Vom Umgang mit der Taschensonne

Think positiv

Die Entwicklung des Blitzgerätes für die Fotografie ist mehr als jede andere technische Errungenschaft auf diesem Gebiet verantwortlich für die Ruinierung von Fotografien. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte jeder Fotograf sorgfältig auf richtiges Licht geachtet. Fotografiert wurde draussen, bei Bewölkung und gedecktem Himmel um hohen Motivkontrasten entgegenzuwirken, in Innenräumen wurde das Motiv an ein Nordlichtfenster gerückt, die Kamera war in jedem Fall auf einem Stativ.

Und was geschieht heute, nach der Entwicklung des Blitzgerätes?
Es wird geknipst was das Zeugs hält - der Blitz sorgt in jedem Fall für das "richtige" Licht. Kein Wunder sehen all die Bilder derart ungestalt aus. Damit verknüpft ist auch die Idee, Blitzgeräte seien Stimmungskiller - somit wird gar nicht erst versucht, mit Blitzgeräten etwas gutes zu machen, schlechte Bilder sind dann bloss die Bestätigung der schlechten Meinung.

Das ist schade, denn der gekonnte Einsatz der künstlichen Taschensonne geht viel weiter - kreative Fotografen sind imstande, Stimmung mit Blitzgeräten nicht nur nicht zu killen, sondern können sie damit geradezu erschaffen. Dazu soll dieser Artikel die Grundlage liefern.

Was können sie mit Blitzgeräten machen?:

 
  • Beleuchten, wenn's ansonsten zu dunkel ist (der Blinde ertastet es am Stock),
  • Einfrieren von schnellen Bewegungen,
  • Konturen betonen durch gezieltes Schatten schaffen mit Blitzlicht,
  • Hohe Kontraste mildern durch Aufhellen von Schatten,
  • Hervorheben durch Aufhellen der wesentlichen Bildanteile,
  • Intensivieren von Farben,
  • Durch Kunstlicht entstandene Farbstiche beseitigen,
  • Bewegung andeuten durch Wischeffekte mit scharfem Kernbild.

In diesem Zusammenhang, eine ganz persönliche Bitte meinerseits: Angenommen sie stehen nachts auf der kanadischen Seite an den Niagarafällen und sind vom Schauspiel der beleuchtenden Fälle überwältigt. Wenn sie jetzt ihre Kamera zücken um den Augenblick festzuhalten, dann schalten sie bitte den Blitz aus und stützen sie die Kamera irgendwo ab, auch wenn die Kamera was anderes vorschlägt.
Von der amerikanischen Seite aus kann man all die kleinen Blitzchen betrachten - man muss es gesehen haben um ne Ahnung zu kriegen, wie nutzlos sie sind.


In den nachfolgenden Texten wird viel von Synchronisationszeiten und Leitzahlen die Rede sein. Wer sich da noch nicht auskennt sollte sich vorteilhaft zuerst einen Eindruck dieser Begriffe im Kapitel "Grundbegriffe" holen".