Grundbegriffe rund ums Blitzgerät
Die Leitzahl
Die Blitzleistung wird üblicherweise als Leitzahl angegeben. Dabei errechnet sich die Blitzreichweite wie folgt:
Blitzreichweite = Leitzahl / Blende
Beispiel: Ein Blitzgerät mit Leitzahl 16 hat bei Blende 8 eine Reichweite von 2 Meter.
Bitte beachten sie, dass die Leitzahl in beiden Masseinheiten (Metern und Fuss) angegeben werden
kann.
Selbstverständlich spielt dabei auch die Filmempfindlichkeit eine Rolle. Normalerweise (wenn nichts anderes spezifiziert ist) wird die Leitzahl für Filme mit Empfindlichkeit ISO100 angegeben (ausser bei einigen Kompakt und APS-Kameras)
Mit zunehmender Filmempfindlichkeit steigt die Blitzreichweite. Dies kann berücksichtigt werden, indem die Blitzreichweite mit einem Faktor multipliziert wird.
| Film | Faktor | Film | Faktor |
|---|---|---|---|
| ISO25 | 0,5 | ISO320 | 1,8 |
| ISO50 | 0,71 | ISO400 | 2,0 |
| ISO64 | 0,8 | ISO800 | 2,8 |
| ISO100 | 1 | ISO1000 | 3,2 |
| ISO160 | 1,27 | ISO1600 | 4 |
| ISO200 | 1,4 | ISO3200 | 5,6 |
Sie werden bemerken, dass der Umrechnungsfaktor die Quadratwurzel des Verhältnisses des angegebenen Empfindlichkeitswertes zu ISO 100 ist.
Ein Beispiel: Der Blitz hat Leitzahl 24, sie verwenden Blende 5,6, Ihr Film hat eine Empfindlichkeit von ISO 400.
Aus diesen Werten ergibt sich eine Reichweite von 24/5,6 = 4,3 Meter bei ISO 100. Wegen der erhöhten Filmempfindlichkeit kommt noch der Korrekturfaktor 2 (bei ISO400) dazu, mit welchem sie ihr vorangehendes Resultat multiplizieren: sie erhalten somit eine Reichweite von 4,3m*2 = 8,6m.
Blitzbrenndauer
Aufgrund des Lichtabfalls in die Tiefe wissen wir, dass die Blitzreichweite von der Blitzleistung abhängt. Nun ist es aber so, das wir nicht immer auf maximale Distanz fotografieren wollen, es muss also auch möglich sein, die Blitzleistung zu reduzieren.
Ein erster Gedanke geht davon aus, das wir die Helligkeit des Blitzlichtes reduzieren könnten. Technisch ist dies allerdings nicht auf einfache Art und Weise möglich. Würde die Helligkeit eines Blitzes reduziert, so wäre damit in den allermeisten Fällen auch eine Änderung der Lichtfarbe verbunden - ein in der Fotografie sehr unerwünschter Effekt.
Der Film reagiert aber bekanntlich nicht nur bei unterschiedlicher Helligkeit mit unterschiedlicher Belichtung, sondern auch bei Änderung der Belichtungszeit. Ein Blitz mit kurzer Dauer belichtet einen Film weniger als ein Blitz mit längerer Dauer, gleiche Helligkeit vorausgesetzt. Somit ist es möglich, die Blitzleistung durch die Blitzdauer zu beeinflussen.
Diese Dauer des Blitzes wird Blitzbrenndauer oder Abbrenndauer genannt - sie liegt typischerweise im Bereich einer 1/1000s (für Kompaktblitzgeräte, bei Studiogeräten kann die Blitzdauer länger sein) bei maximaler Leistung und erreicht bei kleiner Leistung oftmals weniger als 1/10000s.
Dadurch ergibt sich auch gleich ein Verfahren für die kamerainterne Belichtungssteuerung bei Blitzaufnahmen. Die Kamera löst den Blitz aus und misst dann die eintreffende Lichtmenge. Ist die Lichtmenge genügend, wird der Blitz abgestellt. Man spricht dabei von abregeln.
X-Synchronzeit
Da der Blitz nur äusserst kurz dauert, ist es notwendig, dass der Kameraverschluss vorgängig vollständig geöffnet wird. Schlitzverschlüsse erlauben jedoch die Realisierung sehr kurzer Belichtungszeiten indem der Verschluss nie vollständig geöffnet wird. Ein erster "Vorhang" beginnt den Film freizugeben, aber bevor das ganze Filmformat frei ist beginnt der zweite Vorhang bereits zu schliessen. Über den Bild wandert in dem Fall ein Lichtspalt, dessen Breite mit zunehmend kürzer werdender Belichtungszeit ebenfalls abnimmt. Somit gibt es für Schlitzverschlüsse eine untere Grenze der Belichtungszeit, ab welcher der Verschluss nie mehr vollständig geöffnet wird. Diese Zeit wird X-Synchronisationszeit genannt - bis zu dieser Zeit ist "konventionelles" Blitzen möglich. Wird ein Blitzgerät bei einer kürzeren Verschlusszeit gezündet, so wird nunmehr ein Filmstreifen mittels Blitzlicht belichtet. Entgegen der Meinung vieler kann aber mit Verschlusszeiten länger als der X-Synchronisationszeit problemlos fotografiert werden.
Die X-Synchronisationszeit ist eines der wesentlichsten Feature einer Kamera - je kürzer desto besser. Eine kurze Synchronisationszeit macht zwar die Kamera teurer, eine Kompensation langer Synchronisationszeit mittels erhöhter Blitzleistung geht aber bedeutend mehr ins Geld - die so genannte Kurzzeitsynchronisation moderner Kameras kann hier nicht helfen (im Gegenteil - dazu später mehr). Die meisten Kameras haben eine X-Synchronzeit zwischen 1/60s (Einsteigermodell) und 1/250s (Topklasse, Kamera für professionellen Gebrauch).
Das "X" in X-Synchronisation hat historischen Ursprung. Die ursprünglichen Blitzbirnen, welche Magnesiumfäden verbrannten mussten geringfügig vor dem Öffnen des Verschlusses gezündet werden und brannten dann während der ganzen Belichtung. Als dann die ersten Elektronenblitzgeräte auftauchten mussten diese zu einem anderen Belichtungszeitpunkt gezündet werden - um die beiden Synchronisationsarten zu unterscheiden wurden die Begriffe X-Synchronisation für Elektronenblitzgeräte und M-Synchronisation für Magnesiumblitzbirnen eingeführt.
Steuerung der Blitzbrenndauer
Computerblitzgeräte
Einige Elektronenblitzgeräte haben ein Messzelle für Blitzlicht an der Vorderseite, die den Blitz abschaltet, wenn genügend Licht ausgestrahlt wurde. Bei diesen Geräten ist zumeist eine Einstellung für Filmempfindlichkeit und Blende vorzunehmen. Eine Anzeige oder Skala informiert, bis zu welcher Entfernung der Blitz das Objekt noch ausleuchten kann.
TTL-Blitzmessung
Bei der TTL-Blitzmessung wird das während der Aufnahme von der Filmoberfläche reflektierte Blitzlicht durch eine Fotozelle in der Kamera registriert und damit die Blitzdauer gesteuert. Die TTL-Messmethode hat gegenüber dem Computerblitz grosse Vorteile, weil Verlängerungsfaktoren bei Makroaufnahmen oder bei Verwendung von Filtern "automatisch" berücksichtigt werden, da die Blitzmessung durch das Aufnahmesystem geschieht und nicht an diesem vorbei erfolgt. Die TTL-Blitzmessung kann erst erfolgen wenn der Blitz gezündet wird, also während dem eigentlichen Belichtungsvorgang. Zumeist wird das auf der Filmoberfläche reflektierte Licht gemessen. Meiner Ansicht nach erfordert dies standardisierte Reflektionseigenschaften der Filme, etwas was in dieser Form sicher nicht existiert. Aber ganz offensichtlich funktioniert es einigermassen - trotzdem: ziehen sie bei unerwarteten Resultaten (und exotischen Filmen) auch diesen Aspekt in Betracht.
Viele moderne Kameras benutzen heute Messblitze. Vor der eigentlichen Belichtung werden schwache Messblitze abgegeben. Das durch das Objektiv einfallende Licht wird auf dem noch geschlossenen Verschluss reflektiert, dessen Reflektionseigenschaften unabhängig vom Film immer gleich sind. Zudem steht auch etwas mehr Zeit zur Verfügung, um die Messwerte auszuwerten. Erst nachträglich, wenn die benötigte Blitzleistung berechnet ist wird der Verschluss geöffnet und der Hauptblitz genau dosiert gezündet.
Manuelle Leistungseinstellung
Viele Blitzgeräte erlauben die manuelle Einstellung der Blitzleistung, zumeist in den Stufen 1/1 für maximale Blitzleistung, 1/2 für halbe Leistung usw. bis 1/64 Lichtleistung. Auf einer Skala, Tabelle oder einem Display ist die zugehörige Blitzreichweite ablesbar, abhängig auch von der Filmempfindlichkeit, der eingestellten Blende und der Reflektorstellung des Blitzgerätes. Die manuelle Einstellung der Blitzleistung ist immer sinnvoll, wenn mehrere Blitzgeräte kombiniert eingesetzt werden, oder wenn das Hauptmotiv ausserhalb der Blitzmessfelder der Kamera liegt. Auch zum gezielten Aufhellblitzen ist manuelle Leistungseinstellung dienlich. Wird die Blitzleistung manuell eingestellt, so müssen allfällige Verlängerungsfaktoren bei Makroaufnahmen oder Lichtabschwächungen durch Filter vor dem Objektiv oder Blitz berücksichtigt werden.
Blitzlichtmesser
Grundsätzlich kann mit manueller Einstellung sehr gut gearbeitet werden, es ist allerdings empfehlenswert, einen Blitzbelichtungsmesser zu verwenden, welcher nebst genauer Messung auch vorhandenes Umgebungslicht mitberücksichtigt. Gerade Mischlichtaufnahmen (Blitz- und Umgebungslicht) arten ansonsten zu Rechnerei oder Zufall aus. Bei Blitzbelichtungsmessern ist zumeist die Synchronisationszeit und die Filmempfindlichkeit einzugeben. Danach wird beim Motiv in Richtung der Kamera wie bei der Lichtmessung gemessen und ein Probeblitz ausgelöst. Viele Blitzbelichtungsmesser sind imstande, den Blitz selbst zu erkennen. Als Messwert wird der einzustellende Blendenwert ausgegeben. Mehr Angaben zu diesem Thema können (sollten) sie der Anleitung dieser Geräte entnehmen.
Leuchtwinkel und Reflektor
Der Blitz soll das Bildfeld möglichst gleichmässig ausleuchten. Dabei ist es offensichtlich, das bei gegebener Distanz das Bildfeld beim Einsatz eines Teleobjektives kleiner ist als wenn ein Weitwinkelobjektiv eingesetzt wird. Kann der Blitz das Bildfeld des Weitwinkelobjektivs ausleuchten, so wird beim Teleobjektiv eine zu grosse Fläche ausgeleuchtet, ein Teil der Blitzenergie bleibt für das Bild wirkungslos. Würde das Blitzlicht in einem engeren Winkel abgestrahlt, so würde dies genügen, als Gegenleistung könnte eine weitere Reichweite erzielt werden. Aus diesem Grund haben moderne Blitzgeräte einen verstellbaren Reflektor, welcher sich der Brennweite des verwendeten Objektivs anpassen lässt (automatisch oder manuell). Dadurch kann die Blitzleistung optimal genutzt werden, resp. es lassen sich für engere Bildwinkel (längere Brennweiten) deutlich höhere Blitzreichweiten erzielen.
Sinnvoll ist es auch, dass sich der Leuchtwinkel weiterhin manuell einstellen lässt. Ein paar Beispiele dazu:
- Beim indirekten Blitzen, wenn also das Blitzlicht an die Decke oder eine Seitenwand gerichtet wird,
ist es sinnvoll, am Blitzgerät eine kürzere Brennweite einzustellen. Wer auf Nummer sicher gehen will,
fährt den Reflektor um zwei Brennweitenwerte zurück.
- Die gleichmässige Ausleuchtung der Motivfläche hat zumeist ihre Grenzen. Für Reproduktionen kann es
wünschenswert sein, eine gleichmässigere Ausleuchtung zu erhalten. Durch Vergrössern des Leuchtwinkels
über den benötigten Wert kann zumeist eine bessere Ausleuchtung erreicht werden, auf Kosten der
Reichweite versteht sich.
- Für Makroaufnahmen aus unmittelbarer Nähe kann ebenfalls der Leuchtwinkel vergrössert werden. Durch
die abnehmende Intensität des Blitzlichtes wird die Leuchtdauer des Blitzgerätes erhöht, dadurch können
unter Umständen Kurzzeiteffekte des Films vermieden werden (Empfindlichkeitsverlust und Farbkippen bei
sehr kurzer Belichtung).
Wirkungsvoll ist etwa die Televorgabe zur Aufhellung, wenn sich eine Motiv nur ine einem Teil des
Vordergrundes einer Landschaft befindet, die mit einem Weitwinkelobjektiv fotografiert wird.- Eine Weitwinkeleinstellung am Blitzgerät würde unnötig Energie für Bildbereiche verbrauchen wo
nichts aufzuhellen ist, welche dann andererseits fehlt, um mittels Blitz gegen die Sonne anzukommen.
- Bei gegebener Belichtungszeit (X-Synchronzeit) kann mit engerer Reflektorstellung stärker abgeblendet werden.