Lichtführung

Entfesseltes Blitzen

Von entfesseltem Blitzen spricht man, wenn der Blitz nicht an der Kamera montiert ist, also mittels Kabel oder drahtloser Auslösung von der Kamera getrennt zum Einsatz kommt. Dadurch lässt sich die Blitzlichtrichtung unabhängig vom Kamerastandort festlegen. Möglichkeiten des Einsatzes entfesselter Blitzgeräte sind:

  • Gezieltes Einsetzen der Lichtrichtung als Gestaltungsmittel,
  • indirektes Blitzen,
  • partielles Anblitzen bestimmter Motivpartien,
  • Schattenunterdrückung.

Wie wirkt sich die Lichtrichtung aus:

Richtung Wirkung Eignung
Frontales Licht Praktisch schattenlose Ausleuchtung, keine Beeinflussung von Formen, Strukturen und Farben durch Schatten, Motiv erscheint flach, wenig strukturiert, kann langweilig wirken. geeignet für Dokumentation in Technik und Wissenschaft, wenn Farben und Formen wesentlich sind.
Seitliches Licht Formen werden durch leichte Schatten betont, natürliche Wirkung. Ideal als Hauptlicht bei Porträts, wenn räumliche Wirkung wichtig ist.
Streiflicht
(90° seitlich)
Strukturen werden sehr stark betont, Motiv erscheint plastisch, Schatten sind ausgeprägt und lang, evtl. auch hart, dramatische Wirkung. Landschaft, Architektur...
Gegenlicht die der Kamera zugewandte Seite ist im Schatten, Umrisse erhalten einen Lichtschimmer, das Motiv wird durch diese Konturbetonung vom Hintergrund getrennt, hohe Kontraste. Porträt, Landschaft, Architektur...
zumeist in Kombination mit Schattenaufhellung.
Oberlicht Schatten gehen nach unten. dies kann bei Porträts eine diabolische Komponente erzeugen (Augen liegen im Dunkeln)
Unterlicht Schatten gehen nach oben.  

Am Kabel

Entfesselter Blitz am Kabel SC17 Das klassische entfesselte Blitzen geschieht mittels Kabel. Dabei bleibt meist der volle Funktionsumfang der Blitzgeräte erhalten. Zumeist wird im Blitzschuh ein Adapter eingeschoben, welcher oftmals Anschlüsse für mehrere Blitzkabel aufweist.

Drahtlos

Viele Hersteller bieten Blitzgeräte mit drahtloser Steuerung an. Eine an sich feine Sache. Geht man der Sache aber auf den Grund, so stellt man bei der drahtlosen Auslösung oftmals grössere Einschränkungen fest. So kann es zum Beispiel sein, dass nur Synchronisationszeiten länger oder gleich 1/60s verwendet werden dürfen - nicht gerade berauschend.
Eine feine Möglichkeit zur drahtlosen Steuerung hat Nikon für seine Blitzgeräte entwickelt - der drahtlose Auslöser SU-4. An ein Nikon Blitzgerät mit ISO-Fuss angesetzt, erlaubt diese Fotozelle im TTL-Betrieb die Fernzündung durch ein anderes Blitzgerät (dieses muss nicht gezwungenermassen ein Nikongerät sein). Sobald das auslösende Blitzgerät abstellt, wird automatisch auch gleich das durch die Fotozelle SU-4 ferngezündete Sklavenblitzgerät abgestellt (insofern es sich um ein TTL-taugliches Blitzgerät handelt), dadurch ist TTL-Blitzsteuerung möglich. Einzige Einschränkung: Allfällige Messblitze (z.B. bei Nikonblitzgeräten) müssen abgeschaltet werden.

Beachten sie, dass die Brennweitenangaben zur Reflektorstellung nur gelten, wenn der Blitz an der Kamera montiert ist - beim entfesselten Blitzen sind sie bloss ein Hinweis auf den Ausleuchtwinkel, es ist an Ihnen, den Blitzreflektor so einzustellen, dass das Motiv wie gewünscht ausgeleuchtet wird.

Spitzlichter

Spitzlichter in den Augen Eine minimale Menge an Direktlicht kann eingesetzt werden zur Erzeugung von Spitzlichtern. Gerade bei Porträts wirken kleine Spitzlichter in den Augen sehr natürlich, bei fehlenden Spitzlichtern kann ansonsten schnell ein lebloser Eindruck entstehen. Aus diesem Grund haben schwenkbare Blitzgeräte oftmals einen zusätzlichen kleinen Blitz oder eine ausziehbare Streuscheibe für einen geringen Anteil Direktlicht eingebaut.

Wer will, kann ein eingebautes kleines Blitzgerät für Direktlicht benutzen und ein zweites grösseres für das indirekte gestreute weiche Licht als Sklavenblitz auslösen. (Sklavenblitze sind Blitzgeräte, welche über eine Fotozelle von anderen Blitzgeräten drahtlos ausgelöst werden.) In diesem Falle sollte die Leistungseinstellung der beiden Blitzgeräte manuell vorgenommen werden, ein externer Blitzlichtmesser ist dabei fast unabdingbar (z.B. von Gossen oder Sekonic - ich verwende den Multimaster L-408 von Sekonic, ein Gerät, welches alles beinhaltet was gut und brauchbar ist, nicht nur Blitzmessung).

Von Schatten und Kreuzschatten

Woran könnte der Blitzlichtfotograf wachsen wenn es nicht auch ein paar Probleme gäbe. In der Tat werden wir mit ein paar speziellen Herausforderungen gesegnet: Schatten und Kreuzschatten.

Mit Ausnahme von Makroblitzgeräten ist die Blitzlichtquelle nicht unmittelbar beim Objektiv angeordnet. Demzufolge hat der Blitz auch eine geringfügig andere Blickrichtung als der Film. Daraus leitet sich sogleich ab, dass der Blitz nicht das gleiche beleuchtet wie der Film sieht. Solange es sich um Objekte im Vordergrund handelt passiert noch nichts, diese Flächen werden simpel und einfach ausgeleuchtet. Aber unmittelbar dahinter entsteht ein Schattenwurf. Objekte im Hintergrund können also im Schatten des Vordergrundes liegen, und da das Objektiv nicht an der Stelle des Blitze ist kann es diese Schatten sehen.

Schatten wären für sich kein Problem, sie verhelfen einem Motiv oftmals zu plastischer Wirkung, manchmal sind es gerade fehlende Schatten, welche ein ansonsten technisch gutes Bild sehr flach und langweilig wirken lassen. Doch hier treten sie stark konturiert und mit hohem Kontrast hervor, eindeutig zuviel des Guten. Dies ist eine Folge davon, dass die Blitzlichtquelle nahezu punktförmig ist und das Licht dadurch stark gerichtet wirkt. Wir müssen dem Schatten also entgegenwirken.

Zwei Möglichkeiten bieten sich an, wenn man mal davon absieht, den Blitz ums Objektiv herum anzuordnen wie dies bei Makroblitzgeräten gemacht wird (dadurch werden Schatten gänzlich verhindert):

Die erste Ansatz fordert, der Hintergrund muss weg. Die praktische Realisierung dieses ersten Ansatzes ist einfach: Das Motiv möglichst weit entfernt von der Wand weg plazieren.

Sobald das Motiv aber aus mehreren Teilmotiven besteht welche einander überschneiden ist es weniger einfach. Die verschiedenen Elemente des Motivs können sich jetzt gegenseitig beschatten. Durch geschickte Anordnung der Lichtrichtung kann der geneigte Fotograf aber die schlimmsten Schatten verhindern.

Am Beispiel eines Paarbildes, wie sie zum Beispiel bei Hochzeiten gang und gäbe sind, soll die beiden untenstehenden Grafiken das generelle Vorgehen erläutern.

Blitzanordnung so, dass der Schatten sichtbar wird Blitzanordnung so, dass der Schatten nicht sichtbar wird

Zum linken Bild: Die Schatten sind sichtbar. Die Frau steht vor dem Mann, aus Sicht des Fotografen leicht nach links versetzt. Wenn der Fotograf den Blitz gegenüber dem Objektiv aus seiner Sicht ebenfalls links anordnet, so wird der Schatten der Frau auf dem Mann sichtbar

Zum rechten Bild: Wird allerdings der Blitz rechts vom Objektiv angeordnet, so wirft die Frau zwar auch einen Schatten auf ihren Mann, dieser wird aber auf dem Film nicht sichtbar. Wir haben den beschatteten Hintergrund quasi hinter das Vordergrundmotiv geschoben. Die Schatten sind nicht sichtbar.

Die zweite Lösung verlangt nach ungerichtetem, diffusem Licht. Das generell harte Licht bekommt man nur weicher, indem man spezielle Aufsätze für Blitze benutzt (Diffuser, Softbox), oder den Blitz indirekt über eine weisse Wand oder Decke benutzt.

Auch dazu wieder zwei Bilder:

Das linke Bild zeigt das Resultat von frontalem Blitzeinsatz. Klar ersichtlich sind die Schatten und der Lichtabfall in der Tiefe. Rechts sehen wir die Ausleuchtung bei indirektem Blitzeinsatz über die Decke.

Benötigt wird dazu ein abnehmbarer Blitz (mit Kabel oder drahtlos) oder zumindest ein schwenkbarer Blitzkopf. Beide Möglichkeiten gehen natürlich auf Kosten der Leistung des Blitzes. Bekannte Hersteller von Diffusern für Kompaktblitzgeräte sind Lumiquest und Sto-Fen.

Wer zu Hause ein kleines improvisiertes Studio einrichtet, kann fürs erste auch schon mal eine bereits vorhandene Diaprojektionswand als Aufhellfläche einsetzen. Die Leinwand wird seitlich der Kamera aufgestellt und vom nach hinten gerichteten Blitzgerät angestrahlt. Dies ergibt eine grosse "Blitzfläche", welche diffuses ungerichtetes Licht erzeugt, dies mit erträglicher Leistungsminderung bei grosser Flexibilität.

Die Wirkung von weichem Licht erstreckt sich aber nicht nur auf die gleichmässige Ausleuchtung, auch Oberflächen werden ganz anders dargestellt. Die fehlerkaschierende Wirkung von weichem Licht ist eindrücklich anhand der beiden untenstehenden Bilder ersichtlich.

Links ein schreckliches Bild, hart ausgeleuchtet. Typisch ist der Reflex links oben und die harten Schatten. Ein schreckliches Bild auch rechts, aber zumindest weich ausgeleuchtet.

Wo zwei Lösungen sind wird oftmals eine Dritte vermutet, und tatsächlich, der dritte Ansatz lebt. Wir können Schatten wegblitzen, das geht so: Wir verwenden zwei Blitzgeräte, eines links, das andere rechts von der Kamera - beide mit je halber Leistung. All die Partien des Motivs, welche bisher im Schatten lagen kriegen jetzt Licht vom jeweils entgegengesetzt plazierten Blitzgerät. Somit erwarten wir, keine Schatten mehr anzutreffen, alles Paletti also. Die Praxis belehrt uns eines anderen. Wo vorher Schatten war ist jetzt Halbschatten, der Schatten ist zwar weniger kontrastreich, dafür haben wir ihn jetzt auf beiden Seiten des Motivs da wir ja bekanntlich zwei Lichtrichtungen verwenden. Diese Schatten werden Kreuzschatten genannt und wirken ausgesprochen hässlich, unnatürlich und störend. Sie sollten dies unbedingt einmal ausprobieren.

Schatten werden härter:
  • Je direkter das Licht aufs Motiv fällt,
  • je grösser die Blitzentfernung ist,
  • je kleiner die Lichtabstrahlende Fläche ist,
  • je enger der Abstrahlwinkel des Blitzgerätes ist.
Schatten werden weicher:
  • Je grösser der Anteil indirekt gestreutes Licht ist,
  • je grösser die Streufläche (Diffuser, Softbox, Diaprojektionswand) ist,
  • je grösser der Beleuchtungswinkel des Blitzgerätes ist,
  • je näher das Blitzgerät beim Motiv ist.