Licht ins Dunkel bringen

Um bei makroüblichen Abbildungsmassstäben auf genügend Schärfentiefe zu kommen sind wir angehalten eher stärker abzublenden als wir dies bei anderweitiger Fotografie tun. Dann ist da auch noch der Verlängerungsfaktor, welcher uns eine oder mehr Blenden Licht wegfrisst.

als Konsequenz ergibt sich, dass Makrofotografie viel Licht braucht, respektive im Umkehrschluss, bei wenig Licht erschwert wird. Am einfachsten ist Makrofotografie deshalb am hellen Tag draussen, bei hochstehender Mittagssonne, Makrofotografie gilt deshalb vielen als Schönwetterhobby.

Vom fotografischen Standpunkt aus gesehen ist helles, direktes Sonnenlicht jedoch alles andere als ideal, die Kontraste werden hart, Schatten lasten schwer im Bild und eklig blaustichig sind sie wegen der Mittagssonne auch noch.

Weil typische Motive für Makrofotografie von der Grösse her übersichtlich sind ist Makrofotografie aber auch das ideale fotografische Gebiet, um sich in Lichtführung zu üben. Allerdings ist Lichtführung selbst ein erschöpfendes Thema und hier scheint nicht der geeignete Platz zu dessen Erläuterung in epischer Breite zu sein. Begnügen wir uns deshalb damit, dieses Thema zwecks Übersicht kurz in grobe Stücke zu hacken und die sich ergebenden Fragmente im Hinblick auf Anwendbarkeit für Makrofotografie zu betrachten.

Wesentlich sind die drei Aspekte:

Lichtquelle

Am Anfang steht natürlich die Lichtquelle, wir unterscheiden vorhandenes Licht und Kunstlicht,
welches wir wiederum als Dauerlicht und als Blitzlicht unterscheiden. Ringblitze und Zangenblitze sind spezifisch für die Makrofotografie.

Leuchten mit Dauerlicht

Dauerlicht ermöglichst die unmittelbare Beurteilung der Lichtführung bereits bei deren Aufbau, d.h. ohne Probeaufnahmen wie sie z.B. bei Blitzlicht notwendig werden. Schatten, Aufhellungen und Reflexe werden dadurch einfach kontrollierbar. Wenn immer möglich arbeiten Fotografien deshalb gerne mit Dauerlicht.

Soviel Sonne gibt es jedoch nicht ohne Schatten. Fotografisch wenig vorteilhaft ist die von Tageslicht abweichende Lichtfarbe, welche sich im Bild als Farbstich bemerkbar macht, als starker Rotstich bei Glühlampen, resp. als Grünstich bei vielen Leuchtstoffröhren und Sparlampen. Zwar gibt es Dauerlichtquellen spezifisch für fotografische Anwendung, oft bedeutet dies jedoch nur eine standardisierte Farbtemperatur, damit mit einer einheitlichen Korrektur (Farbkorrekturfilter resp. Weissabgleich) respektive zu analogen Zeiten mit einem Kunstlichtfilm gearbeitet werden kann.

Für die Fotografie gibt es spezielle HMI-Lampen, deren Licht weitgehend standardisiertem Tageslicht entspricht, allerdings benötigen diese Leuchten für den Betrieb ein geeignetes Vorschaltgerät und kosten deutlich mehr als ein einfacher Baustrahler.

Farbkorrekturfilter zur Korrektur der Lichtfarbe können auch vor der Lichtquelle eingesetzt werden. Werden verschiedenen Lichtquellen, z.B. Dauerlicht und Blitzlicht gemeinsam eingesetzt, so lassen sich mittels Korrekturfiltern vor den Lichtquellen Mischlichtsituationen vermeiden, z.B. indem das Kunstlicht bereits vorhandenem Licht angepasst wird.

Ein wichtiger Aspekt zu Dauerlicht sollte noch kurz erwähnt werden. Nicht jedes Motiv verträgt gleichermassen hohe Temperaturen, viele günstige Dauerlichtquellen produzieren jedoch nicht unwesentlich Wärme.

Blitzgeräte

Kompaktblitzgeräte und Stabblitzgeräte eignen sich gut für Nah- und Makroaufnahmen, durch die unmittelbare Nähe zum Motiv (z.B. 0,5m) wird jedes vernünftige Blitzgerät genügend stark sein um korrekte Belichtung zu ermöglichen, selbst bei stark geschlossener Blende. Auch die Probleme mit Farbtemperatur und Wärmeentwicklung wie wir sie von Dauerlicht her kennen sind damit weitgehend gelöst. Grundsätzlich kann ein Blitzgerät für Makrofotografie ganz normal benutzt werden. Die Kamera ist auf einem Stativ befestigt, das entfesselte Blitzgerät wird über ein Kabel angeschlossen und kann von Hand ausgerichtet werden. Die Lichtführung ist derart flexibel gestaltbar, die Lichtrichtung kann frei gewählt werden.

Ringblitze und Zangenblitze sind Blitzgeräte mit spezieller Bedeutung für die Makrofotografie.

Ein Ringblitz ist, wie der Begriff vermuten lässt, rund und wird um das Objektiv herum angeordnet. Er erlauben gleichmässige und schattenlose Ausleuchtung des Motivs auch in beengenden Verhältnissen und bei kürzesten Aufnahmeabständen - das freut Zahnärzte, welche damit ihre Arbeiten dokumentieren. In der gestaltenden Fotografie wirken die Bilder infolge der schattenlosen Ausleuchtung oftmals flach. Aus diesem Grunde sind Ringblitze zumeist in mehrere Segmente aufgeteilt, deren Leistung in unterschiedlichen Verhältnissen zueinander eingestellt werden kann.

Zangenblitze sind zumeist zwei beidseitig vom Objektiv angebrachte Blitzgeräte, welche in ihrer Position individuell auf das Motiv ausgerichtet werden können. Auch die Blitzleistung lässt sich individuell einstellen.

Lichtformung

Ein Blitzgerät produziert ein relativ hartes Licht, welches klar konturierte Schatten erzeugt. Nicht immer ist dies erwünscht, das Licht bedarf daher noch einer gewissen Formung. Normalerweise geht die Formung von hartem nach weichem Licht.

Die einfachste Methode um Licht weicher zu machen ist indirektes Licht, sei dies über eine weisse Decke oder über einen Reflektor. Die Grösse des Aufhellreflektors richtet sich nach der Grösse der aufzuhellenden Fläche. Je grösser ein Reflektor ist, desto weicher wird das reflektierte Licht. Mit der Farbe des Reflektors kann auch gleich die Lichtfarbe beieinflusst werden, bei silberfarbenen Reflektoren neigt die Lichtfarbe Richtung Kälte, bei goldfarbenen Reflektoren resultiert ein wärmeres Licht.

Die nächste Stufe sind Softboxen, dies ist eine Art Lichtwanne, welche auf der Vorderseite mit einem lichtdurchlässigen Stoff bespannt ist. Damit lässt sich eine sehr gleichmässige, praktisch schattenfreie Ausleuchtung erzielen.

Das Lichtzelt besteht aus weissem, unstrukturiertem, lichtdurchlässigem Material und umgibt das Motiv vollständig. Es handelt sich dabei um eine Art umgekehrter Softbox, die Lichtquelle befindet sich ausserhalb, im Innern ist das Motiv. Durch eine kleine runde Öffnung im Lichtzelt lässt sich das Motiv fotografieren. Lampen oder Blitzgeräte werden ausserhalb des Lichtzeltes positioniert und bewirken in dessen Innern, beim Motiv, ein sehr weiches, flächiges Licht. Ist das externe Licht gleichermassen um das Lichtzelt verteilt, so entsteht eine schattenlose Ausleuchtung, sind die Lampen einseitig angeordnet, so bleibt ein kleiner, weicher Schatten bestehen, was oftmals der plastischen Wirkung des Motivs förderlich ist. Ein Nachteil von Lichtzelten besteht darin, das Oberflächenstrukturen des Motivs aufgrund der diffusen Beleuchtung nicht gut zur Geltung kommen. Für solche Fälle empfiehlt es sich, durch eine zusätzliche Öffnung dem Motiv einen Anteil gerichtetes Streiflicht zu gönnen.
Lichtzelte finden bei stark glänzenden Motiven Anwendung, welche sich ansonsten kaum erfolgreich fotografieren lassen, z.B. für Schmuck- und Uhrenaufnahmen.

Eine Übersicht zu Lichtformern findet sich auch bei Wikipedia: Lichtformer

Verschiedenste Lichtformer lassen sich mit nicht zu grossem Aufwand selbst bauen, Cyrill Harnischmacher hat in seinem Buch lowbudgetshooting - Fotozubehör einfach selbst gebaut, beschrieben, wie man dies macht. Dieses Buch beschreibt die einfache Herstellung und Anwendung von für Makrofotografie praktischem Zubehör wie Aufnahmetischen, Hohlkehlen, Lichtzelten, Reflektoren und Diffusoren.

Lichtführung

Für Makrofotografie ideal sind Blitzgeräte, welche sich von der Kamera abgenommen betreiben lassen, sei dies über eine Kabelverbindung zur Kamera oder drahtlos. Auf der Kamera montierte Blitzgeräte sind für eine kreative Lichtführung nicht von Vorteil.

Die Lichtführung dreht sich standardmässig um die Lichtkomponenten

  • Hauptlicht (Führungslicht),
  • Hintergrundlicht,
  • Aufhellung und
  • Effektlicht.

In der Makrofotografie lässt sich all dies mit vernünftigem Aufwand auf einem Tisch inszenieren. Von Vorteil ist, wenn sie ein paar Blitzgeräte haben, dies dürfen auch ältere Geräte sein, solange sie sich als Sklavenblitzgeräte einsetzen lassen und ihre Leistung einstellbar ist. Etwas anspruchsvoller ist der Versuch, die Lichtführung mit einem einzelnen Blitzgerät durch Mehrfachbelichtung zusammenzusetzen. Aber solange sie Makrofotografie als Hobby betrachten dürfen sie dies durchaus versuchen.

Da die Makromotive klein sind ist die Schattenaufhellung mittels Aufhellreflektoren kein Problem. Setzen sie Blitzlicht ein, so können sie die Reflektoren ausrichten, indem sie für die Dauer des Aufbaus eine Stablampe als Pilotlicht für das Blitzgerätes einsetzen, damit sie sehen, wohin das Licht reflektiert wird.

Lichtpinsel

In einem absolut dunklen Raum kann eine Taschenlampe als Lichtpinsel verwendet werden. Die Taschenlampe wird dazu am Ende eines längeren Rohrs befestigt, so dass nur ein kleiner Fleck beleuchtet wird. Für die Aufnahme muss die Kamera aufs Stativ, der Kameraverschluss wird geöffnet und das Motiv mit dem Lichtpinsel abgefahren. Nach erfolgter Beleuchtung wird der Kameraverschluss wieder geschlossen.

Soll eine Stelle im Motiv heller beleuchtet werden, so fährt man mit dem Lichtpinsel diese Stelle mehrmals ab.

Die richtige Einstellung von Blende und Empfindlichkeit an der Kamera muss experimentell ermittelt werden, bei Digitalkameras stellt dies kein Problem mehr dar, wer mit Film arbeitet nimmt eine Spotbelichtungsmessung auf den Lichtfleck des Lichtpinsels vor. Ideal ist, wenn der Lichtfleck nicht zu hell ist, so dass sich Zeiten deutlich im Sekundenbereich ergeben. Diese Methode ist auch als Doppelbelichtung geeignet. Die erste Belichtung ergibt das Hauptlicht, mit der zweiten Belichtung werden mittels Lichtpinsel einzelne Stellen gezielt aufgehellt. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.