Gott ist im Detail
(Albert Einstein)
Gehen
sie nahe ans Motiv.
...
noch näher bitte.
...
was sehen sie jetzt?
...
Ach so, es ist unscharf,
dann sind sie wohl zu nahe dran.
Schade eigentlich, denn jetzt würde es gerade erst spannend. Hier beginnt das Gebiet der Makrofotografie.
Makrofotografie?
Ja, das ist die Fotografie von kleinen Dingen.
Ach so! Mit den dicken Rohren an der Kamera, so wie die Paparazzi, heranzoomen bis wir die Sachen gross sehen...
NEIN, das Gegenteil ist der Fall, der Fotograf ist ganz nahe, und es geht auch nicht um nackte Mädels am Strand von Cannes, der Makrofotograf ist von anderem Holz geschnitzt. Er interessiert sich liebevoll für Details, entdeckt Zusammenhänge im Kleinen. Für ihn tut sich eine Welt auf, die wir normalerweise nicht sehen oder gar verächtlich darüber hinwegsehen.
Makrofotografie ist das Gegenteil der Weitwinkelfotografie. Sie interessiert sich fürs Detail, während Fotografie mit weitem Bildwinkel sich eher mit Übersicht und grosszügigen Zusammenhängen befasst.
So, aber vorerst bestimmen wir einen wichtigen Begriff, damit wir anschliessend alle vom gleichen sprechen.
Der Abbildungsmassstab
Die entscheidenden Grösse in der Makrofotografie ist der Abbildungsmassstab. Es handelt sich hierbei um das Verhältnis der Bildgrösse B auf dem Film resp. Bildsensor und wahrer Grösse G des Motivs.

Abbildungsmassstab β = B/G
Wird die Grösse des Motivs mit dem Abbildungsmassstab multipliziert, so erhält man dessen Abbildungsgrösse auf dem Film.
Beispiel: Bei einem Abbildungsmassstab von 1:10 wird das Motiv auf dem Film 10x kleiner als in Wirklichkeit abgebildet, das gesammte Filmformat von 24x36 mm entspricht in diesem Beispiel einer Fläche im Motiv von 24x36 cm.
Bei Abbildungsmassstab 1:1 sind Motiv und Abbildung auf dem Film identisch gross, d.h. ein 1Fr.-Stück (resp. 1 Euro) wird auf einem (Kleinbild-)Negativ ungefähr formatfüllend abgebildet.
Kleines Detail am Rande: Wird eine Mittelformatkamera, z.B. mit einem Filmformat von 6x6 cm verwendet, so wird bei Abbildungsmassstab 1:1 unsere 1Fr.-Münze ebenfalls in Originalgrösse abgebildet. Dies wird aber keinesfalls mehr formatfüllend sein, da das Filmformat jetzt grösser ist.
Was also ist Makrofotografie genau?
Wer sucht wird zumeist mit folgender Definition fündig: Makrofotografie ist Fotografie mit Abbildungsmassstäben im Bereich 10:1 bis 1:10. Diese Definition entstammt der DIN-Norm 19040 und ist wohl ganz und gar unfotografischer Natur. (Jemand hatte mal angemerkt, Deutsch wäre die ideale Sprache zum Schreiben von Normen. Vielleicht sollte man für fotografische Themen eine andere Sprache verwenden, z.B. Japanisch).
Wie auch immer, ich möchte Makrofotografie nicht zu streng definieren. In diesem Artikel geht es um die
spezifischen Möglichkeiten und Probleme Lösungen verbunden mit grossen
Abbildungsmassstäben. Deshalb empfehle ich, als Makrofotografie einfach diesen
Bereich der Fotografie zu betrachten, welcher mit den auf diesen Seiten beschriebenen Verfahren ausgeübt
wird und den Fotografen mit den beschriebenen Herausforderungen konfrontiert.
Herausforderungen?
Nun ja, es gibt ein paar Herauforderungen auf dem Weg zum vollendeten Makrobild, aber lassen sie sich nicht beirren. Und nun hinein ins Vergnügen. Viel Spass.
Auf diesen Seiten:
- Das Equipment
- Was wird benötigt um Makrofotografie zu
betreiben.
Zubehör, um eine normale Optik makrotauglich zu tunen, Makroobjektive, Balgengeräte und nicht zuletzt: die geeignete Kamera. - Die Schärfentiefe - Vom Überfluss an Unschärfe.
- Licht - Vor allem von fehlendem Licht und wie man trotzdem ans Ziel gelangt.
Wenn sie wieder einmal einen Erfolgserlebnis brauchen,...
fotografieren sie Makro. Ein Grund für das hohe Interesse an Makrofotografie liegt sicher darin, dass die Makro-Motivwelt schier unerschöpflich ist.
- Alles was alt und hässlich ist wird durch Makrofotografie schön und interessant (Susan Sontag: Niemand hat durch Fotografie das hässliche entdeckt).
- Glatt und schön entlarvt Makrofotografie als "just skin deep". Der Fotograf wird zum investigativen
Journalisten, er ist ein Rebell, sein Deo versagt...
Haben sie schon mal eine Salamischeibe makromässig fotografiert? Derart können sie locker zum Vegetarier werden.
Das Gebiet der Makrofotografie überstreicht dabei das weite Gebiet vom komponierten Stillleben bis hin zur Makro-Reportageversion in Form von Kleinlebewesen in freier Natur. Nebst der Motivvielfalt hat Makrofotografie auch ein paar sehr praktische Aspekte:
- Die Motive sind insofern vom Ort unabhängig, als geeignete Objekte sich überall finden lassen.
- Sie sind aber auch zeitunabhängig, d.h. Sie lassen sich auch nach Feierabend praktisch fotografieren.
- Weil sie klein sind lassen sie sich gut arrangieren, z.B. auf dem heimischen Küchentisch.
Nebst dem Reiz des
grossen Abbildungsmassstabes beinhaltet die Makrofotografie viel kreatives Potential. Möglichkeiten zum
Austesten neuer Sehweisen tun sich viele auf: Strukturen - Abstraktionen - fotografische Experimente mit
geringster Schärfentiefe.
Bedingt durch den kleinen Bildausschnitt lässt sich störender Hintergrund meist gut ausschalten und Motive können formatfüllend aufgenommen werden. Damit einher geht auch ein gewisses Mass an Abstraktion. Solche Bilder sind geeignet, um sich in Bildgestaltung, Bildaufteilungen, Anschnitten und Farbzusammenstellungen zu üben. Makrofotografie schult das Auge.
Makrofotografie darf als eher anspruchsvoll gelten, erfordert vom Fotografen Geschicklichkeit und auch etwas Geduld. Welch angenehmer Kontrast zur zeitgemässen No-Problem-Fotografie, wie sie uns von der Werbung unablässig angedroht wird.
Aber auch wer nur ein wenig mit Makrofotografie experimentieren will, kann mit Nahlinsen oder Zwischenringen kostengünstig in das Gebiet der Makrofotografie einsteigen und so erste Erfahrungen sammeln. Bei den heutigen Preisen auf Ebay erfordert selbst ein gebrauchtes Balgengeräte keinen finanziellen Höchsteinsatz mehr. Später kommt dann mal ein richtiges Makroobjektiv (z.B. mit 105mm Brennweite) dazu. Scheitern kann derart höchstens noch der Fotograf, aus Amateursicht ist dies eine gute Nachricht.
Und wie immer, zum Abschluss...
Ein paar Links:
- Denfo.de : Makrofotografie sehr kompetent und gleichzeitig skurril erklärt anhand von Zähnen und Zahnersätzen. Am oberen Rand rechts auf Online Lehrgang klicken.
- nnplus.de : 8 Makroobjektive im Vergleich.
- Ein Artikel zu Brennweite und Fluchtdistanz.