Unscharf maskieren

Dem richtigen Schärfen kommt bei der Bearbeitung von Bildern eine wichtige Bedeutung zu. Die Schärfe von Bildern ist ein Eindruck, welcher auf Auflösung und Kontrast basiert. Bei gegebener Bildgrösse in Pixeln für die Bildschirmdarstellung ist die Auflösung gegeben und nichts in der Welt kann diese erhöhen. Die Nachschärfung im Bildbearbeitungs-Programm setzt deshalb beim Kontrast an. Dazu wird der Helligkeits-Unterschied benachbarter Pixel und somit deren Kontrast gezielt erhöht, das ist eigentlich schon fast alles.

Im Menü Filter unter Scharfzeichnungsfilter bietet Ihnen Photoshop mehrere Filter zum Scharfzeichnen an. Die ersten drei locken mit verheissungsvollen Namen, der richtige Filter ist jedoch ausschliesslich der vierte mit der Bezeichnung Unscharf maskieren. Nur dieser Filter erlaubt Ihnen die individuelle Anpassung der Schärfungsparameter an das jeweilige Bild und den bestimmten Zweck.

Drei Parameter zum Spielen

Die Stärke (engl. Amount) bestimmt, um wie viel der Kontrast an Kanten erhöht wird.

Radius gibt an, wie breit um eine Kante herum der Effekt angewendet wird.

Der Schwellwert (engl. Threshold) definiert einen minimalen Kontrast, welchen benachbarte Pixel im Bild bereits haben müssen, damit die Schärfung einsetzt. Wenn sie den Schwellwert erhöhen, so werden zusehends kleine Details mit niedrigem Kontrast nicht mehr geschärft. Dies kann z.B. bei Porträts vorteilhaft sein, wenn Hautunreinheiten nicht zusätzlich hervorgehoben werden sollen. Mit diesem Parameter halten sie auch das Rauschen im Bild unter Kontrolle.

Die "richtigen" Werte für die einzelnen Parameter gibt es nicht:

  • Die 3 Parameter beeinflussen sich gegenseitig. Sie können einen höheren Wert für den Radius nehmen und entsprechend geringer die Stärke einstellen, aber auch bei geringem Radius hohe Stärke wählen (obwohl das Resultat nicht genau das gleiche sein wird).
  • Wird der Schwellwert angehoben, so können gleichzeitig auch die beiden anderen Parameter höher ausfallen.
  • Ein Bild fürs Web benötigt andere Parameter als das gleiche Bild zur Ausgabe auf dem Drucker. Die Wirkung des Filters Unscharf maskieren ist infolge der geringen Auflösung auf dem Bildschirm wesentlich deutlicher sichtbar als bei einer hochauflösenden Ausgabe.

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Bevor ich Ihnen das Vorgehen beim Unscharf maskieren erläutere, ein paar Grundregeln, die sie einhalten können, wenn sie an guten Resultaten interessiert sind - oder auch nicht, falls sie das Resultat glücklichen Umständen überlassen wollen.

  • Wenn der Scanner oder die Kamera Einstellungen für die Nachschärfung haben, so setzen sie diese auf minimalen Wert oder noch besser, schalten sie die Nachschärfung ganz aus.
  • Schärfen sie erst nach, wenn das Bild in der endgültigen Auflösung vorliegt.
  • Vorteilhaft ist es, wenn noch kein Rahmen ums Bild gelegt ist.
  • Um die Wirkung des Unscharf Maskierens richtig beurteilen zu können soll die Anzeigegrösse immer auf 100% (aktuelle Pixel) stehen.
  • Wenn sie Daten für einen Abzug auf Fotopapier vorbereiten, so ist die endgültige Wirkung am Bildschirm sehr schlecht abzuschätzen. Notieren sie deshalb die angewandten Werte, um dann beim Vorliegen des Bildes ihre Einstellungen beurteilen zu können.
    Experimentieren sie evtl. mit verschiedenen Einstellungen, um die beste Werte zu ermitteln.

Und jetzt zum Vorgehen beim Unscharf maskieren. Gehen sie wie folgt vor:

  • Starten sie mit den Werten Stärke 50%, Radius 0,7 und Schwellwert = 0.
  • Erhöhen sie den Schwellwert bis das Rauschen genügend schwach ist. Vernünftige Werte liegen zwischen 2 und 20.
  • Erhöhen sie die Stärke bis das Bild scharf aussieht.
  • Vermindern sie jetzt geringfügig Radius. Den verringerten Schärfeeindruck stellen sie durch Erhöhen von Stärke wieder her. Tasten sie sich derart an das optimale Resultat heran. Den Schärfungsstand können sie einfach kontrollieren, indem sie Vorschau ab- und wieder anklicken.
  • Verändern sie gegebenenfalls den Schwellwert um das Rauschen in den Griff zu kriegen.

Die Zahlenwerte in obigem Beispiel sind Startwerte zur Unscharf Maskierung für die Darstellung im Web. Die Endwerte werden vermutlich irgendwo in den folgenden Bereichen zu liegen kommen:

  • Stärke = 100...300%,
  • Radius = 0,7...0,3Pixel,
  • Schwellwert = 2...12.

Gelegentlich liest man Wertangaben, welche deutlich höher liegen. Es ist eine persönliche Präferenz, wie weit die Nachschärfung getrieben werden soll...

Zu Risiken und Nebenwirkungen...

Wenn sie im Restaurant beim Inder scharf wählen müssen sie mit Nebenwirkungen rechnen. Nicht anders verhält es sich bei der digitalen Bildverarbeitung. Vertrauen sie deshalb ihren Augen und kontrollieren sie aufmerksam die Ergebnisse ihrer Anstrengungen.
Worauf ist zu achten? Ich hab Ihnen zu diesem Zweck ein Bild leicht überschärft.
Ich habe durchaus schon Bilder gesehen, die mit folgendem Beispiel gleichziehen können, sagen sie mir jetzt bitte nicht, sie fänden das Bild in Ordnung.

Bild: Gutes Foto von Michael Albat,
bösartig nachgearbeitet von mir.

1: Kontrast an Kanten
Dieser Kontrast wird verstärkt. Wenn sie zu grosszügig nachschärfen, so entstehen bei den Objekten Umrisslinien, vermutlich wollen sie dies so.

2: Farbeffekte an Kanten
Insbesondere bei schon im Original scharfen Übergängen können Farb-Effekte sichtbar werden. Diese werden besonders gut sichtbar, wenn der Übergang von bunt nach grau geht, deshalb sollten sie auch Unscharf maskieren bevor sie mit dem  Bildbearbeitungsprogramm einen Rahmen um das Bild zimmern.

3: Halos
In gleichmässigen Flächen neben Übergängen taucht ein helles Band (eine Art Heiligenschein um dunkle Objekte) auf.

4: Rauschen
Das Bildbearbeitungsprogramm kann Rauschen nicht von Bildinformation unterscheiden. Somit werden auch die durch das Rauschen entstandenen feinen Strukturen betont.

5: Sachen, die sie übersehen haben
Etwas gutes hat die Sache auch: Der Bildrand war nicht sauber, jetzt wissen sie's.

Wiedergutmachung danach

Wenn sie mit Photoshop arbeiten, so finden sie unter Bearbeiten die Funktion Verblassen (engl. Fade). In diesem Fall dürfen sie geringfügig Überschärfen und können danach den Schärfungseffekt mit Verblassen auf den gewünschten Wert zurücknehmen.

Die gleiche Funktion können sie auch mit anderen Programmen ausführen. Vor dem Unscharf maskieren erstellen sie eine neue Ebene und wenden den Filter nur auf diese Ebene an. Anschliessend nehmen sie die Deckkraft der bearbeiteten Ebene zurück, bis die Schärfe genau Ihren Vorstellungen entspricht.

Don't stop the popshoppers

Wenn sie Photoshop haben, eröffnen sich Ihnen auf sehr einfache Art noch ein paar weitere Möglichkeiten:

Verwenden von Channels:

Bei Scanns hab ich oftmals festgestellt, das der Blaukanal deutlich mehr rauscht als die Rot- und Grünkanäle. Es bietet sich somit an, nur die beiden recht rauschfreien Kanäle zum Unscharf maskieren zu verwenden und den blauen unangetastet zu lassen, da er überproportional zum Rauschen im Gesamtergebnis beitragen würde. Insbesondere wird damit auch ein blauer Himmel, in welchem sich Rauschen sehr deutlich abzeichnen würde, vom Nachschärfen weitgehend ausgeschlossen.
Da sie durch die Selektion zweier Farbkanale das Bild nicht richtig beurteilen können, empfiehlt es sich, die Stärke leicht über das vermutete Ziel zu erhöhen und nach dem Unscharf maskieren mit Verblassen den gewünschten Schärfeeffekt genau einzustellen.

Verwenden der Luminance-Information zum unscharf Maskieren:
Um Farbartefakte zu vermeiden, können sie das Bild in den Lab-Modus transformieren. Anstelle von 3 Kanälen für Rot, Grün und Blau haben sie dann einen Helligkeitskanal (L = Luminance) und 2 Farbkanale (a und b).

Jetzt selektieren sie den Helligkeitskanal und wenden die Unscharfmaskierung nur auf diesen Kanal an. Anschliessend wandeln sie das Bild zurück in den RGB-Modus.

Und dann war da noch was...

Mit den bisherigen Einstellwerten wurden feine Details im Bild betont und diesem dadurch zu einem besseren Schärfeeindruck verholfen. Der Filter Unscharf maskieren kann aber noch mehr. Nebst den feinen Details gibt es auch die grösseren Flächen, auch sie sollen sich bekanntlich gegeneinander abheben. Durch Eingabe eines sehr grossen Wertes für den Radius bei gleichzeitig kleiner Stärke wird der Bildkontrast von grossen Bereichen gegeneinander deutlich erhöht, während feine Details vom Filter unangetastet bleiben. Der Schwellwert steht für diese Anwendung zumeist auf 0. Diese Methode kann bei Bildern mit knappem Kontrast vorteilhaft in der frühen Phase der Bildbearbeitung vor Tonwertkorrekturen und Gradationskurven angewendet werden. Kontrastkorrekturen werden anschliessend deutlich weniger stark ausfallen müssen.

Und jetzt können wir alles zusammen anwenden:

Das Ausgangsbild, noch ungeschärft.

Bei diesem Beispiel steh ich vor einem kleinen Dilemma. Die Unscharf Maskierung sollte subtil ausfallen. Dann sind allerdings die einzelnen Schritte auch nur subtil zu erkennen.

Erlauben sie mir, zu überschärfen?
...
Vielen Dank, das ist sehr nett von Ihnen.

Anwendung der Unscharf Maskierung zum Erhöhen des allgemeinen Kontrasteindruckes

Stärke = 20%
Radius = 10Pixel
Schwellwert = 1

Der Kontrast scheint sowohl in dunklen als auch in hellen Stellen grösser geworden zu sein (und ist es auch).

Die eigentliche "Scharfzeichnung" erfolg am Schluss, jedoch noch vor einem allfälligen Bildrahmen.

Stärke = 180%
Radius = 0,4Pixel
Schwellwert = 10