Fotografie mit Blitzlicht
Zuerst: Der Lichtabfall in die Tiefe
Ein Blitz gibt Licht ab, aber dies reicht nur über eine bestimmte Distanz. Weshalb ist dies so? Stellen wir uns eine gegebene Lichtleistung über eine gewisse Distanz vor, zum Beispiel 2 Meter. Jetzt stellen wir fest, das er auf diese Distanz beispielsweise eine Fläche von 3m x 2m beleuchtet. Folglich beleuchtet er auf die doppelte Distanz von 4m eine Fläche von 6m x 4m, also bewirkt eine Verdopplung der Distanz die Vervierfachung der beleuchteten Fläche. Die ganze Lichtleistung muss sich jetzt auf 24 Quadratmeter verteilen, wo's vorher nur 6 waren, folglich wird das Licht auch nur noch einen Viertel so hell sein wie in unserem Beispiel bei 2 Meter. Das nennt man den Lichtabfall in die Tiefe, er erfolgt mit dem Quadrat zur Distanz.
Als Fazit gewinnen wir mit diesem Wissen also folgende Erkenntnisse:
- Ein Blitz hat eine bestimmte Reichweite abhängig von seiner Leistung, bei welcher er eine Motivebene richtig ausleuchten kann. Diese Distanz wird Blitzreichweite genannt.
- Motive, welche näher sind werden heller ausgeleuchtet, entferntere Motive erscheinen dunkler.
Dieser Effekt ist im wesentlichen verantwortlich für die gefürchteten dunklen Hintergründe von geblitzten Fotos (siehe oben stehendes Bild). - Der Lichtabfall erfolgt mit dem Quadrat zur Distanz, eine Verdopplung der Distanz ergibt ein Lichtverlust von 2 Lichtwerten (entsprechend 2 Blenden).
Fotografie mit Blitzlicht
Bevor wir detailliert auf die verschiedenen Arten der Fotografie mit Blitzlicht eingehen, wollen wir vorgängig anhand eines Beispiels sehen, welche Möglichkeiten der Belichtung sich anerbieten.
Unser Beispiel soll ein Raum erhellt mit Kunstlicht (Glühbirnen) sein. Nehmen wir an, unser eigentliches
Motiv befinde sich 2 Meter vor der Kamera.
Der in der Kamera eingebaute Lichtmesser ermittelt eine Belichtung von 1/15 Sekunde bei Blende 4, dies
entspricht Lichtwert 8 beim Einsatz eine Filmes mit Empfindlichkeit ISO100.
Wir haben jetzt drei Möglichkeiten der Belichtung:
- Verwendung des vorhandenen Lichtes.
- Verwendung von Blitzlicht.
- Verwendung von vorhandenem Licht und von Blitzlicht.
Jede Möglichkeit wird ein Foto mit unterschiedlicher Stimmung ergeben.
Verwendung des vorhandenen Lichts
Wir verwenden die ermittelte Zeit- und Blendenkombination. Auf dem Bild wird der ganze Raum von vorne bis hinten gleichmässig erleuchtet erscheinen. Der Grundfarbton ist wegen der Glühlampenbeleuchtung stark rötlich, die lange Verschlusszeit lässt trotz Einsatz eines Stativs Bewegungen unscharf erscheinen. Wegen der stark geöffneten Blende wird der Hintergrund ebenfalls unscharf dargestellt.
Verwendung von Blitzlicht
Wir ignorieren die ermittelten Belichtungsdaten und greifen zum Blitzgerät. An der Kamera stellen wir
die Synchronzeit 1/250 Sekunde ein und wählen Blende 5,6 vor.
Mit dieser Einstellung hat das vorhandenen Umgebungslicht keine Chance mehr, es ergibt sich daraus eine
Unterbelichtung von 5 Lichtwerten (entspricht 5 Blendenschritten). Das vorhandene Licht trägt nichts mehr
zur eigentlichen Belichtung bei.
Die Blitzleistung wird auf das Motiv in zwei Metern Distanz abgestimmt, dies entspricht zirka Leitzahl 11
(Blende 5,6 mal 2 Meter = 11,2). Derart belichten wir nun unsern Film
Das Bild wird folgendes zeigen. Das Motiv in zwei Metern Distanz ist richtig belichtet, Objekte in 1 Meter
Distanz (halbe Distanz) sind um zwei Lichtwerte überbelichtet, entsprechend Objekte in einer Distanz von 4
(doppelte Distanz) Metern um zwei Lichtwerte unterbelichtet. Bereits in 6 Metern Distanz ist nichts mehr
zu erkennen, der Raum verliert sich nach hinten im Dunkeln. Aufgrund der kleinen Abbrenndauer des Blitzes
wird jede noch so schnelle Bewegung scharf abgebildet.
Verwendung von vorhandenem und Blitzlicht
Zwischen diesen zwei Extremen können wir allerdings auch einen Kompromiss wählen.
Anstelle der ermittelten Blende 4 wählen wir Blende 5,6 vor, die Verschlusszeit belassen wir bei 1/15
Sekunde. Dadurch erhalten wir eine Unterbelichtung von 1 Lichtwert, der Film erhält aus der Kombination
Verschlusszeit und Blende also nur die halbe benötigte Lichtmenge.
Die andere Hälfte des Lichts fügen wir mittels Blitzlicht dazu. Dazu wählen wir auch am Blitz eine Minuskorrektur von 1 Lichtwert, dies entspricht einer Leitzahl von 8. Damit erhält das Motiv in der Distanz von 2 Metern vom Blitz genau die halbe für eine korrekte Belichtung notwendige Lichtmenge.
Was zeigt uns jetzt das Bild? Das Motiv in 2 Metern Entfernung ist richtig belichtet, das "Tageslicht" des
Blitzgerätes sorgt für eine einigermassen natürliche Wiedergabe der Farben, aufgrund der kurzen
Blitzabbrenndauer wird das Motiv scharf erscheinen. Falls sich das Motiv bewegt hat, wird dem scharfen
Kernbild ein leicht unscharfes Bild überlagert sein, welches Bewegung andeutet.
Im Hintergrund wird der Raum ersichtlich sein, stimmungsvoll leicht dunkler als das Hauptmotiv und mit der rötlichen Grundfarbe der Glühlampenbeleuchtung.
Diese Art der Belichtung nennen wir Langzeitsynchronisation.
Wir erkennen anhand dieses Beispiels, dass wir durch Mischung von vorhandenem Licht und Blitzlicht die Wirkung des Bildes stark beeinflussen können. Die verschiedenen Parameter sollen nochmals kurz aufgezählt werden.
Verschlusszeit: Da der Blitz selbst kürzer als die Verschlusszeit ist wird damit nur der Einfluss des Umgebungslichts gesteuert.
- Längere Verschlusszeit: Vom Blitz nicht erreichter Hintergrund wird heller abgebildet.
- Kürzere Verschlusszeit: Vom Blitz nicht erreichter Hintergrund wird dunkler abgebildet.
Blitzleistung: Über die Blitzleistung wird die Blitzreichweite resp. die Helligkeit des Vordergrundes gesteuert.
- Grössere Blitzleistung: Die Blitzreichweite nimmt zu. Objekte im Vordergrund werden heller abgebildet.
- Kleinere Blitzleistung: Die Blitzreichweite nimmt ab. Objekte im Vordergrund werden dunkler abgebildet.
Blende: Die Blende steuert sowohl die Blitzreichweite als auch den Einfluss des Umgebungslichts.
- Grössere Blende: Vom Blitz nicht erreichter Hintergrund wird heller abgebildet. Die Blitzreichweite nimmt zu.
- Kleinere Blende: Vom Blitz nicht erreichter Hintergrund wird dunkler abgebildet. Die Blitzreichweite nimmt ab.