Ich sehe, also bin ich

Erstellen eines Monitorprofils

Zum Erstellen des Farbprofils haben sie mehrere Möglichkeiten

  • Kein Profil und Monitor nach Augenmass einstellen: Viel Glück, ihre Welt besteht fortan aus Graukeilen und Hoffnung.
  • Das Profil war beim Kauf des Monitors als Datei beigepackt: Die meisten Monitore sind nicht gedacht für anspruchsvollste Grafikanwender. Aber vielleicht stimmt das Profil sogar, zumindest wenn ihr Monitor noch neu ist. Ansonsten ist es eine gute Ausgangsbasis für die Erstellung eines eigenen Monitor-Profils mittels Adobe Gamma.
  • Mit Adobe Gamma: deutlich besser als von Auge.
  • Mittels Bildschirm-Colorimeter: Das Ende aller Zweifel.

Wenn sie ihr Monitor-Profil erstellt haben, geben sie diesem einen aussagekräftigen Dateinamen. Ich verwende als Bezeichnung jeweils eine Kombination aus dem Programmnamen, mit welchem ich das Profil erstellt habe, und dem Erstelldatum.

Profil erstellen mit Adobe Gamma

In der Systemsteuerung ihres Windows-Rechners finden sie "Adobe Gamma" (falls sie Photoshop installiert haben). Dies ist ein Hilfsprogramm zum Erstellen eines Monitorprofils (Alternativ finden sie das Programm auf ihrer Festplatte unter ";Programme/Gemeinsame Dateien/Adobe/Calibration"). Folgen sie einfach den Anweisungen des Programms, beachten sie aber die "Umweltbedingungen":

  • Hintergrund: Ihr Raum sollte neutral sein, d.h. keine farbigen Wände aufweisen. Es dürfen sich auch keine Farben im Glas des Monitors spiegeln.
  • Licht: Sorgen sie für eine definierte Beleuchtung, welche sie immer verwenden können wenn sie an Bilddateien arbeiten. Natürliches Tageslicht ist dazu ungeeignet, da es seine Farbtemperatur im Laufe des Tages ändert. Ideal wäre ein Licht wie es von guten Leuchtpulten stammt. Normales Neonlicht verursacht einen Blau-Grün-Stich.
  • Wählen sie beim Bildschirmdesktop ein neutrales Grau (RGB-Wert 128,128,128).
  • Der Monitor sollte bereits eine halbe Stunde eingeschaltet sein, um seine normale Farbwiedergabe erreicht zu haben.

Adobe Gamma wird sie schrittweise durch die Erstellung des Monitorprofils führen. Es gibt jedoch einen schlecht wahrnehmbaren Stolperstein in dieser Fleissübung, und zwar bei der Frage nach den Phosphorfarben des Monitors.

Wie, sie wissen die nicht?

Gemäss Adobe finden sie diese Angaben im Handbuch ihres Monitors, oder sie können ihren Händler danach fragen. Dieser wird Ihnen dann 3 Zahlenpaare für die Farbkoordinaten geben, welche sie anschliessend unter dem Menupunkt "Eigene" eintragen.
Sagen sie mir vorgängig, wann und wo sie Ihren Händler nach diesen Zahlen fragen, ich möchte dann dessen Gesicht fotografieren.

Bild: Aktives Fenster der Software Adobe Gamma von Adobe

Wenn sie diese Angabe nicht wissen, so wählen sie die HDTV (CCIR 709) oder EBU/ITU Option. Treffen sie die falsche Wahl, dann sitzen sie ungefähr mitteltief in der Tinte. Ihr Profil werden sie problemlos zu Ende erstellen können, leider wird nur wenig bis zu diesem Zeitpunkt auf die falschen Phosphorfarben hindeuten. Am ehesten erkennen sie dies noch am Weisspunkt, welcher eine vom erwarteten Wert stark abweichende Farbtemperatur bedingt. Anschliessend aber werden Ihre Bilder auf dem Monitor in den dunklen Stellen nicht die gleiche Farbtendenz wie in den hellen Stellen haben, das bereitet Ihnen kaum Freude. Diesen Umstand können sie evtl. anhand der Darstellung eines Graukeiles erkennen. Tritt dieser Effekt auf, so wählen sie bei den Phosphorfarben eben die andere Option.

Wie auch immer, von diesem Monitorprofil hängt alles ab, aus "Ihrer Sicht" ist es der Dreh- und Angelpunkt Ihres Farbmanagements. Das Monitorprofil bestimmt, was sie auf dem Bildschirm zu sehen kriegen. Es kann durchaus notwenig sein, dass sie mehrmals versuchen, ein richtiges Profil zu erstellen. Ich hatte mit meinem derart erstellten Profil erst Erfolg, als ich die Lichtverhältnisse an meinem Arbeitsplatz normiert hatte. Wie das? Ich hab das Profil des Nachts erstellt, der Raum nur vom Normlicht eines Leuchtpultes erhellt.

Profil erstellen mittels Bildschirm-Colorimeter

Die genauste Variante ist die Erstellung eines Monitorprofils mittels einem Bildschirm-Colorimeter. Eine (zumeist beiliegende) Software erstellt im Verbund mit dem Messgerät ein individuelles Profil ihres Monitors. Die Preise dieser Geräte sind inzwischen von zuvor äusserst professionellen Regionen in den Amateurbereich abgesunken. Ich möchte hier nicht zu viele Worte dazu verlieren, ausser: Leisten sie sich ein solches Zubehör wenn sie mehr als nur bei Gelegenheit ein paar Farbkorrekturen durchführen wollen. Sie haben bestimmt schon für dümmeres mehr Geld ausgegeben.

Bild: Aktives Fenster der Software PhotoCal von Pantone/Colorvision zur Kalibration des Bildschirms mittels ColorSpyder.