Langzeitsynchronisation
Üblicherweise wird der Blitz innerhalb der sogenannten X-Synchronisationszeit gezündet. Das ist die kürzeste Zeit, während der der Verschluss komplett geöffnet werden kann. Bei fast allen Kameras ist es möglich und sinnvoll, mit längeren Zeiten als der X-Synchronisationszeit zu arbeiten. Während bei Aufnahmen ohne Blitz Blende und Verschlusszeit für eine korrekte Belichtung der Bilder sorgen, verhält es sich bei Aufnahmen mit Blitz anders: Das Blitzgerät regelt die abgegebene Lichtmenge als Blitzdauer (Abbrenndauer) passend zur eingestellten Kamerablende und legt damit die Helligkeit des Hauptmotives fest. Die Verschlusszeit hingegen hat keinen Einfluss auf die Blitzbelichtung des Motivs im Vordergrund – mit ihr wird das Umgebungslicht und somit der Hintergrund kontrolliert.
Durch eine längere Belichtungszeit kann man den Anteil an Hintergrundlicht erhöhen. Ein Teil des
vorhandenen Lichtes wird aufgenommen und mit der Blitzaufnahme kombiniert. Je länger die Verschlusszeit,
desto grösser der Anteil an Umgebungslicht und desto heller erscheint der Hintergrund.
Das wird insbesonders bei Innenaufnahmen mit Kunstlicht deutlich: Bei kurzen Synchronzeiten überwiegt das Blitzlicht und das Bild erhält eine neutrale bis leicht kühle Farbwiedergabe. Bleibt der Verschluss länger geöffnet, erhöht sich der Anteil an Kunstlicht und die Farbwiedergabe tendiert zu einer rot-orangen (Glühlampen) bis grünlichen (Leuchtstofflampen) Färbung.
Durch Blitzen mit langer Verschlusszeit entsteht bei bewegten Motiven zusätzlich zum durch den Blitz eingefrorenen scharfen Kernbild ein überlagertes Bild mit Bewegungswischern.
Um dieses Gleichgewicht zwischen vorhandenem Licht und Blitzlicht zu schaffen, besitzen die meisten modernen Kameras eine Langzeit-Blitzautomatik. Symbolisiert wird diese Funktion durch das Kürzel "Slow" neben dem Blitzzeichen oder durch ein Piktogramm, z. B eine Person unterm Sternenhimmel.
Betrachten wir oben stehendes Bild genauer, so stellen wir fest, das die Wischer dem Motiv vorauseilen, die Bewegung scheint rückwärts zu verlaufen. Dies hat seinen Grund darin, dass der Blitz bei den meisten Kameras unmittelbar nach dem vollständigen Öffnen des ersten Vorhanges ausgelöst wird. Das scharfe Kernbild entsteht zu Beginn der Belichtung, die unscharfen Wischer während dem weiteren Ablauf der verlängerten Belichtungszeit. Dadurch scheinen sie dem scharfen Kernbild vorauszueilen.
Synchronisation auf den zweiten Vorhang
Mittels Synchronisation auf den zweiten Vorhang kann der Effekt der scheinbaren Rückwärtsbewegung verhindert werden. Der Blitz wird in dem Fall unmittelbar vor dem Schliessen des zweiten Verschlussvorhangs und somit am Ende der Belichtungszeit ausgelöst. Dadurch erscheint das scharfe Kernbild jetzt an der Spitze der Bewegungswischer.
Wenn die Synchronisation des Blitzes auf den zweiten Vorhang erfolgt, unterstützen die Wischer somit die Bewegungsrichtung des Motivs.
Nachteilig bei diesem Verfahren ist, das bei längeren Verschlusszeiten und schnellen Bewegungen nicht genau zum voraus eingeschätzt werden kann, wo das bewegte Motiv im Zeitpunkt der Blitzauslösung sein wird. Das kann gerade beim Fotografieren von Menschen, wenn sie eine bestimmte Mimik/Gestik einfangen wollen, sehr störend sein. Es ist ähnlich, als würden sie mit eingeschaltetem Selbstauslöser fotografieren. sie sollten also diese besondere Form der Blitzbelichtung gezielt einsetzen, wenn die Information über die Motivbewegung wichtig ist. Als Ausgangspunkt für Versuche mit Langzeitsynchronisation können Verschlusszeiten von 1/15s bis 1/8s gelten. Mit diesen Zeiten ergibt sich oftmals eine stimmige Mischung von unscharfer Bewegung und statischem aber scharfem Kernbild. Zudem kann bei diesen Zeiten auch der Hintergrund noch erträglich gestaltet werden.
Einen gänzlich anderen Grund zum Einsatz der Synchronisation auf den 2-ten Vorhang hab ich bei der
Fotografie von Schmetterlingen gefunden.
Insekten haben oftmals eine sehr kurze Reaktionszeit. Fotografiert man sie mit Langzeitsynchronisation um
eine gute Darstellung des Hintergrundes zu kriegen, so reagieren sie auf den Blitz zu Beginn der
Belichtung.
Während der nachfolgenden Belichtungszeit von 1/15s sind sie bereits in Bewegung um wegzufliegen, das Bild kriegt Bewegungswischer (so wie beim Bild nebenan).
Verwendet man die Synchronisation auf den zweiten Vorhang, so bleibt das Tier freundlicherweise sitzen bis das Bild im Kasten ist und verschwindet erst anschliessend.