Kompositionsschemata
Der Mensch ist das Mass aller Dinge
Protagoras, 5 Jh.v.Chr.
In den bisherigen Kapitel zur Bildgestaltung wurden vor allem Einzelaspekte der Gestaltung betrachtet. Komposition hingegen dreht sich um die Beziehungen von Objekten untereinander und zur Bildfläche. Am weitesten ging diesbezüglich bisher der Abschnitt Fläche und Form.
Die Komposition ist ein Auswählen und Zusammenfügen von Bildbestandteilen innerhalb der
Bildfläche zu einem (stimmigen) Ganzen. Dieses Ganze soll mehr sein als die Summe der Einzelteile
indem sich Bezüge ergeben, welche die Gesamtwirkung unterstützen und verdichten.
Kompositionsschemata sind einfache formale (nicht inhaltliche) grafische Grundtypen des Bildes. Der Begriff der Komposition hat im Laufe der Zeit Änderungen erfahren. Während der Renaissance hatte die Komposition zur Aufgabe, der Darstellung eine angemessene Form zu geben (klassische Kompositionsschemata). Bei Kandinsky trat der Aspekt der Zusammenstellung in den Vordergrund. Es ging nicht mehr um die Darstellung, sondern um die Zusammen-Fügung, das Bild war ein Gefüge von Elementen. Kompositionsschemata sind somit keineswegs universell und unterliegen gesellschaftlichen und in der Fotografie explizit auch modischen Strömungen.
Bei den Ausführungen zu Kompositionschemata will ich keinem zu entwickelndem theoretischen roten Faden folgen, sondern einzelne "Fragen stellen" (wenn möglich auch anhand von Beispielen) und so ich dessen mächtig bin, diese auch erläutern.
Proportionen
Der Begriff Proportion bezeichnet die Verhältnisse, welche sich aus Dingen untereinander
ergeben. Im geometrischen Bereich sind dies Grössen, Richtungen, Aufteilungen und die sich daraus
ergebenden Gewichtungen.
Dinge ins richtige Verhältnis zu setzen ist weitgehend Ziel der Kunst seit dem antiken Griechenland, die richtigen Verhältnisse werden Harmonie genannt. Die bekannteste Proportionslehre der Griechen ist der Kanon (Regel) von Polykleth und der Doryphoros (Speerträger), eine Statue, welche nach dieser Regel geschaffen wurde. Das Wissen der Antike und somit auch um die Proportionen wurde von Euklid im Buch Die Elemente zusammengefasst. Darin beschrieb er die Geometrie nach den Regeln der Arbeit der Künstler. Basierend auf der Proportionslehre der Antike wurde von Le Corbusier mit dem Modulor ein universelles Masssystem für die Architektur entwickelt.
In diesen Seiten:
Während dem Mittelalter hatten Proportionen von Figuren untereinander zumeist die Aufgabe, den Figuren innerhalb der Darstellung die angemessene Bedeutung zu verleihen. Was grösser abgebildet wurde war von grösserer Bedeutung. Diese Art der Darstellung wird Bedeutungsperspektive genannt.
Farbkomposition
Nebst geometrischen Aspekten waren stets auch Farben Bestandteil kompositorischer Überlegungen. Während langer Zeit war Farbe ein bedeutender Kostenfaktor und wurde entsprechend der Kostbarkeit verteilt. Die heutigen Gestaltungsleitsätze zu Farbe gehen grossenteils auf Schemata von J.W.von Goethe und Johannes Itten zurück.