Belichten ist ganz einfach

Jeder, der schon mal analog fotografiert hat, kennt dies:

  • Wenn sie bei ihrer Kamera die Rückwand öffnen und der Film war noch nicht zurückgespult, dann ist der Film belichtet -> Zum Belichten braucht es Licht.
  • Sie erschrecken, reagieren schnell und schliessen dem Deckel gleich wieder. Sie erwarten, dass der Film dadurch weniger belichtet wurde -> Es kommt auf die Belichtungszeit an.
  • Wenn sie unsicher sind, ob der Film schon zurückgespult wurde, dann öffnen sie die Rückwand vorsichtig nur ganz wenig um einen kurzen Blick zu erhaschen. Auch in diesem Falle erhoffen sie sich nur eine geringfügige Belichtung -> Es kommt also auch auf die Öffnung an.
  • Wenn sie dies im im Schatten oder im Dunkeln machen, wird der Film eventuell geringer belichtet -> Die Helligkeit des Lichts ist wesentlich.
  • Und nicht zuletzt: Nicht jeder Film reagiert gleich empfindlich -> Die Filmempfindlichkeit spielt also auch eine Rolle.

Dies ist die Art, wie man durch Belichten kein Bild macht. Genau gleich wird verfahren wenn man ein Bild machen will, allerdings mit der Optik anstelle der Kamerarückwand:

  • Die Blende im Objektiv bestimmt die Grösse der Öffnung,
  • Die Belichtungszeit die Dauer der Belichtung.
  • Der Film steuert die Filmempfindlichkeit bei
  • und ausserhalb der Kamera ist die Beleuchtung und deren spezifische Helligkeit gegeben.

Diese Grössen gehen in das Ergebnis ein, das ist schon alles. Man fragt sich intuitiv, wozu all die anderen Knöpfe an der Kamera gut sein sollen.

Reziprozität

Die Belichtung setzt sich zusammen aus den Faktoren Beleuchtungsstärke auf dem Film und der Belichtungszeit. Solange wie das Produkt Beleuchtungsstärke mal Belichtungszeit gleich bleibt, hat die Belichtung auf dem Film auch immer die gleiche Wirkung. Es ist somit unbedeutend, ob die Belichtung hell und kurz erfolgt, oder dunkel bei langer Belichtungszeit.

Dieses Reziprozitätsgesetz ist massgeblich dafür verantwortlich, dass der Fotograf bei seinen Aufnahmen in weitem Bereich mittels Blende oder Belichtungszeit gestalten kann, wenn er jeweils die andere Einflussgrösse anpasst.

Für analoge Fotografie hat das Reziprozitätsgesetz zwei Grenzen bei langen und kurzen Zeiten:

  • Bei langen Belichtungszeitenzeiten, oft ab etwa 1 Sekunde, nimmt die Empfindlichkeit des Filmmaterials ab, die Belichtungszeit muss zusätzlich verlängert werden. Dies wird Schwarzschildeffekt genannt.
  • Auch bei sehr kurzen Belichtungszeiten (filmabhängig, frühestens ab 1/1000s) nimmt die benötigte Belichtung zu. Zudem können bei Farbfilmen Farbverschiebungen auftreten, da die einzelnen Farbschichten unterschiedlich reagieren. Ausser bei Blitzaufnahmen mit sehr kurzen Blitzzeiten macht sich dieser Effekt in der fotografischen Praxis kaum bemerkbar.

Lichtwert - Exposurevalue

Die Angabe der Belichtung erfolgt in Lichtwerten (LW) oder als Exposure Value (EV).

Blende
Zeit
f/1.4 f/2.0 f/2.8 f/4.0 f/5.6 f/8.0 f/11 f/16 f/22
30s LW -4 LW -3 LW -2 LW -1 LW 0 LW 1 LW 2 LW 3 LW 4
15s LW -3 LW -2 LW -1 LW 0 LW 1 LW 2 LW 3 LW 4 LW 5
8s LW -2 LW -1 LW 0 LW 1 LW 2 LW 3 LW 4 LW 5 LW 6
4s LW -1 LW 0 LW 1 LW 2 LW 3 LW 4 LW 5 LW 6 LW 7
2s LW 0 LW 1 LW 2 LW 3 LW 4 LW 5 LW 6 LW 7 LW 8
1s LW 1 LW 2 LW 3 LW 4 LW 5 LW 6 LW 7 LW 8 LW 9
1/2s LW 2 LW 3 LW 4 LW 5 LW 6 LW 7 LW 8 LW 9 LW 10
1/4s LW 3 LW 4 LW 5 LW 6 LW 7 LW 8 LW 9 LW 10 LW 11
1/8s LW 4 LW 5 LW 6 LW 7 LW 8 LW 9 LW 10 LW 11 LW 12
1/15s LW 5 LW 6 LW 7 LW 8 LW 9 LW 10 LW 11 LW 12 LW 13
1/30s LW 6 LW 7 LW 8 LW 9 LW 10 LW 11 LW 12 LW 13 LW 14
1/60s LW 7 LW 8 LW 9 LW 10 LW 11 LW 12 LW 13 LW 14 LW 15
1/125s LW 8 LW 9 LW 10 LW 11 LW 12 LW 13 LW 14 LW 15 LW 16
1/250s LW 9 LW 10 LW 11 LW 12 LW 13 LW 14 LW 15 LW 16 LW 17
1/500s LW 10 LW 11 LW 12 LW 13 LW 14 LW 15 LW 16 LW 17 LW 18
1/1000s LW 11 LW 12 LW 13 LW 14 LW 15 LW 16 LW 17 LW 18 LW 19
1/2000s LW 12 LW 13 LW 14 LW 15 LW 16 LW 17 LW 18 LW 19 LW 20
1/4000s LW 13 LW 14 LW 15 LW 16 LW 17 LW 18 LW 19 LW 20 LW 21
1/8000s LW 14 LW 15 LW 16 LW 17 LW 18 LW 19 LW 20 LW 21 LW 22

Tabelle: Kombinationen von Blenden und Belichtungszeit für
Lichtwerte von -4 bis 22.

Ein Lichtwert von 0 definiert eine Belichtung, welche der Belichtungszeit von 1 Sekunde bei Blende 1 äquivalent ist. Zu jedem Lichtwert korrespondiert eine ganze Reihe möglicher Kombinationen von Belichtungszeit und Blende, welche alle die gleichen Belichtungen ergeben. Ein erhöhen um einen Lichtwert bedeutet eine Halbierung der Belichtung, entspricht somit dem Schliessen der Blende um eine Stufe oder einem Halbieren der Belichtungszeit.

Im weiteren Text werde ich bei Belichtungskorrekturen oder Abweichungen immer von Lichtwerten sprechen. Damit soll der Eindruck vermieden werden, Korrekturen müssten spezifisch mit der Blende oder der Belichtungszeit durchgeführt werden. Ein Lichtwert lässt offen, wie korrigiert wird, entspricht praktischerweise aber einer vollen Blenden- oder Belichtungszeitenstufe (halbe oder doppelte Belichtungszeit).

Filmempfindlichkeit

Verschieden empfindliche Filme (resp. Bildsensoren) benötigen unterschiedliche Belichtungen, um das gleiche Bild zu erzeugen. Je empfindlicher der Film resp. der Bildsensor ist, desto kleiner ist die dazu benötigte Lichtmenge.
Die Angabe der Filmempfindlichkeit erfolgt nach unterschiedlichen Schreibweisen. Weit verbreitet ist heutzutage eine verkürzte ISO-Angabe, z.B. ISO 100 oder ISO 400. Ein Film mit ISO 400 ist 4 mal empfindlicher als ein Film mit ISO 100, benötigt für die Belichtung also nur ein Viertel der Lichtmenge gegenüber seinem weniger empfindlichen Pendant.

Wird nebst der Angabe der Belichtung als Lichtwert zusätzlich auch die Filmempfindlichkeit spezifiziert, so ist dadurch die Beleuchtungsstärke gegeben. Davon machen Handbelichtungsmesser für Lichtmessung Gebrauch.