Aller Anfang fällt leicht...
Die Bedeutung der Fotoausrüstung
Gute Bilder werden von guten Fotografen gemacht. Gute Fotografen können dies auch mit schlechten Kameras.
Schlechte Bilder werden von schlechten Fotografen gemacht, diese können das auch mit guten Kameras.
Zwischen Kamera und Bild scheint es also keinen Bezug zu geben in dem Sinne, dass durch den Kauf von hochwertiger Ausrüstung unmittelbar bessere Bilder entstehen würden. Eine gute Ausrüstung garantiert also keine guten Bilder - aber sie kann dazu beitragen. Sie trägt dann dazu bei, wenn sie Anforderungen des Fotografen erfüllt, wenn der Fotograf nicht unnötigerweise Kompromisse eingehen muss, wenn sie es zulässt, dass der Fotograf seine Fähigkeiten ausspielen kann.
Klar war die Ausrüstung teuer und ich mache keine besseren Bilder dadurch. Aber ich habe jetzt mehr Spass an meinen schlechten Bildern.
Heiko Kanzler
In diesen
technischen Seiten geht es deshalb darum, was das Equipment ihnen als Fotograf ermöglicht und selten
darum, was es kann.
An anderer Stelle in diesen Seiten geht es entsprechend darum, was sie unternehmen können, um die durch eine gute Ausrüstung gegebene Option einzulösen.
Die Auswahl einer Fotoausrüstung
Der erste Entscheid beim Kauf einer Fotoausrüstung betrifft zumeist die Kamera. Man tritt in ein Fotogeschäft ein und ein Berater wird den Interessenten mit irgendeiner Kameramarke beglücken:
Sie: Guten Tag. Ich möchte gern eine Kamera kaufen.
Verkäufer: Da habe ich genau das Richtige für sie. Die neue Xyz. Ganz frisch hereingekommen. Ist in der
Zeitschrift ABC positiv besprochen worden. Kann alles, macht alles, sieht alles. Auch für das Einschlagen
von Nägeln zu gebrauchen.
Heute noch im Sonderangebot mit dem Suppen - äh - Super-Zoom 14-4000mm.
...
Sie müssen sich aber schnell entscheiden. Wird auch von Profis gerne genommen. Schade, dass sie nicht ein
wenig früher gekommen sind. Helmut Newton ging gerade zur Tür hinaus.
Sie: Aeh...
Verkäufer: Gut, bitte folgen sie mir zur Kasse. Alles zusammen 3'978 Franken.
(Michael Albat)
Entgegen allen Erklärungen von Auswahlkriterien durch erfahrene Fotoamateure basiert die Markenwahl meist auf Zufall und Subjektivität - eine systematische Evaluation ist mit wenig Erfahrung kaum möglich.
Erst nachträglich
wird man sich mit dem erstandenen Objekt bekannt machen und längerfristig die Vor- und Nachteile der
gewählten Ausrüstung oder Marke selbst erfahren. Die Vorteile wird man in Zukunft als Kriterien für die
Evaluation einer spezifischen Marke weitererzählen und durch ständige Repetition irgendwann auch selbst
glauben (kognitive
Dissonanz).
Um am erst mal getroffenen Entscheid keine Zweifel aufkommen zu lassen sollte der Fotohändler nicht gewechselt werden und von der Werbematerial-Lektüre von Konkurrenzprodukten ist abzuraten, ansonsten droht nach der Ausgabe grösserer Geldbeträge für eine spezifische Marke ein seelisches Tief.
Zu einigen spezifischen Themen betreffend Fotoequipment habe ich Informationen zusammengestellt oder persönliche Meinungen formuliert. Das Hauptaugenmerk liegt weitgehend auf Spiegelreflexkameras. Suchen sie sich aus was ihnen nützlich erscheint, es ist ein Angebot meinerseits, nicht mehr, nicht weniger.
Ein vorgängiges Wort zu allen Texten auf diesen Webseiten, damit wir uns nicht falsch verstehen: Einige werden feststellen, das manches Beispiel genau aufs Nikonprogramm passt. Es handelt sich dabei um Beispiele. Sie dürfen (sollen) das ganze markenneutral lesen, ich will hier keinen weiteren unproduktiven Kleinkrieg im Sinne von Canon gegen Pentax gegen gegen Nikon usw. entfachen. Es war für mich einfacher, real existierende Beispiele zu verwenden und ich kenne vor allem Nikon. Hätte ich eine andere Marke würden sie leicht modifizierte Beispiele lesen, aber im wesentlichen würde hier das gleiche stehen.
In diesen Seiten finden sie also ein paar Gedanken zur Auswahl von Fotoequipment
- Ein paar Worte zur Kamera, ganz allgemein.
- Welches Objektiv wählen ?
Weitere Seiten beschäftigen sich mit ein paar technischen Grundlagen:
- Ein Blick spezifisch auf den Sucher von Kameras.
- Crashkurs zu den Eigenschaften von Objektiven.
- Eine Frage des Formats: der Cropfaktor.
- Was ist mit der Schärfentiefe ?
- Die Sache mit den Abbildungsfehlern von Objektiven.
- Bokeh, wie bitte? Nie gehört!
Allgemein
- Anleitung zum Lesen von Infos und Reviews.
- Und wie immer: ein paar externe Links.
Es bleibt die einfache Feststellung: Als erstes brauchen sie eine Kamera und ein vernünftiges Objektiv, wenn sie wollen noch ein Blitzgerät. Mit dieser kleinen Ausrüstung lässt sich bereits fotografieren. Wenn gute Bilder ihre Absicht sind kaufen sie sich ein Stativ. Information bezüglich scharfen Bildern habe ich ihnen im Artikel Anleitung für scharfe Fotos zusammengestellt.
Lesen sie die Betriebsanleitung ihrer Kamera und des Blitzgeräts. Dort steht drin was sie über die Gerätschaften wissen müssen. Die vielfältigen Möglichkeiten der Kamera können sie nur zu ihrem Vorteil nutzen wenn sie das Gerät verstehen und auch bedienen können. Als Ergänzung zur Betriebsanleitung versteht sich mein Artikel zur Lichtmessung und Belichtung.
Fragen, welche in Foren gerne gestellt werden betreffen Bücher jeweils spezifisch zu einer Kamera. Früher war ich jeweils dagegen und fand, die Bedienungsanleitung würde (müsste) eine Kamera gut und genügend erklären, Bücher wären deshalb eher für andere Themen (z.B. für Bildgestaltung) sinnvoll. Ich wurde anders überzeugt. Wenn sie das erste mal mit einer Spiegelreflexkamera fotografieren, kaufen sie sich ein Buch zur Kamera. Der Grund für diese Empfehlung liegt darin, dass die Titel dieser Bücher eigentlich irreführend sind. Da wird nicht nur die Kamera erklärt, sondern auch das System des jeweilige Herstellers vorgestellt. All die Objektive, Blitzgeräte, Makrozubehör und was es sonst noch so geben mag, damit kriegen sie einen Überblick über das System, und das ist sicher nicht falsch.
Betrachten sie sich selbst als Teil des Fotoequipments. Was nützt ihnen die schönste Technik wenn ihre Fähigkeiten nicht auf gleichem Niveau sind. Investieren sie auch etwas in sich selbst, z.B. in Form eines Fotokurses mit grossem Anteil Bildgestaltung und vor allem viel Zeit.
Die Fotografische Entwicklung
Sie möchten also fotografieren?
Was erwarten sie von der Fotografie? Was bedeutet ihnen soviel, dass sie damit
einen Teil ihrer Zeit verbringen wollen? Wenn sie am Beginn ihres fotografischen Schaffens stehen, eine
klare Interessenentwicklung noch nicht stattfand und somit auch nicht absehbar sein kann, dann ist diese
Frage kaum abschliessend zu beantworten. Ein Werdegang zum Hobbyfotografen lässt sich weder vorgeben noch
planen. Planen bedingt ein Ziel, welches kaum zu Beginn schon klar ist resp. wenn es klar ist, ist es
wahrscheinlich falsch, zu unspezifisch oder kurzfristig. Ergo wählt man einen Strategie, lässt
Entwicklungen offen.
Wählen sie deswegen einen Weg und nicht ein Ziel. Das Hobby ist somit nicht ihr Dasein als fertiger Amateurfotograf sondern der eigene Aufbau zum Fotografen. Dafür braucht ihr Hobby vorallem Zeit und erst in zweiter Priorität Ausrüstung. Der einzige richtige Schritt in einem solchen Moment ist deshalb, überhaupt erst anzufangen. Egal wie, aber werden sie aktiv, beginnen sie zu fotografieren. Und die konsequente Grundhaltung dazu ist: Bleiben sie offen für eine Entwicklung. Offen bleiben für eine Entwicklung bedeutet aber nicht nur, ein waches Interesse gegenüber den sich nun ergebenden Vorgängen zu haben, sondern auch nicht stur von einer zufällig vorgepflügten Spur gelenkt zu werden.
Nehmen sie das Steuer in die Hand und probieren sie aus, was sie mit dem Medium Fotografie anstellen können.
Eine fotografische Entwicklung läuft zumeist in drei Bereichen ab:
- Die Medium Fotografie will technisch beherrscht werden (z.B. Schärfe, Belichtung...).
- Bilder wollen gestaltet werden (Goldener Schnitt, Diagonalen...).
- Bilder sollten auch eine Sinn haben (Motivbezug).
Irgendwann kommt der Moment, von welchem an ihre Bilder scharf und richtig belichtet sein werden -
kurz, sie haben die Technik im Griff. Dies ist meist der Moment, in dem sie beginnen, sich mehr um das
eigentliche Bild zu kümmern. Es wächst der Anspruch, mehr als nur ein technisch gutes Bild herzustellen,
ihre Bilder sollen eine Handschrift tragen und in der Literatur werden sie mit der Nase auf den Begriff
der Bildaussage gestossen. Gehen sie diesem Begriff nach, so konfrontiert man sie mit Beispielbildern mit
guter Aussage,
es werden dies die
folgenden immer gleichen Bilder sein:
- Stillleben mit Buch (vorwiegend Bibel) und Kerze,
- alte Frauen mit Kruzifixen in der Hand,
- Mönche in groben Kutten,
- Tiere hinter Gittern,
- im schlimmsten Fall eingeölte Akte in verrenkter Stellung, zumeist so, dass das Gesicht nicht sichtbar ist.
Mögen sie ihren Partner? Auch eingeölt? Nun schön, machen sie los. Fotografieren sie nach Herzenslust. Aber nicht, weil das andere schon gemacht haben. Nicht, weil nackte Mädchen immer gerne genommen werden. Nicht, weil das Kunst ist. Sondern: Weil sie Spass daran haben. Falls Ihr Partner Mönch sein sollte, dürfen sie ihn natürlich auch gern in seiner Kutte fotografieren. Aber gehen sie bis zum Beweis des Gegenteils davon aus: Niemand hat auf Ihre Bilder gewartet, und niemand will sie sehen. Wenn sie trotzdem fotografieren, werden sie - und vielleicht die Betroffenen - die einzigen Betrachter sein. Und weil das so ist, dürfen sie sich nun richtig austoben.
Den Rat den
ich Ihnen hier geben kann: Fotografieren sie nur, wofür sie sich selbst interessieren.
Wenn sie gerne reisen, so sind sie eher ein Reisefotograf. Sind sie ein Gartenfan, so fotografieren sie Ihren Garten und die Pflanzen. Sie haben ein grosses Privileg: sie sind Amateur.
Ein Amateur ist jemand, der etwas aus Liebe zur Sache tut. Wenn sie ein echtes Interesse für das empfinden, was sie fotografieren, dann wird Ihnen auch daran gelegen sein, dass Ihr Bild gut wird, dass es ihnen und anderen etwas sagt: Gefühle und Empfindungen auslöst.
The picture is not made by the photographer, the picture is more good or less good in function of the relationship that you have with the people you photograph.
Sebastiao Salgado, 1990
Folgende Möglichkeiten bestehen zum Erweitern und Festigen ihrer Kenntnisse und Ansichten zur Fotografie:
- Betrachten und analysieren sie Bilder anderer Fotografen. Es kann deshalb sinnvoll sein, in einer
Internet-Foto-Community mitzumachen, allerdings sollte diese undogmatisch sein und verschiedene
"Strömungen" nicht nur zulassen, sondern aktiv leben - z.B. fotocommunity.de.
- Das beste was passieren kann sind Diskussionen - die können sie auch anstossen. Eine Anleitung dazu
finden sie hier: Ah-Bah!.
Diskutieren sie mit anderen Fotografen über Bildgestaltung. Es dient meist auch der eigenen Vorstellung,
wenn Ideen klar formuliert werden müssen.
- Erwarten sie keine Rezepte - die anderen wollen das gleiche wie sie. Lernen können sie sowohl von
guten als auch von schlechten Bildern. Was stimmt bei den schlechten nicht, resp. was macht die guten
Bilder gut?
- Nehmen sie auf, und entwickeln sie weiter. Ein guter Koch hat eigene Rezepte, und dies sind meistens
Verfeinerungen von zuvor schon bestehendem. Betrachten sie also Regeln nicht als Gesetze.
Nimm an, was nützlich ist. Lass weg, was unnütz ist. Und füge das hinzu, was dein
Eigenes ist. (Bruce Lee)
- Unterscheiden sie die Aspekte Technik, Gestaltung und Inhalt. Wenn sie ein Bild als technisch
hervorragend erkennen, so versuchen sie, dessen technische Perfektion ebenfalls zu erreichen. Das Motiv
müssen sie deswegen nicht gleich mitkopieren wenn ihnen dieses wenig zusagt.
- Lesen sie Bücher über Bildgestaltung. Auf einer separaten Seite habe ich eine Liste
mit ein paar Büchern erstellt.
- Gönnen sie ihren Interessen etwas Auslauf, z.B. in Malerei oder Architektur. Fotografie ist keine
alleinstehende Thematik.
- Fotografie findet nicht nur in Foren statt. Schaffen sie sich ein inspirierendes persönliches fotografisches Umfeld, z.B. indem sie an Usertreffen (fc-Usertreffen) teilnehmen oder in den foto-klub bieleintreten.
Externe Links
- Soeren Spieckermann
- photo.net: Making Photographs
- Soll ich einen Fotokurs schreiben? Ich denk nicht, das haben andere schon gemacht: Fotolehrgang von Tom Striewitsch