50mm/1,4 auf Ilford Delta 400
Entgegen den üblichen Neigungen solcher Objektive zeigte es ein erhöhtes Interesse an Porträtfotografie. Dabei suchte es jeweils bei vorhandenem Licht die Nähe zur porträtierten Person und war trotzdem oft imstande, etwas Umfeld zu zeigen.
Es war ein ehrliches Objektiv. Es drückte der Wirklichkeit nicht seinen eigenen Stempel auf, zeigt die
Welt ohne technische Überhöhung. Das war seine grosse Stärke.
Seine letzten Einsatz hatte das Objektiv am Hochzeitsfest meines Bruders. Es hatte einen würdigen Abgang,
es starb nicht im Bett.
Inzwischen hat es einen Nachfolger gekriegt. Anstelle des Schriftzuges "Made in Japan" steht bei diesem "Made in China". Möge dies die einzige Differenz sein. Ich werde mich seiner immer erinnern. Diese Optik hatte mir mit langer Geduld den Einstieg in die Fotografie gezeigt.

beide Bilder: mit AF-D Nikkor 50mm/1,4 auf Ilford Delta 400
... Und nun zum profanen Teil
Zartbesaitete Fotografen möchte ich bitten, an dieser Stelle diese Seite wieder zu verlassen -> Home
Immerhin, die Spielarten von Optik-Abgängen im Web sind weiter als ich erwartet hatte und gelegentlich deutlich weniger edel als was ich hier bieten will:
Es bleibt herauszufinden, ob einzelne Teile an diesem Objektiv noch zu irgendwelchem Zweck Verwendung
finden könnten. Ausserdem gilt es, die Neugierde zu befriedigen.
Dazu möchte ich anzumerken, das ich aus Pietätgründen die unmittelbaren Unfallfotos nicht zeige. Die
sterblichen Reste hinterliessen keinen sehr würdigen Eindruck.
Die Optik nach dem
Entfernen des äusseren Mantels und des Bajonetts. Der Spuren an der oberen Kante entstanden durch
das Entfernen unfallbedingt demolierter Kunststoffteile.
Gut sichtbar sind die Kontaktbahnen für die elektronische Distanzabtastung (das D in der Bezeichnung
AF-D Nikkor).
Blick
auf die hintere Linsengruppe. Die Mechanik zur Blendenübertragung ist entfernt. Sichtbar wird das
Zahnrad für den Autofokusantrieb. Sowohl die Fassung der hinteren Linsengruppe als auch
das Trägergehäuse sind aus Metall gefertigt.
Die vordere Linsengruppe hat eine Fassung aus (vermutlich) faserverstärktem Kunststoff.
Die
Elektronik zur Kommunikation mit der Kamera. Nochmals gut sichtbar ist der innere Metalltubus
Oben links:
Die Hinterlinsengruppe in ihrer Fassung. Sie hat trotz ihrer Kompaktheit ein erstaunliches Gewicht.
Oben rechts: Die dritte Linsengruppe des vorderen Optikteils. Zwei verkittete Linsen.
Unten links: Das zweite Glied des vorderen Optikteils.
Unten rechts: Die Frontlinse.
Was bleibt übrig?
- Ein Nikonbajonett,
- eine handbedienbare Irisblende (hier ohne Abbildung),
- zwei Einzellinsen und eine verkittete Linse sowie
- eine montierte Optikgruppe, welche sich sehr gut als zwar kleine, aber ultrascharfe Dialupe verwenden lässt.