Symmetrien, Reihen...

Symmetrie galt schon im Altertum als ästhetisch und findet sich deshalb seit je her in vom Menschen gestalteten Dingen. So weisen z.B. Tempel und Kirchen einen ausgeprägt symmetrischen Grundriss auf. Symmetrien kommen aber auch in der Natur häufig vor: Auch der Mensch ist weitgehend symmetrisch, gleicht also seinem Spiegelbild.

Doch was genau ist eine Symmetrie? Eine Symmetrie liegt dann vor, wenn man etwas tun kann - z.B. Drehen, Spiegeln, oder Verschieben - ohne dass siche etwas ändert. Im Rahmen der Fotografie denken wir bei Symmetrien vorerst an Spiegelungen und spiegelsymmetrische Motive. Bei Überlegungen zu geometrischen Figuren stossen wir dann auch auf punksymmetrische Eigenschaften, z.B. von Kreisen. Soweit ist Symmetrie also eine Eigenschaft, welche dem Objekt anhaftet, es ist nicht etwas, das vom Fotografen erschaffen wird. Eiskristalle können um 60 Grad gedreht werden ohne ihr Aussehen zu ändern, ein Quadrat bleibt unverändert bei einer Viertelkreis-Drehung. Ein Kreis hat diese Eigenschaft gar für jeden beliebige Winkel.

Nach obiger Definition sind Symmetrien jedoch noch mehr. Auch Aneinanderreihung identischer Elemente mit gleichem Abstand lässt eine Verschiebung zu, ohne dass sich etwas ändert - sie werden translative Symmetrie genannt. Somit gehören auch solche Reihen zu den Symmetrien.

Bildwirkung von Symmetrien:

Eine symmetrische Darstellung gibt den beiden Hälften (bei Spiegelsymmetrie) erst einmal die gleiche Wertigkeit, sie sind ebenbürtig, sind ihre jeweiligen Spiegelbilder. Symmetrie fügt dem Bild also inhaltlich nichts neues hinzu und ist als Selbstzweck somit defakto sinnfrei. Bei perfekter Spiegelsymmetrie erübrigt sich die eine Hälfte, da mit der anderen inhaltlich bereits alles gesagt ist.

Für die Darstellung von Symmetrie spielt somit der Bildausschnitt eine wichtige (entscheidende) Rolle, Symmetrie ist immer auch eine Frage der Darstellung. Viele Motive sind nur potentiell symmetrisch, es liegt am Fotografen, wie weit er diese Symmetrie herausarbeiten oder verstecken will.

Hingegen haben Symmetrien eine grafische Funktion. Jede Art der Symmetrie fügt dem Bild ihre spezifische virtuelle Geometrie bei. Bei der Spiegelsymmetrie ist es die Trennlinie der Spiegelachse, bei welcher sich das Bild in zwei Hälften teilt, bei Reihen ist die Linie virtuell durch entsprechende Punkte der wiederholten Elemente gegeben. Symmetrie wird dadurch zum grafischen Gliederungselement, sie lässt Ordnung entstehen und ein Bild wird dadurch einfach erfassbar.

Die auf eine vertikale Achse bezogene Symmetrie ist eine wirkungsvolle Gestalt, Achsen- oder punktsymmetrische Formen haben hohe Prägnanz.

Drehsymmetrie beinhaltet anstelle der Linie den Drehpunkt. Weil durch einen Punkt eine Bildort spezifisch ausgezeichnet wird, sollte der (evtl. nur virtuelle) Drehpunkt innerhalb der Komposition gezielt positioniert werden.

Weil Symmetrie in einem Bild grafisch Ordnung und somit Ruhe schafft wirkt Symmetrie vorerst statisch, beinhaltet also die Gefahr von Monotonie, welche schnell auch in Langeweile umschlagen kann. Sparsam eingesetzt hingegen kann Symmetrie in einer Komposition recht ansprechend sein, vorausgesetzt, der Bildausschnitt ist richtig.

Symmetrie stellt einen besonders hohen Grad von Ordnung dar (...). Ästhetisch gesehen reicht ihre Wirkung auf den Betrachter von Eindrücken von Vollendung und Harmonie bis zur Langeweile. Fotografisch gesehen ist Symmetrie ein statisches Symbol für Förmlichkeit und Monotonie, und daher ein wertvolles Kompositionsmittel, da ja Förmlichkeit und Monotonie nicht unbedingt unerwünschte Bildeigenschaften sein müssen.

Andreas Feininger, Kompositionskurs Seite 118

Aufbrechen der Symmetrie, Asymmetrie

Durch Aufbrechen der Symmetrie erhalten wir Asymmetrie. Asymmetrie ist nicht die Absenz von Symmetrie, sondern die Abweichung davon und dadurch auffällig, ideale Bedingungen um der Abweichung als Figur Aufmerksamkeit zu verleihen. Somit bleibt formal die Symmetrie von Bedeutung, inhaltlich dominiert jedoch die Abweichung davon.

Für den Fotografen ist somit bei Fragen zur Symmetrie jedes mal auch der anzuwendende Asymmetriegrad von Bedeutung. Dies Asymmetrie kann unterschiedlich ausfallen:

  • Entweder inhaltlich, indem die gleichberechtigten Teile im Detail nicht identisch sind, sowohl die Umgebung als auch kleinere Elemente innerhalb einer Symmetrie sind (zumeist) unsymmetrisch. Symmetrie findet sie sich immer nur auf einer Grössenebene. Anmerkung: Beim Menschen ergeben sich im Detail nicht unbedeutende Abweichungen. So sind beide Gesichtshälften zwar gespiegelt, jedoch selten völlig identisch, normalerweise wirkt die linke Seite fröhlich, die rechte vergleichsweise ernst.
  • Die andere Methode ist eine Abweichung in der Symmetriefunktion selbst, bei translativer Symmetrie zum Beispiel durch Variationen innerhalb der Verschiebedistanzen (Rhythmus).
  • Weitere Methoden zur Symmetrieauflockerung sind z.B. dem symmetrischen Motiv überlagerte Schatten, bei Architektur bieten sich meist Menschen innerhalb des Bildfeldes an.

Verhältnisse innerhalb einer Bildkomposition ergeben sich durch den Bezug der Bildelemente zueinander, bei symmetrischen Bildanteilen sind dies die statischen 1:1 Verhältnisse, welche dem Bild wie schon erwähnt kein gerütteltes Mass an Spannung verleihen. Weitere Verhältnisse entstehen durch den Bezug von Bildanteilen zur Bildfläche resp. zu den Bildrändern. Durch geschickte Anordnung können sich Einteilungen ergeben, welche lebendig wirken und die ansonsten strenge Wirkung der Symmetrie durchbrechen.

Nebenstehende Bild zeigt einen Bildaufbau mit zwei ursprünglich symmetrischen Seiten. Die roten Tische durchbrechen durch ihre unterschiedliche Stellung die Symmetrie. Die Asymmetrie betont den schräg gestellten Tisch, gerade gestellt wäre dies nicht der Fall. Der schräge Tisch wird so zur eigentlichen Figur innerhalb des Bildes. Durch die Einteilung der Bildfläche wird der Goldene Schnitt ins Bild gewoben. So geht die Symmetrielinie oben von der Mitte aus, endet unten jedoch im (ungefähren) Goldenen Schnitt. Auch die Aufteilung der Elemente in der Höhe orientiert sich an diesem Mass. Und last but not least: Sowohl das Hochformat als auch die Anordnung der Figur im oberen und linken Bereich der Bildfläche unterstützen einen dynamischen Bildeindruck.

Sie sollen allerdings nicht davon ausgehen, dass das nebenstehende Bild derart analytisch entstand, gestalterisch tätig war der Bauch, dieser wurde aber durchaus ernsthaft befragt.

Anmerkung zum Begriff der Symmetrie: In vielen Diskussionen zum Thema Gestaltung (resp. Kunst oder was auch immer) wird Symmetrie als ein ausgewogenes Verhältnis zweier Bildstrukturen zueinander verstanden. Sie stehen sich gegenüber, ihre "Symmetrie" kriegen sie durch Gleichwertigkeit indem der schwerer wirkende (der grössere, dunklere...) Motivteil näher am Bildzentrum plaziert wird, der leichtere hat dann entsprechend eine grösser Distanz zum Zentrum. Dadurch werden die Schwerpunkte innerhalb des Bildraumes "ausgewogen".