Popshoppen für Analogies

(Beinahe) O-Ton aus einem Forum :

Ich fotografiere mit einer Analogkamera und scanne danach die Bilder ein, um sie in die fc hochzuladen. Dabei leidet die Bildqualität leider enorm (matte Farben, unscharfe Bilder).

Meine Frage: Was macht ihr, dass die Qualität hoch bleibt? Was gibt es für andere Methoden?...

Dieser Artikel soll eine kleine Anfangshilfe und ein Leitfaden sein für Analogfotografen, welche vom Wunsch beseelt sind, ihr Bild einigermassen ansprechend ins Web zu transferieren. Dabei konzentriere ich mich hauptsächlich auf die Probleme, welche in schöner Regelmässigkeit in Foren diskutiert oder in präsentierten Bildern offensichtlich werden.

Was sie benötigen

Als erstes brauchen sie Daten: Die kriegen sie mittels geeignetem Scanner oder sie lassen die Bilder bei der Filmentwicklung gleich scannen und auf CD brennen. Wenn sie sich für einen Scanner entscheiden möchten, was auch meine Empfehlung wäre, so kann Ihnen diese Seite weiterhelfen: www.filmscanner.info

Dann benötigen sie auch ein Bildbearbeitungs-Programm:

  • Adobe Photoshop oder
  • Adobe Photoshop-Elements (resp. Photoshop Light) oder
  • Gimp GNU Image Manipulation Program (Open Source)

Photoshop ist ein professionelles Bildbearbeitungs-Tool. Für die meisten Anwendungen dürfte dieses Programm Overkill sein, Adobe Photoshop-Elements reicht in den allermeisten Fällen vollkommen aus.

Andererseits, wenn sie günstig an eine ältere Version von PS herankommen (z.B. via EBay), so spricht nichts dagegen. Die wesentlichen Bildbearbeitungsschritte müssen sie bei allen Programmen gleichermassen ausführen.

Weitere Programme (z.B. ACDsee, NeatImage) sind nicht zwingend notwendig, aber gelegentlich sehr praktisch.

Es gibt auch Grafik- und Bildbearbeitungs-Programme, welche wenig bis nichts taugen. Diese Programme lassen sich mit einer einfachen  Merkregel identifizieren: "Bill Gates ist kein Fotograf".

Beispiele in den nachfolgenden Artikeln beziehen sich immer auf eine bestimmte Software (z.B. Photoshop). Ich möchte es hier halten wie mit den Kameramarken. Das meiste was hier steht ist universell und kann sinngemäss mit allen geeigneten Programmen durchgeführt werden (ansonsten ist das Programm nicht geeignet).

In diesem Zusammenhang: Programme haben zumeist ein Handbuch. Sie brauchen dies nicht zu lesen, sie wissen eh schon alles, zusätzliches Wissen ist Ballast und würde bloss ihre Kreativität behindern.

Die richtige Reihenfolge

Der Anfang ist die Hälfte vom Ganzen

Aristoteles

Vom Dia oder Negativ zur fertigen Datei gibt es eine logische und sinnvolle Arbeitsreihenfolge. Diese wird hier kurz erläutert.

Zuerst: Sie sind darauf angewiesen, dass ihr Bildschirm Farben richtig darstellt. Ideal dafür ist Farbmanagement.

Scannen

Merkregel: was der Scanner nicht fasst kriegt später auch das Bildbearbeitungsprogramm auch nicht mehr ins Bild.

  • Dia anständig rahmen. Wenn wesentliche Bildelemente am Rand abgedeckt sind haben sie beim Scannen schlechte Karten.
  • allgemeine Scannereinstellungen wie Farbraum, ICE, keine Schärfung festlegen.
  • Auflösung wählen.
    Die Auflösung beim Scannen sollte deutlich höher gewählt werden als sie für das Web benötigen werden.
  • Ausschnitt bestimmen, Dia vorangehend im Scanner gerade ausrichten.
    Wählen sie den Ausschnitt grösser als sie ihn unbedingt benötigen. Beschneiden können sie auch noch im Bildbearbeitungsprogramm.
  • Dichte- und Farbkorrektur.
  • Scannen.
  • Abspeichern in verlustlosem Dateiformat (z.B. als Tiff).
  • Sicherheitskopie erstellen, am besten gleich in einem anderen Verzeichnis.

Bildbearbeitung

Merkregel: Bildinformation, welche durch ihre Bildbearbeitung verschwindet ist weg und kommen nie wieder.

  • Tonwertkorrektur, Gradationskurven, evtl. vorangehend mittels Unscharfmaskierung den Kontrast erhöhen, (siehe Unscharf maskieren).
  • Farbkorrektur, evtl. Tonen (z.B. Heringsgrün) oder Farbsättigung auf einer Farbe erhöhen.
  • Reduktion auf 8Bit pro Farbe. Von jetzt an sollten keine Farb- oder Kontrastkorrekturen mehr durchgeführt werden.
  • Ausschnitt bestimmen, evtl. Bild gerade ausrichten.
  • Ausflecken, Retouche. Mit dem Stempelwerkzeug werden allfällige Flecken und Staub retouchiert. Sie können damit auch Telegrafendrähte verschwinden lassen. Sollte man dem Bild etwas antun, wofür man in der Realität in den Knast wandern würde? Ich weiss, sie würden dies tun...
  • Spätestens jetzt ein Kopie des Bildes in einem verlustlosen Dateiformat ablegen (z.B. TIFF, resp. PSD wenn sie noch Ebenen haben).
  • Runterrechnen (Bild verkleinern).
    Anzahl Pixel: Die Bildschirmdarstellung interessiert sich nur für Pixel, dpi oder ppi ist dem Monitor egal.
  • Nachschärfen (Unscharf maskieren).
  • Einen geeigneten Rahmen um das Bild legen.
  • als Jpeg abspeichern.

Ein paar wenige Literaturhinweise zum Thema Digitale Bildbearbeitung finden sie im Literaturverzeichnis

Ein kleiner Vergleich zum Schluss

Salz verstärkt den Geschmack von Speisen und Saucen decken die Wahrheit zu. Aber: Die richtig gute Küche braucht vor allem auch frische Produkte mit Eigengeschmack. Nicht viel anders verhält es sich mit Bildern und Bildbearbeitung. Die fotografischen Zutaten müssen stimmen. Das Spiel mit den digitalen Möglichkeiten bedarf Fingerspitzengefühl, es sei denn, ihre Absicht sei fotografischer Fastfood.